Kommunales

i In Nürnberg laufen derzeit die Umbauten für die Frankenhalle. (Foto: Muggenthaler)

18.01.2013

Vorhang auf für Handwerker

In mehreren bayerischen Kommunen stehen derzeit teure Theatersanierungen an

Es sind keine kleinen Etatposten in den kommunalen Haushalten: Bayernweit sorgen Theaterrenovierungen derzeit für Diskussionen. Was soll das alles kosten? Wo soll man zwischendurch spielen? Kann sich die Stadt das Projekt überhaupt leisten? Und lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?
Mehr Bequemlichkeit für die Zuschauer, Sicherheit des Spielbetriebs, anständige Probenbedingungen und eine zeitgenössische Werkstatt- und Bühnenausstattung: All diese Anforderungen führen zu Umbauten, die schnell mehrere Millionen Euro teuer werden können. Augenblicklich sind es die Städte Landshut, Würzburg und Augsburg, in denen Diskussionen um notwendige Theatersanierungen geführt werden.
Anderswo ist dagegen die ganze Aufregung schon vorbei – dort herrscht Zufriedenheit: Das Regensburger Theater am Bismarckplatz und das Schauspielhaus des Staatstheaters Nürnberg gehören zu den prominenstesten Umbauten bayerischer Theater in der jüngeren Vergangenheit. Das Regensburger Haupthaus war von 1998 bis 2001 für 52 Millionen Mark saniert worden, das Nürnberger Schauspielhaus am Richard-Wagner-Platz von 2008 bis 2010 für 38 Millionen Euro.
Seitdem kann man sich dort unter anderem an allen möglichen Raffinessen der Technik erfreuen, besonders spektakulär sind die Dreh- und Hebeeffekte der neugestalteten Bühnen. In beiden Städten ließ sich auch beobachten, wie schwierig es oft sein kann, Zwischenlösungen zu finden: Wo soll man eigentlich derweil Theater machen, wenn die Handwerker im Hause sind?


Leidige Zwischenlösungen


Derlei Zwischenlösungen sind deswegen so kompliziert, weil jeder Theaterbetrieb, um funktionieren und ordentlich arbeiten zu können, technische Grundvoraussetzungen wie Hinterbühne, Schnürboden, Garderoben braucht. Deshalb ist nicht jeder theoretisch denkbare Spielort auch praktisch bespielbar. In Nürnberg traten die Schauspieler in der Tafel- und der Kongresshalle auf, und vor allem letztere hatte, wie sich Schauspieldirektor Klaus Kusenberg erinnert, deutliche Schwächen. Manchmal gibt es auf der Suche nach Ausweichquartieren allerdings auch regelrechte Glückstreffer für die Theaterszene vor Ort wie das Regensburger Velodrom. Das war einst Radsportarena, dann Kino, später Schmuddelkino und zuletzt innerstädtische Halbruine; danach wurde es - unter starker finanzieller Beteiligung eines örtlichen Unternehmers – Zwischenspielort fürs Stadttheater und dient heute als alternativer Standort des Stadttheaters für die eher furiosen Kracher des Spielplans, für Musicals beispielsweise.
Ähnliche Glücksgriffe erhofft man sich nun in Landshut und Würzburg: Hier soll ein ohnehin seit Jahrzehnten sehnlichst erwarteter Anbau an den schon bisher genutzten Bernlochner-Komplex zukünftige Zweitspielstätte sein, dort eine – heute Frankenhalle genannte – ehemalige Viehversteigerungshalle. Beides sind keine Zwischenlösungen, sondern in die Zukunft gerichtete Aufführungsorte für die Theater und weitere Anbieter von Kunst- und Kultur-Ereignissen, trotzdem sind sie umstritten. Wobei sich auf der einen Seite vor allem Stadträte versammeln, die an der Sinnhaftigkeit des ganzen Prozederes ihre Zweifel haben, auf der anderen Seite aber jeweils die Theaterleute und die Verantwortlichen in den örtlichen Kulturverwaltungen stehen – also die Praktiker. Im Hintergrund spielen natürlich stets die kommunalen Haushaltskassen eine Rolle, aber hinter diesem Argument verbergen sich gern Stadträte, die am Sinn des kommunalen Theaterschaffens grundsätzlich zweifeln.
Der Umbau der Frankenhalle soll nach derzeitiger Planungslage 10,9 Millionen Euro, mit einem erweiterten Backstagebereich 13 Millionen Euro kosten, zusammen mit der Renovierung des aus dem Jahr 1966 stammenden Haupthauses käme man auf 35 Millionen. Der örtliche Kulturreferent Muchtar Al Ghusain und Hermann Schneider, der Intendant des Mainfranken-Theaters, einem Drei-Sparten-Haus, haben sich auf die Frankenhallen-Lösung festgelegt, weil sie ihnen die größtmögliche Option für sinnvolles Theaterschaffen in der Umbauzeit und über sie hinaus – also mutmaßlich ab 2017 – verspricht. Der Würzburger Stadtrat hat jetzt erst einmal im Sommer 300 000 Euro für die Entwurfsplanung eingestellt. Auf eine ähnliche Lösung einigte sich kurz vor Weihnachten nun auch der Landshuter Stadtrat: Es gibt 700 000 Euro für die weitere Planung; auf Drängen der Regierung als Aufsichtsbehörde sollen die Kosten unter die ursprünglich geplanten sechs Millionen Euro für den Neubau bleiben, der dann in der Zukunft als ohnehin dringend benötigte zweite Spielstätte dienen soll.
In Landshut wie Würzburg geisterten in der Diskussion alle möglichen – oft reichlich abenteuerlichen – Alternativvarianten durch Medien und Stadtratsgremien, die ebenso oft von blankem Unverständnis für die Notwendigkeiten eines geregelten Theaterbetriebs zeugten. Die Ideen führten bis zu einem dreijährigen Schließen des Landshuter Stadttheaters während der Umbauphase, was dann aber auch das – zumindest zwischenzeitliche – Ende der Theaterstandorte Passau und Straubing bedeutet hätte. Alle drei Städte bilden zusammen mit dem Bezirk unter dem Titel Landestheater Niederbayern einen gut funktionierenden Zweckverband mit Landshut als Zentralort für das Sprech- und Passau für das als Musiktheaterzentralorte. Zwar hatte die Regierung angemahnt, beim Erhalt des Theaters handle es sich um eine so genannte Freiwillige Leistung und sei mithin hinter den Pflichtaufgaben einer Kommune einzuordnen. Trotzdem sieht die Verwaltungsspitze unter Oberbürgermeister Hans Rampf (CSU) den fortlaufenden Theaterbetrieb als ganz wesentlich für das kulturelle Angebot einer Stadt an. Und auch die Bürgerschaft solidarisierte sich spürbar - unter anderem mit dem Besuch von Spendenaufführungen.
In Augsburg wäre man froh, wenn man schon so weit wäre. Noch wird hier eine Ausweichstätte für das Haupthaus gesucht. Wenigstens ist dort inzwischen – nach einer Container-Zwischenlösung – mit der „brechtbühne“ eine zweite Spielstätte für kleinere Produktionen entstanden. Immerhin wird bei derlei Diskussionen auch wieder bewusst, welchen Auftrag – Freiwillige Leistung hin oder her – eine Stadt auch hat im Aufrechterhalten des glänzenden bayerischen Theatersystems, wie es bei den alljährlichen bayerischen Theatertreffen durchscheint: die Grundversorgung der Bürger mit einem Ort der kulturellen Diskussion und einem künstlerischen Gesellschaftslabor. Ohne derlei Institutionen wären die Städte um Posten ärmer, die Haushaltszahlen niemals wiedergeben können. (Christian Muggenthaler)

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