Kommunales

Bayerns Bezirketagspräsident Josef Mederer (CSU) bei der Pressekonferenz in Würzburg. (Foto: Schweinfurth)

26.06.2017

Wie ein Marathon

Inklusion ist gesellschaftliche Daueraufgabe

"Inklusion ist wie ein Marathon", sagte heute Bayerns Bezirketagspräsident Josef Mederer (CSU) vor der Presse in Würzburg. Im Vorfeld der nächste Woche stattfindenden Vollversammlung des Bayerischen Bezirketags in der Residenzstadt umriss er schon einmal die Themen der zweitägigen Veranstaltung am 6. und 7. Juli 2017. Längst seinen bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft nicht alle Ziele erreicht. "Aber wir wollen eine Momentaufnahme geben", so Mederer.

Eine Welt zu schaffen, in der Menschen mit Behinderung teilheben können, sei eben nicht so schnell realisierbar. Aber die "Großbaustelle" Inklusion gelte es weiterhin tatkräftig abzuarbeiten und die nötigen finanziellen Mittel dafür bereitzustellen. Denn schließlichhabe die Bundesrepublik Deutschland 2008 der UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Das bedeute, dass die Betroffenen ein Recht auf Arbeit, Ausbildung, Wohnen und Mobilität haben.

Arbeit geben

Angesichts des Trends, dass immer mehr Menschen, die mit dem Arbeitsleben nicht mehr klar kommen,  vom allgemeinen Arbeitsmarkt in Werkstätten für Menschen mit Behinderung drängen, forderte Mederer mehr Geld von der Politik. Diese Mittel sollten Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, damit leistungsschwächere Menschen weiterhin in den Betrieben beschäftigt bleiben können. Vor dem Hintergrund fortschreitender Digitalisierung und Automatisierung durch Robotereinsatz müssten die finanziellen Anreize für die Firmen schon deutlich sein. "Menschen mit Behinderung sind durchaus in der Lage komplexe Programmierarbeiten zu leisten", so der Bezirketagspräsident. Er kenne viele Beispiele.

Aber nicht nur in den Unternehmen müsse sich in Richtung Inklusion mehr bewegen. Auch in den Schulen bestehe akuter Handlungsbedarf. So würde zwar in den Kindergärten alles für Kinder mit Behinderung getan, aber danach sei die Welt nicht so rosig. "Die Schulassistenten, die wir als Bezirke stellen, dürfen sich nur um die Belange kümmern, dass das betroffene Kind trotz seiner Behinderung in die Schule gehen kann", so Mederer. Eine auf Schüler mit Behinderung abgestimmte Pädagogik, die ihnen gleiche Lernvoraussetzungen bietet, fehle aber bis heute. "Da muss sich etwas tun. Denn es kann auch nicht sein, dass in einer Klasse mit drei Schülern mit Behinderung drei Schulassistenten und noch drei Pädagogikassistenten zusätzlich zum Lehrer sitzen", überzeichnet der Bezirketagspräsident ganz bewusst.

Keine Utopie

"Inklusion in unserer Gesellschaft ist keine Utopie", postuliert Mederer. Gleichwohl müsse man auch Grenzen der Inklusion anerkennen. Denn ein mehrfach schwerbehinderter Mensch könne nicht in einer freien Wohngruppe leben. Der Betroffene müsse aufgrund der Schwere der Behinderung nach wie vor in entsprechenden Facheinrichtungen betreut werden. Das gelte auch für die Förderschulen. Möglichst viele Kinder mit Behinderung in die Regelschulen zu integrieren, sei anzustreben. Doch auch das habe Grenzen.

Damit Inklusion in Deutschland gelingt und weiter vorankommt, wird die Vollversammlung des Bayerischen Bezirketags kommende Woche ein Acht-Punkte-Programm veranschieden und dem Deutschen Bundestag übermitteln. Denn die neue Bundesregierung solle die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen und die hierfür nötigen finanziellen Mittel bereitstellen.
(Ralph Schweinfurth)

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Kommentare (2)

  1. Inge Rosenberger am 26.06.2017
    Die Behauptung von Bezirketagspräsident Mederer, dass Inklusion Grenzen habe, ist in sich widersprüchlich, da Inklusion ganz explizit alle Menschen mit Behinderung einbezieht. Somit steht auch die Aussage, dass Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen in speziellen Facheinrichtungen wohnen müssen, im Widerspruch zur UN-Konvention.

    Der Artikel 19 der UN-Konvention soll unter anderem gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen die Möglichkeit haben, ihren Aufenthaltsort zu wählen. Sie sollen weiterhin entscheiden dürfen, wo und mit wem sie leben und sind nicht verpflichtet, in besonderen Wohnformen zu leben.

    Inzwischen gibt es bundesweit schon etliche Wohnprojekte, mit denen die UN-Konvention bereits umgesetzt wurde. In diesen Wohngemeinschaften leben auch Menschen mit sehr hohem Hilfe- und Unterstützungsbedarf. Die Betreuung durch Fachkräfte wird vor Ort in den Wohnungen der behinderten Menschen geleistet.

    Auch die IG Inklusives Wohnen engagiert sich seit mehr als drei Jahren für ein Pilotprojekt in Unterfranken, das – wie im Konzept beschrieben – den individuellen Bedarf der BewohnerInnen berücksichtigt.
  2. Truth am 08.07.2017
    Es ist eine Schande, wie sich Bayern verhält. Die Bezirke sind bis heute nicht in der Lage, das Persönliche Budget für Schwerbehinderte korrekt umzusetzen und führen stattdessen massiven Krieg gegen die Stadt sowie gegen die Betroffenen, die es beantragen.

    Der Behördenirrsinn geht aber schon viel früher damit los, daß die Berechtigten nichts (!) von ihren Rechtsansprüchen erfahren, da sie nicht dazu beraten werden. Sobald sie es erfahren und beantragen, beginnt ein wahrer Psychoterror und das mitunter sogar mit völlig rechtswidrigen Methoden wie dem Entzug der Grundsicherung, der Krankenversicherung, usw.

    Bayern ist hier sicherlich kein Vorbild, sondern ein Schandfleck!

    Herr Mederer erklärt sich zum "Anwalt der Schwachen". In Wahrheit interessiert er sich für keine einzige - berechtigte - Beschwerde, die seine angeblichen "Eingliederungshilfe-Abteilungen" betreffen.

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