Kommunales

Die Schönheit des Allgäus kann nicht laut genug kundgetan werden: Alphornbläser der Gruppe Euregio-via-Salina spielen in Ofterschwang bei einer Nikolausfeier. (Foto: DAPD)

10.12.2010

Schlagkräftiges Allgäu

Vier Landkreise und zwei kreisfreie Städte schließen sich zu einer regionalen GmbH zusammen

Auf den ersten und vielleicht auch noch auf den zweiten Blick läuft alles hervorragend im Allgäu: Die Arbeitslosenquote ist eine der niedrigsten in Bayern (zwischen 2,5 und 3 Prozent, je nach Landkreis), die Zufriedenheit und Identifikation der Bewohner mit der Gegend ist hoch, die Naturlandschaft zählt ohnehin zu den schönsten Deutschlands, Abwanderung ist kein Thema. Doch wenn man nur richtig hinschaut, dann findet man überall noch Defizite.
„Alles ist bei uns auch nicht so gut“, meint Gebhard Kaiser. Der CSU-Politiker, seit 1996 Landrat des Landkreises Oberallgäu, ist Vorsitzender der Allgäu Initiative. Unter diesem Begriff wurden auf mehreren Regionalkonferenzen Ideen zu einer umfangreichen Innovation der Region entwickelt. Das wohl wichtigste Problem des Allgäus, so Gebhard Kaiser, sei die bisher noch unzureichende Einheitlichkeit der einzelnen Gebietskörperschaften, also der Landkreise Lindau, Oberallgäu, Unterallgäu, Ostallgäu, sowie der kreisfreien Städte Kempten und Kaufbeuren, bei den verschiedenen Projekten.


Fusion zum 1. Januar 2011


Standortmarketing, Tourismus, Wirtschaftsförderung, Kultur, Wissenschaft und Forschung: Vieles laufe bisher noch getrennt ab und vermindere damit die Durchsetzungskraft der Region, bedauert Kaiser. Eine Chance zur Verbesserung sehen der Landrat und seine Mitstreiter in der Gründung einer neuen Allgäu GmbH zum 1. Januar 2011. In dieser werden die bisherigen Einrichtungen Allgäu Initiative GbR und Allgäu Marketing GmbH fusioniert. Die Finanzierung in Höhe von zirka 1,2 Millionen Euro übernehmen vollständig die Kommunen.
Dem Aufsichtsrat der GmbH gehören 22 Mitglieder an, neben den Landräten und Oberbürgermeistern der kreisfreien Städte sind das je ein Bürgermeister einer kreisangehörigen Stadt aus den vier Landkreisen, zwei Vertreter des Gesellschafters Tourismusverband Allgäu/Bayerisch Schwaben sowie neun Vertreter aus den Bereichen Tourismus, Wirtschaft und Handwerk; davon gehören vier der Industrie- und Handelskammer Schwaben und zwei der schwäbischen Handwerkskammer an. Die neue GmbH verkörpert 630 000 Einwohner, also fünf Prozent der Bürger Bayerns.
Eine ihrer wichtigsten Aufgaben soll die Sicherung des Bedarfs an Fachkräften in der Region sein. Kaiser nennt hier zuerst den Ausbau der Kooperation mit der Fachhochschule und den einzelnen Berufsschulen. Als wichtiges gemeinsames Wirtschaftsprojekt nennt er unter anderem die gemeinsame Förderung des Flughafens. Als industriellen Schwerpunkt fassen die Mitglieder der Allgäu GmbH den Ausbau des Clusters Verpackungsindustrie ins Auge, der schon heute große Bedeutung für den Landstrich hat. Handlungsbedarf besteht auch bei der Verkehrsinfrastruktur, etwa bei den Zugverbindungen aus München Richtung Allgäu.
Das Allgäuer Projekt könnte Vorbild auch für andere Regionen Bayerns sein, jenseits der klassischen Verwaltungsgebiete stärker zu kooperieren. „Der Bürger und erst recht der Investor denkt nicht mehr in Landkreisgrenzen“, ist Gebhard Kaiser überzeugt.
Aber auch in politischer Hinsicht könnte die neue GmbH dem Allgäu zu einer stärkeren Beachtung verhelfen. Ein Verhalten wie in der Causa Olympiabewerbung 2018, wo die Landeshauptstadt München und der Freistaat das Interesse des Allgäus an einer Beteiligung schlicht ignorierten, werde dann nicht mehr möglich sein, ist Kaiser überzeugt. „Wir hätten hier durchaus sportliche Infrastruktur bieten können, beispielsweise unsere Flugschanze. Aber das wollten die Oberbayern gern allein handhaben. Da wird es noch Diskussionen geben.“ (André Paul)

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