Kommunales

Der Staffelberg, Symbol fränkischer Identität. (Foto: Wraneschitz)

06.07.2012

Patriotismus mit Pferdefuß

Unter dem Oberbegriff "Franken" tummeln sich nicht nur Kulturvereine, sondern auch Rechtsradikale

Am Samstag findet in Schwabach der „Tag der Franken“ statt – die jährliche Leistungsschau der seit über 200 Jahren zu Bayern gehörigen nördlichen Regierungsbezirke. Im Vorfeld rührten bereits diverse patriotische Gruppen die Werbetrommel, um auf die nach ihrer Meinung noch immer vorhandene Diskriminierung der Franken durch die Altbayern aufmerksam zu machen. Einige davon sind harmlose Folkloristen, andere bereits gewiefte Lobbyisten – und manche reichen schon ins rechtsradikale Spektrum hinein. Ein Überblick.
Der Frankenbund, die mit etwa 5000 Mitgliedern wohl größte Organisation mit „Franken“ im Namen, kümmert sich um „Mundart, Geschichte, Brauchtum, Literatur.“ Zwar vermuten viele, der aus Oberbayern stammende Präsident ist ein Wolf im Schafspelz. Aber nur, weil er aus deren Sicht nicht immer heftig genug für die fränkischen Belange auf den Putz haut.
Die Partei für Franken – die Franken ist nach eigenem Bekunden eine „bürgerliche Volkspartei“. Ein eigenes Bundesland Franken hat sie nicht im Visier, kämpft aber gegen die „oberbayerische Fremdbestimmung“. Man mahne, den Willen des Bürgers zu respektieren, erklärt Vorsitzender Robert Gattenlöhner. Er warnt Spitzenpolitiker auch schon mal, sich gegen Bürgerentscheide wie den zum Münchner Flughafenausbau zu stellen. Aber zuerst geht es ihm natürlich um „eine gleichmäßigere Verteilung von Investitionen“ im ganzen Land. Bisher sei Franken hier „Schlusslicht“.
Dass die Partei gegen heimattümelnde Nazis kämpft, hat sie kürzlich mit dem Beitritt zur „Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg“ bewiesen. Der Allianz gehört auch der Fränkische Bund an, einer überparteilichen, aber doch politischen Organisation, die schon mal vehement das Hissen des Rechens vor Rathäusern anmahnt. „Wir wollen nicht fränkischen Separatismus, sondern Regionalismus. Wir wollen niemanden dominieren, sondern Vielschichtigkeit und Vielfältigkeit. Was wäre, wenn der Kölner Domschatz in der Landeshauptstadt Düsseldorf läge? In Bayern ist das aber so“, erklärt Vorstandsmitglied Joachim Kalb. Mit Nazis habe man nichts am Hut, „Patriotismus und Separatismus sind zwei Paar Stiefel. Nationalismus heißt, dass ich mich über andere stelle. „Deshalb müssen wir den Neonazis die Themen nehmen.“ Diese Distanzierung hat Gründe, denn zuletzt war der Fränkische Bund auf das Volksbegehren „Bundesland Franken“ hereingefallen und hatte sich dort mit engagiert.
Den Grund dafür erklärt ein Sprecher des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz (BLV): „Nazis gründen Organisationen mit Namen, die sich nicht national anhören. Wenn man als NPD antritt, tut man sich hart. Wenn’s ein anderer Name ist, ist die Barriere kleiner.“ Ob der Bund Frankenland (BF) wirklich ein eigenes Bundesland Franken will, ist unklar. Deutlich dagegen ist die Verbindung von BF und Uwe Meenen. Der Domaininhaber der BF-Webseite ist seit Langem in NPD-Führungsrollen aktiv.
Auch der Fränkische Kulturbund ist ein Betätigungsfeld des Würzburger NPD-Mitglieds Meenen. Dass der BF wenig mit Franken, aber mehr mit Rechts zu tun hat, sieht man schon auf der Webseite: Es bestehen Links zur Bürgerinitiative Ausländerstopp Nürnberg, die vielfach als rechtsradikale Tarnorganisation gesehen wird, oder zum Freien Netz Süd, dass unter dem Verdacht der Verfassungsfeindlichkeit steht. Das Aktionsbündnis Nordfranken hieß nach Einschätzung des Verfassungsschutzes früher Nationale Sozialisten Lichtenfels/Coburg.
Die Organisatoren des „Tags der Franken“ wollen sich mit der Wortstellung vom gleich klingenden „Frankentag“ abgrenzen. Dahinter verbarg sich in den 1939er Jahren ein Aufmarsch fränkischer NSDAP-Mitglieder auf dem Hesselberg. Genau das aber wollen sich die Rechtsradikalen, die ihre Anhänger nach Schwabach locken, zunutze machen und verwenden den historisch belasteten Begriff. (Heinz Wraneschitz)

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