Kommunales

Der Viehscheid – ein typisches Allgäuer Klischee. (Foto: DDP)

16.04.2010

Prominenz verzweifelt gesucht

Das Allgäu möchte ein neues Image – kein ganz leichtes Unterfangen

Bisher ist das Allgäu mit dem Bild, welches sich das übrige Deutschland von ihm machte – grüne Wiesen, blaue Seen, schneebedeckte Berge, Kühe und Käse – ganz gut gefahren: Die Arbeitslosenquote zählt zu den geringsten bundesweit, die Lebensqualität ist hoch, die Kriminalitätsrate niedrig. Im Sommer ist vor lauter Touristen manchmal kaum Platz für Einheimische. Das hätte auch noch eine geraume Zeit so weitergehen können. Hätte.
Doch beim Regionalmanagement Allgäu ist man ehrlich bemüht, die eigene Existenzberechtigung unter Beweis zu stellen und hat deshalb das Projekt „Allgäuer Köpfe – Eine Region spricht für sich“ ersonnen. Damit soll ein ganz neues Bild von Bayerns südlichstem Zipfel in den Köpfen der Bundesbürger platziert werden, das Allgäu als Wirtschaftsregion, Hightech statt heile Welt. Als Fürsprecher konnte Franz Pschierer gewonnen werden, der neben seiner verantwortungsvollen Tätigkeit als Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes noch als Staatssekretär im bayerischen Finanzministerium wirkt.
Wenn er an seine Heimat denkt, ist der CSU-Politiker voll des Lobes: „Ein gesunder Mittelstand trifft in meiner Heimat auf international agierende Unternehmen, die da arbeiten dürfen, wo andere Urlaub machen. Diese Region schreit förmlich nach Expansion und Wachstum.“ Leider nur hat man das östlich von Buchloe offenbar noch nicht recht erkannt. Gerade bei den Oberbayern will Pschierer eine gewisse Ignoranz ausgemacht haben, was sich unter anderem darin ausdrücken mag, dass die Eisenbahnverbindungen von München in seine Heimat mit zu den schlechtesten in ganz Bayern gehören. Dieses „verzerrte Bild“ müsse man endlich„zurechtrücken“.
Wer nun die bekannten zwölf Köpfe aus Wirtschaft, Kultur und Sport sein sollen, die dem Allgäu sein neues Image verpassen sollen, daraus machen die Verantwortlichen vom Regionalmarketing noch ein großes Geheimnis. Nur die ersten beiden werden genannt: Hannes Feneberg, Unternehmer im Sektor Bio-Lebensmittel, und Gina Stechert, Skirennläuferin. Man tut den beiden kein Unrecht, wenn man behauptet, dass sie in Fachkreisen sicherlich respektierte Namen haben, von echter Prominenz aber noch ein gutes Stück entfernt sind. Auf die Frage, wer denn tatsächlich ein bundesweit bekannter Allgäuer sei, gerät Staatssekretär Pschierer für eine Weile ins Grübeln, um dann den Namen seines Parteifreundes Theo Waigel zu verkünden. Doch der ehemalige Bundesfinanzminister stammt aus Oberrohr, Gemeinde Ursberg, im Landkreis Günzburg – ob das noch Allgäu ist, darüber scheiden sich die Geister. Aber vielleicht befindet sich ja unter den zehn noch nicht genannten Köpfen, die der Öffentlichkeit bis Frühjahr 2011 schrittweise enthüllt werden sollen, einer oder mehrere, die selbst bei Nicht-Allgäuern Aahs und Oohs auslösen. Die neue Allgäu-Initiative reiht sich ein in mehrere aktuelle Initiativen von Regionen außerhalb Oberbayerns aus den vergangenen Jahren, die, obwohl in Konzeption und Form unterschiedlich, primär das Selbstbewusstsein stärken und ein neues, besseres Image vermitteln sollen. So haben die Franken seit Mitte des Jahrzehnts ihren „Tag der Franken“, die Niederbayern küren seit letztem Herbst zahlreiche prominente „Botschafter“. Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch die Oberpfalz marketingtechnisch zu ganz neuen Ufern aufbricht.

(André Paul)

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