Kommunales

Ein gut dotierter Posten ist der des bayerischen Sparkassenpräsidenten.

15.01.2010

Rote sehen schwarz für Zellners Beförderung

Vor allem SPD-Oberbürgermeister stoßen sich am Plan des Landkreistagschefs, Bayerns neuer Sparkassenpräsident zu werden

Der in den Ring geworfene Hut wird zurückgeworfen: Theo Zellner, bayerischer Landkreistagschef mit Ambitionen auf die Nachfolge des zurückgetretenen Sparkassenpräsidenten Siegfried Naser, stößt auf Widerstand. „Nicht schon wieder einer von der CSU“, stöhnen die anderen Parteien. Und auch die fachliche Kompetenz Zellners ist umstritten.
Der Nachfolger Nasers soll frühestens am 9. Februar gekürt werden. Der bayerische Städtetag allerdings ist mit der Personalie Zellner keinesfalls einverstanden. Schließlich werden die Sparkassen zwar zum größten Teil von Landkreisen getragen, einige aber eben auch von den kreisfreien Städten. Deshalb werden auch die Oberbürgermeister von Erlangen und Kempten, Siegfried Balleis und Ulrich Netzer (beide CSU), als mögliche Nachfolger gehandelt. Öffentlich geäußert hat sich jedoch keiner von beiden. Im Gegensatz zum ehemaligen Hauptschullehrer Zellner (60) kann der einstige Siemens-Manager Balleis (56) auf Erfahrungen in der freien Wirtschaft verweisen, Netzer (54) war früher in der Finanzverwaltung des Freistaats tätig. Zumindest von Balleis weiß man aber, dass er sich auch Hoffnungen auf die Nachfolge des derzeit angeschlagenen Städtetagsvorsitzenden Hans Schaidinger (CSU), Oberbürgermeister von Regensburg, macht.
Bei der SPD und auch den Freien Wählern regt sich dagegen Neid. Alle bisherigen Amtsinhaber für den gut dotierten Posten des Sparkassenpräsidenten (zirka 600 000 Euro jährlich und damit ungefähr das Fünf- bis Sechsfache eines Landrats oder Oberbürgermeisters) gehörten den Christsozialen an. „Ich bin verwundert, mit welcher Selbstverständlichkeit die CSU den Posten als Parteieigentum betrachtet“, schimpfte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly in der Süddeutschen Zeitung. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) fordert, das Gehalt des nächsten Sparkassenpräsidenten zu halbieren. Wie aber ausgerechnet ein solcher Schritt eine „fachlich hochkarätige Persönlichkeit“, so Udes Beschreibung seines Wunschkandidaten, motivieren soll, den Job anzutreten, bleibt das Geheimnis des Münchners. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) tat kund, er wünsche sich einen „aus der Sparkassenfamilie stammenden Fachmann“.
Unterdessen wird aber auch schon über einen möglichen Nachfolger Zellners bei seinem kommunalen Spitzenverband spekuliert. Auch wenn ihre Macht derzeit erodiert, wird die CSU wohl trotzdem wieder Ansprüche anmelden. Schließlich stellen die Christsozialen immer noch 48 von 71 bayerischen Landräten, eine satte Zweidrittelmehrheit. Auch halten sie mit gut 40 Prozent die relative Mehrheit unter den Kreistagsabgeordneten. Noch getraut sich aber unter den Landräten niemand, seine Hand öffentlich zu heben, was auch der Respekt gegenüber Zellner gebietet.

(André Paul)

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