Kommunales

Eine Decurie römischer Legionäre. (Foto: dapd)

05.11.2010

Veni, vidi, non vici

Der in Ellingen geplante größte Römer-Freizeitpark Bayerns stößt auf immer neue Schwierigkeiten

Das Comeback der Römer in Bayern sollte gewaltig sein. In der mittelfränkischen Stadt Ellingen sollte dem antiken Imperium für 75 Millionen Euro ein Freizeitpark gewidmet werden: Wagenrennen, Gladiatorenkämpfe und Galeerenfahrten für die ganze Familie. 911 000 Besucher im ersten Jahr und 160 neue Arbeitsplätze für die Region verspricht der Investor auf seiner Webseite. 56 Hektar stellte die Kommune zur Verfügung – doch wie es ausschaut, wohl umsonst.
Nach sieben Jahren unerfüllter Versprechen kündigte der Stadtrat von Ellingen die Reservierung bis zum 28. November. Legt sich der Investor bis dann nicht verbindlich fest, kann die Stadt die Fläche anderen Interessenten verkaufen. „Das Grundstück ist ein Filetstück und es ist jetzt wichtig, dass sich die Stadt anderen Investoren öffnet“, sagt der CSU-Vorsitzende, Matthias Schulz. Und der SPD-Abgeordnete Otto Rabenstein: „Einmal muss man Ja oder Nein sagen.“ Das Grundstück könne auch mit Rücksicht auf das Stadtsäckel nicht 30 Jahre lang reserviert werden.
Mitte der 1990er Jahre hatte Ellingen das insgesamt 90 Hektar große Areal von Privatbesitzern gekauft. Die Stadt investierte damals sechs Millionen Mark in der Hoffnung, dass sich der Kauf eines Tages auszahlen würde. Tatsächlich bestand schnell Kontakt zu einem Investor, der einen Golfplatz plante. Die Idee scheiterte und die Stadt drücken bis heute alleine für das Gelände etwa zwei Millionen Euro Verbindlichkeiten.
„Mit dem Verkauf von 56 Hektar könnte ein großer Teil der Schulden abgetragen werden“, meint Bürgermeister Walter Hasl (SPD). Die Stadt selbst hatte laut über einen Freiflächen-Solar-Park nachgedacht. Das Problem ist, dass es derzeit dafür und das Gelände im Allgemeinen keine Interessenten gibt. So bleibt Bürgermeister und Stadtrat dann doch als einzige Option nur der Limes-Park. Man versucht deshalb, dem Investor auf die Finger zu klopfen – aber möglichst ohne ihm wehzutun. Und der Bürgermeister stellt in Aussicht, dass der Unternehmer das Grundstück auch nach Ende der Reservierung weiterhin kaufen könnte. Ein endgültiges Ultimatum klingt anders.
„Die Tür ist noch nicht zu“, sagt Alfons Reithmeier, Geschäftsführer der Limes-Park GmbH. „Wir haben nicht aufgegeben und es kann durchaus sein, dass wir bis Ende der Frist Positives signalisieren können.“ Reithmeier hatte allerdings schon im August erklärt, dass er im September konkrete Aussagen zur Realisierung des Parks treffen könnte. Dies ist er bis heute schuldig geblieben. Die Suche nach Investoren, so sagte er bereits damals, sei „nicht einfach“. Welche offenen Fragen noch zu klären sind, möchte er aber nicht konkret erläutern. Die GmbH verfüge über verschiedene Gesellschafter und befinde sich in einem „Entscheidungsfindungsprozess“. Der Geschäftsführer lässt allerdings durchblicken, dass es neben Ellingen noch drei weitere potenzielle Standorte gebe. „Sie können davon ausgehen, dass wenn Ellingen das Grundstück anderweitig verkauft, auch irgendwo sonst auf Welt ein Limes-Park entstehen könnte.“ Ellingen sei jedoch der Favorit. „Wir fühlen uns zuhause.“
Seit 2003 steht die Limes-Park GmbH mit der Stadt Ellingen in Kontakt. Zuvor war das Projekt in der Gemeinde Pleinfeld am Brombachsee gescheitert. Die Eröffnung des Parks war ursprünglich für 2009 geplant. Durch die Ernennung des Limes zum Weltkulturerbe durch die UNESCO verzögerte sich das Raumordnungsverfahren der Regierung Mittelfranken, weshalb die Investoren die Eröffnung bereits auf 2010 verschoben haben. Der Park wird von Umweltschützern kritisiert, da er in der Gemarkung des Naturparks Altmühltal liegt und aufgrund des Massenandrangs nicht mit dem sanften Tourismus der Region und aufgrund der Schallemissionen nicht mit geltenden Maßstäben vereinbar sei. (Ralf Fischer)

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