Kommunales

Der Bayerische Landtag als Ort für Müll? Einige der Motive auf den gut 1000 Plakaten erregten Anstoß. (Foto: AWM)

09.08.2013

Umstrittene Imagekampagne

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München bewirbt sich aufwändig selbst – nicht alle finden das gut

Mit dem Slogan Münchens Abfall – Unsere Verantwortung lässt der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) derzeit auf Plakaten am Straßenrand der Landeshauptstadt werben. Die neue Image-Kampagne adressiert die Bürger auch auf ihre Stadtteile zugeschnitten mit Schwabings, Obermenzings oder Giesings Müll. Allerdings fragt man sich, warum das städtische Unternehmen sich dazu überhaupt genötigt sieht: Die Werbeaktion bewirbt schließlich die Müllabfuhr, die im Gegensatz zu Telefonanbietern oder Banken keine Konkurrenz zu fürchten hat. Für den privaten Hausmüll gilt der Anschluss- und Benutzungszwang. Das heißt Restmüll, Papierabfall und Bioabfall können nur von den AWM entsorgt und verwertet werden.

Die AWM will nach eigenen Angaben mit der Kampagne zeigen, dass sich der kommunale Eigenbetrieb nicht nur das profitable Wertstoffrecycling des Mülles herauspickt, sondern alle anfallenden Abfälle in München beseitigt. Denn durch das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz und das kommende Wertstoffgesetz sei nicht sichergestellt, ob die Entsorgung von Siedlungsabfällen in Zukunft in kommunaler Hand bleibt. Erwähnt wird das auf den Plakaten jedoch nicht: „Der AWM erwirtschaftet bereits jetzt ein Drittel seiner Einnahmen unter Wettbewerbsbedingungen. Dazu gehören die Anlieferungen an das Heizkraftwerk Nord aus umliegenden Landkreisen und die Entsorgung von Gewerbeabfällen“, so Kommunalreferent Axel Markwardt. „Das erfordert, dass wir uns zeitgemäß in der Öffentlichkeit präsentieren und so sicherstellen, dass der AWM nie aus München wegzudenken ist.“ Und um das zu erreichen, wurden knapp 1000 Plakate in der Stadt verteilt. Die Kosten für diese Aktion belaufen sich nach AWM-Angaben auf insgesamt 240 000 Euro, also etwa 0,05 Prozent des Gesamtbudgets oder etwa zwei Cent je Gebührenzahler.

Die meisten anderen kreisfreien Städte und Landkreise in Bayern verzichten dennoch auf spezielle Kampagnen zur Image-Verbesserung. Auch bei den Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieben in Augsburg, Bamberg, Bayreuth und Würzburg und dem Zweckverband Abfallwirtschaft Donau-Wald in Niederbayern ist kein Marketing-Budget vorgesehen. Broschüren, Kundenzeitungen, Tage der Offenen Tür oder spezielle „Ramadama“-Aktionen wie in Würzburg zielen zwar auch darauf ab, die Männer in Orange beliebter zu machen, dienen aber in erster Linie zur Information der Bürger über Abfalltrennung und Recycling. Einig sind sich die kommunalen Entsorger, dass die Zuständigkeit der kommunalen Abfallwirtschaft für die Entsorgung von Wertstoffen aus privaten Haushalten gesichert werden muss, weil die Bürger davon profitieren, wenn mögliche Erlöse aus der Sammlung lukrativer Wertstoffe in den Gebührenhaushalt zurückfließen. „Wir wenden uns gegen das Prinzip, Gewinne zu privatisieren und Kosten auf die Allgemeinheit zu verteilen“, sagt Jürgen Pfister vom Fachbereich Abfallwirtschaft des Landratsamts Bamberg. Im Unterschied zu den zahlreichen kreisfreien Städten in Bayern, die über eine eigene Müllabfuhr verfügen, bedient sich der Landkreis Bayreuth bei der Durchführung der Müllentsorgung meist sogar Privatunternehmen, die durch Ausschreibung ermittelt werden. Eine Resolution zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts soll jedoch Schlupflöcher vermeiden, über die sich Gewerbe und Industrie vollständig von der von den Kommunen verantworteten Entsorgung verabschieden können.

In München reißt die Kritik an der Werbekampagne, die der Stadtrat vergangenen Sommer abgesegnet hat, derweil nicht ab. So ärgern sich einige CSU-Politiker über die Werbeposter mit näherem Stadtteilbezug, die charakteristische Gebäude der Umgebung zeigen. Schließlich zeigt das Plakat Haidhausens Abfall – Unsere Verantwortung einen Müllmann vor dem Maximilianeum, dem Sitz des Bayerischen Landtags. Das ist politisch wohl unbestritten etwas heikel.

Unterstützend zur Plakatkampagne werden Müllfahrzeuge und Dienstkleidung nach und nach mit einem neuem Logo zu sehen sein. Zusätzlich zu den Plakaten wird in einem Spot im Kino das Image des gemeinwohlorientierten Dienstleisters aufgefrischt. Nebenbei soll nach Angaben des AWM zum besseren Mülltrennen motiviert werden, um die seit Juni 2012 festgeschriebene vorgegebene Recyclingquote von 65 Prozent als erste Millionenstadt in Deutschland zu erfüllen. Bis jetzt liegt sie in München knapp über 50 Prozent. (Andreas Schneider)

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