Kommunales

Besonders im Allgäu gehören Kuhglocken zur jahrhundertealten Tradition. (Foto: dpa)

24.08.2015

Tierschützer wollen Kuhglocken verbieten

Man könne dem Rind auch ein GPS-Band zur satellitengestützten Ortung umhängen

Die Schweizer Debatte über eine Abschaffung von Kuhglocken ist jetzt auch in Bayern entbrannt. "Wir sind für ein Verbot von Kuhglocken, wenn sie den Tieren nachweislich schaden", sagte am Montag die Präsidentin des Deutschen Tierschutzbunds in Bayern, Nicole Brühl. "Rein aus Tradition einem Tier so etwas zuzumuten, ist völlig abzulehnen." Die meisten Weideflächen seien ohnehin eingezäunt. Anstelle einer schweren und lauten Glocke könne man einer Kuh ein GPS-Band zur satellitengestützten Ortung umhängen.

Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) sieht dagegen kaum Handlungsbedarf: "Ich glaube, dass die Glocken keine Beeinträchtigung sind für die Kühe - weder vom Gewicht her noch vom Ton." Langfristig könnten auch Sensoren die Ortung der Tiere ermöglichen, räumte Brunner ein. "Das ist aber technisch noch nicht ausgereift und derzeit erst in der Erprobung."

Der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, Franz Hage, reagierte empört auf den Vorstoß der Tierschützer: "Das ist kompletter Schmarrn." Die Glocken und Schellen schadeten den Tieren nicht. Der Stolz der Almhirte komme in ihnen zum Ausdruck. "Das ist Tradition im Allgäu und gehört dazu", sagte Hage.

"Das ist kompletter Schmarrn"

Ähnlich sieht das die Tourismusgesellschaft Allgäu. "Vielen Wanderern im Allgäu würde etwas fehlen", sagte die Sprecherin Simone Zehnpfennig. "Die Kühe tragen die großen Glocken ohnehin nur maximal einen halben Tag beim Viehscheid. Und die kleinen Glocken tun keinem Tier weh." Nach Angaben Zehnpfennigs kommt es immer wieder vor, dass Jungvieh trotz eines Elektrozauns von der Weide ausbricht. Auf den großen Flächen der Hochweiden sei es ohne Glocken schwer, die Tiere wiederzufinden - vor allem bei Nebel.

Die Freien Wähler lehnen den Vorstoß ebenfalls ab: „Die so genannten ‚Tierschützer‘ schaden immer mehr dem Image der Landwirte", meint deren agrarpolitischer Sprecher Leopold Herz. Es dürfe nicht sein, dass zunehmend Personen über die Landwirtschaft bestimmten, die keine Ahnung davon hätten.  Zudem entstammten Kuhglocken einer uralten Tradition, „die fortführen soll, wer sie fortführen möchte.“

In der Schweiz tobt bereits seit längerem eine Debatte darüber, ob Kuhglocken Tierquälerei sind. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich hatte ergeben, dass die Wiederkäuer unter den Glocken leiden: An sechs Messtagen bewegten dabei 19 Kühe mit 5,5 Kilogramm schweren Glocken ihre Köpfe seltener als glockenlose Artgenossinnen. Zudem fraßen und ruhten sie weniger. Die Wiederkau-Dauer war pro Tier mit Glocke um 2,5 Stunden reduziert. Unklar sei unter anderem geblieben, ob dies durch ein bestimmtes Gewicht oder den Ton der Glocken beeinflusst wurde, hatte die Projektleiterin Edna Hillmann erklärt.

Der Tierschutzbund in Bayern sprach sich dafür aus, ein zweites Gutachten zu erstellen, um tragfähige Ergebnisse zu bekommen. Die Tierschützerin Nancy Holten erhitzt die Gemüter in der Schweiz mit ihrer Forderung nach einem gesetzlichen Verbot. Glocken seien für Kühe "so laut, als wenn wir uns einen Presslufthammer ans Ohr halten würden", wettert Holten. Sie versucht ihr Ansinnen mit Medienauftritten und der Facebook-Gruppe "Kuhglocken out" durchzusetzen. Als Reaktion darauf entstand die Facebook-Gruppe "Pro Kuhglocken" mit deutlich mehr Anhängern. (dpa/BSZ)

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