Kommunales

Von einer Frau Befehle entgegenzunehmen ist noch nicht für jeden Feuerwehrmann eine Selbstverständlichkeit. (Foto: DAPD)

04.02.2011

Weibliche Führungskräfte haben es schwer

Frauen machen bei den Feuerwehren Bayerns nur selten Karriere

Beim Kampf gegen die Flammen wird ihr Einsatz – auch wenn es gefährlich ist – inzwischen ganz gern gesehen; schließlich werden die männlichen Kameraden bei den Brandbekämpfern immer weniger. Wenn es aber darum geht, bei der Feuerwehr auch Karriere zu machen, haben Frauen in Bayern noch immer oft das Nachsehen.
In den Umkleidespinden der Feuerwehren hat sich was fundamental geändert: Die Pin-ups sind weniger geworden. Das liegt nicht unbedingt daran, dass Männer die natürlichen Vorzüge von Frauen nicht länger zu schätzen wüssten, nein, nur: Es gibt weniger männliche Feuerwehrmänner. Viel weniger. Und immer mehr Frauen.
„Frauen spielen inzwischen bei Hilfs- und Rettungsorganisationen, besonders bei der Feuerwehr, eine ernsthafte Rolle“, sagt der Chef des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, Alfons Weinzierl. Sie ziehen Schutzanzüge an (die nicht von Armani sind), setzen Helme auf, ziehen feuerfeste Stiefel an und stehen neben den Kameraden am Einsatzort, um dort zu helfen, wo sie gebraucht werden. Ob sie dabei verrußt oder verdreckt sind, ist ihnen egal. Das wiederum macht Eindruck bei den Männern. Und sie stellen immer öfter fest, dass Frauen als Einsatzkräfte unentbehrlich sind.


„Viele wollen doch gar nicht hoch hinauf“


Weinzierl hat die unterschiedlichen Aufgaben der Feuerwehrfrauen aufgelistet. „Wir haben Funkerinnen, Atemschutzgeräteträgerin-nen, Truppfrauen, CSA-Trägerinnen, Maschinistinnen. Frauen lenken schwere Fahrzeuge und bedienen kompliziertes Einsatzgerät. Und wir haben Kommandantinnen, etwa im Landkreis Hof oder im Landkreis Dingolfing-Landau.“ Erfreulich nennt Bayerns oberster Brandbekämpfer das gestiegene und noch immer steigende Interesse von Frauen an der Feuerwehr. „Vor 20 Jahren haben wir bei den Feuerwehren die Frauen an einer Hand abzählen können. Heute sind unter den 325 000 bayerischen Mitgliedern zirka 22 000 Frauen.“ Das entspricht einem Prozentsatz von knapp sieben Prozent.
Über drei weitere Zahlen freut sich der LFV-Chef noch mehr. „Fast 51 000 Jugendliche sind bei den Feuerwehren. Darunter sind über 11 786 Mädchen, also 23,1 Prozent unseres Nachwuchses.“ Ein Trend, der froh macht, auch wenn Bayern bei einem Vergleich mit den neuen Bundesländern noch hinterher hinkt. Zwischen Rügen und dem Thüringer Wald liegt der Anteil der Frauen nämlich bei rund elf Prozent und bei den Jugendfeuerwehren sind es durchschnittlich sogar 20 Prozent. Doch auf die Frage, wie Frauen für die Feuerwehr gewonnen werden können, antwortet Weinzierl: „Sicher nicht mit Karriere-Versprechungen“.
Nach seiner Erfahrung wollten Frauen zunächst einmal „gar nicht hoch hinauf“. In der Jugend- und Nachwuchsausbildung oder in der Öffentlichkeitsarbeit sähen sie angeblich eher Perspektiven für sich. Frauen organisierten „Feuerwehr-Aktivitäten außerhalb der Einsätze“. Auch gingen sie gern in Kindergärten und Schulen, um dort von den Aufgaben der Feuerwehren zu berichten.
Also eher Soft-Bereiche, Jobs, die nicht gerade zu Ruhm und Ehre gereichen? Das will Alfons Weinzierl so nicht stehen lassen: „Gerade diese Aufgaben gehören zu den wichtigsten innerhalb einer Feuerwehr. Was wären wir in wenigen Jahren, wenn wir keinen ausgebildeten Nachwuchs hätten?“ Die demografische Entwicklung ist auch bei der Feuerwehr ein Thema. Nach Weinzierls Meinung haben gerade Frauen in diesen Bereichen ein besonderes Gespür. Und auch wenn es gilt, etwa nach einem Unfall oder einem Brand Opfer und Beteiligte zu trösten oder ihnen unmittelbar zu helfen, ist Sensibilität gefragt.
Das „Helfen-Wollen“ ist eines der wesentlichen Kriterien für Frauen, Mitglied bei einer Feuerwehr zu werden. So hält es ein wissenschaftliches Forschungsprojekt des Bundesfamilienministeriums in Berlin fest. Bundesministerin Kristina Schröder (CDU), die dieses Projekt unterstützt hat, freut sich über zwei weitere Kriterien: „Frauen haben Interesse an der Technik und finden Gefallen an der großen Kameradschaft in der Feuerwehr-Familie.“
Die Ministerin verweist freilich auch auf Schwierigkeiten, mit denen Frauen in der „Männerwelt Feuerwehr“ konfrontiert werden: „Die Organisation ist oft sehr veränderungsresistent und gekennzeichnet von Hierarchiedenken und Konkurrenz. Ausbildung beschränkt sich oft auf das Fachliche; Kommunikation und soziale Kompetenz sind nicht Teil der Lehrpläne. Hier bringen die jungen Frauen neue Ideen ein, die der Institution als ganzer zugute kommen werden. Es lässt sich feststellen, dass die Trennung der Geschlechter im Ehrenamt entlang derselben Linien verläuft, wie im Erwerbsleben.“ Das bedeutet, dass Frauen auch in den Führungspositionen der Feuerwehren noch immer unterrepräsentiert sind – vielleicht noch mehr, als die Ministerin glaubt.
Ein Beispiel: Die verheiratete Abteilungsleiterin, Mutter von zwei Kindern, muss Familie und Job unter einen Hut bringen. Für die engagierte und aufstrebende Feuerwehrfrau ist es kompliziert, Beruf und die Tätigkeit als Hausfrau, Mutter und Partnerin zeitgleich mit dem Ehrenamt zu vereinbaren. Alfons Weinzierl gibt deshalb offen zu: „Frauen tun sich bei der Feuerwehr wesentlich schwerer, auf der hierarchischen Treppe aufzusteigen, als in Wirtschaftsbetrieben oder im öffentlichen Dienst. Das ist so, weil bei der Feuerwehr der Faktor Zeit eine nicht zu kalkulierende Rolle spielt.“


Zeitmangel ist für Frauen das größte Hindernis


Die Bereitschaft, Zeit zu investieren, schränkt das Familienleben ein, wenn eine Feuerwehrfrau Karriere machen möchte. Hierarchischer Aufstieg setzt intensive Lehrgänge voraus, Kurse, Prüfungen, Freizeitengage-ment im Kollegenkreis, regionalpolitische Aktivitäten. Der LFV-Chef weiß, wovon er spricht: „Ich habe in einem Jahr etwa 250 Termine.“ Ohne die Unterstützung und Toleranz seiner Familie ginge das nicht.“ Die bringen Ehefrauen offenbar leichter auf als -männer, scheint es.
Im Juni vergangenen Jahres hätte es im oberfränkischen Landkreis Kulmbach trotzdem fast eine Sensation gegeben. Da stellte sich die Kreisjugendwartin zur Wahl der vakant gewordenen Position des Kreisbrandrates. Die Mehrzahl der 122 Feuerwehrkommandanten entschied sich gegen die Bewerberin und für einen Mann. Eine einmalige Chance war vergeben worden. Doch Weinzierl will auf den Fall nicht näher eingehen.
Der Vorwurf, Kommandanten würden Frauen Führungslehrgänge verweigern, ärgert den LFV-Chef. „Das ist unsachlich“, schimpft er. „Wenn Frauen kompromisslos die übertragenen Aufgaben erfüllen, wenn sie Verantwortung auch für Kameraden übernehmen, wenn sie Zeit haben für diverse Fortbildungen, wenn sie überdurchschnittliche Leistungen in den diversen Bereichen der Feuerwehr erbringen, die übrigens nicht besser sein müssen, als die der Männer, wenn sie die Anerkennung ihrer Kameraden haben, die Kompetenz sehr wohl erkennen – dann kann eine Feuerwehrfrau selbstverständlich Führungslehrgänge absolvieren.“ Und dann könne sie auch Kreisbrandmeisterin werden oder Kreisbrandinspektorin oder gar Kreisbrandrätin.
Indes, solche Positionen liegen nicht auf der Straße. Wird etwa die Stelle des Kreisbrandrates vakant, ist zunächst der Landrat gefragt, der sich mit den Führungskräften über mögliche Kandidaten unterhält. Kandidatinnen stehen da ganz selten zur Diskussion – einfach deshalb, weil die Feuerwehr zu mehr als 90 Prozent aus Männern besteht. Alfons Weinzierl bleibt trotzdem optimistisch. „Wenn von den 51 000 Jugendlichen der bayerischen Feuerwehren mittlerweile schon knapp 12 000 Mädchen und junge Frauen sind – Tendenz steigend – , habe ich keine Angst, dass nicht eines Tages eine Frau Kreisbrandrätin ist.“ Da ist er sich sogar ziemlich sicher. (Roland Krüppel)

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