Kommunales

In der Nähe von Memmingen pflegt man seit vielen Jahren die Tradition der Dampflok-Reise – mitunter auch in historischen Kostümen. Foto: Freidank

28.05.2010

Romantik auf Schienen

Mit der Öchsle-Bahn auf der Reise in die Vergangenheit – In Ochsenhausen bei Memmingen haben Eisenbahnfreunde die Lok „Rosa“ aus dem Schuppen geholt

Vor allem Romantiker werden beim Lesen dieser Geschichte auf ihre Kosten kommen. Man schreibt das Jahr 1927. Um zu dieser Zeit möglichst schnell von einem zum anderen Ort zu kommen, musste man in eines jener Stahlrösser steigen, die so intensiv dicke Wolken in die Luft stießen, dass sie kilometerweise zu sehen waren. Es war die Zeit der Dampf-Eisenbahn. Eine Fahrt im Waggon-Abteil der „Lok 99 716“, 1927 in Chemnitz gebaut und mit der liebevollen Aufschrift „Rosa“ versehen, bedeutete damals: Vorübergehende Redepause, denn das Rattern und regelmäßige Ausstoßen des Dampfes ließ keine gepflegte Unterhaltung zu. Gelegenheit hatte der Fahrgast hingegen, die Landschaft zu genießen – bei einer Geschwindigkeit von, na ja, sagen wir mal 40 Kilometern die Stunde.
Das alles kann man auch heute erleben – in Ochsenhausen, am Rande des Unterallgäus. Hier, unweit der Stadt Memmingen, befindet sich eine Hochburg der Dampf-Eisenbahn. Der Verein „Öchsle Schmalspur-Bahn“ pflegt in dem kleinen Ort mit seinem berühmten Kloster mit bemerkenswertem Eifer diese Tradition und hat vor wenigen Tagen die Dampflok aus dem Schuppen geholt. Bis Ende Oktober fährt das Öchsle, eine Nostalgie-Lokomotive mit zahlreichen Waggons, die regelmäßig zwischen Ochsenhausen und Warthausen auf unüberhörbare Reise geht. Sogar im Winter dampft an wenigen Tagen rund um Weihnachten das Öchsle. Ansonsten gönnt sich zu dieser Jahreszeit die Lok eine wohlverdiente Pause und wird vom Fachpersonal auf Vordermann gebracht. Schrauben festziehen, Dampfkessel flicken, neue Ersatzteile anbringen. „Die Arbeit“, sagt Klaus-Peter Schust, Geschäftsführer der Öchsle-Bahn Betriebsgesellschaft, „geht hier nie aus.“ In diesen Tagen schon gar nicht.
Es herrscht, nachdem die umfangreichen Gleisarbeiten auf der Strecke beendet sind, Hochbetrieb am Ochsenhausener Bahnhof. „Rosa“ steht mit der Kennnummer „99 716“ an diesem Nachmittag auf Gleis eins. Mehr Gleise für den Personenverkehr gibt es hier nicht. „Heute wird sich Rosa wieder für Sie ins Zeug legen“, ruft der Lokführer von seinem Lokstand aus den Reisenden zu. Dann fängt er an zu schmunzeln.

(Freddy Schissler)

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