Kommunales

Ein Dorf ohne Bewohner: dafür zu sorgen, dass es dazu nicht kommt, ist auch Aufgabe der Ämter für ländliche Entwicklung. (Foto: dpa)

08.05.2015

"Wir haben Potential, die Menschen zu halten"

Friedrich Wilhelm Brumberg, scheidender Chef des Amts für ländliche Entwicklung Mittelfranken, über eine Regionalförderung im Wandel

Friedrich-Wilhelm Brumberg leitete fast zehn Jahre lang – bis zu seiner Pensionierung im Frühjahr 2015 – das Amt für ländliche Entwicklung Mittelfranken. Die Aufgabe dieser Behörde ändert sich: nicht mehr nur Verbesserungen in der Agrarstruktur steht an, sondern auch umfassende Hilfe bei der Kultur-, Umwelt- und Infrastrukturförderung.

BSZ Herr Brumberg, Sie haben sich fast 40 Berufsjahre lang mit dem ländlichen Raum befasst – wie haben sich die Aufgaben in all den Jahren verändert?
Brumberg Bei der Flurneuordnung haben wir uns von den großen Gruppenverfahren verändert hin zu kleineren Verfahren, wo die Aufgabenstellung auch vielfältiger ist. Es geht nicht mehr nur um Agrarstrukturverbesserungen, sondern der Ausgleich im Bereich von Naturschutz und Landschaftspflege ist wichtig geworden. Das heißt, für die Kulturlandschaft etwas zu tun und Landnutzungskonflikte zu lösen.

BSZ Welche Auswirkungen hat das konkret auf die Kommunen?
Brumberg In den vergangenen 20 Jahren wurden auch verstärkt Gemeinden darin unterstützt, dass sie neue Arbeitsplätze schaffen. Wir haben versucht, im Rahmen von Bodenordnungen, Gewerbegebiete zu ermöglichen, damit die Menschen auch im ländlichen Raum Arbeit finden. Und parallel dazu hat sich die Dorferneuerung von einem kleinen Segment hin zu einem sehr umfassenden Instrument unserer Tätigkeit entwickelt, heutzutage bis hin zur Daseinsvorsoge.

BSZ Welche neuen Herausforderungen gibt es?
Brumberg Neue Herausforderungen sind sicherlich die verstärkten Tätigkeiten auf interkommunaler Basis. Früher hat jede Gemeinde eher die eigenen Interessen vertreten. Dabei hat man aber im Laufe der Jahre festgestellt, nicht nur in unserem Bereich, dass Gemeinden in vielen Fällen die Dinge doppelt vorhalten. In der Nachbargemeinde steht beispielsweise ein Feuerwehrhaus, in der eigenen und auch noch in einer dritten Gemeinde. Gemeinschaftshäuser, Wirtschaften oder Schulen müssen nicht mehr an jedem Ort vorgehalten werden, sondern die Gemeinden finden sich zusammen. Dadurch lassen sich viele Kosten einsparen und wir können die Kommunen dabei gezielt mit Fördermöglichkeiten unterstützen.

BSZ Und sonst?
Brumberg Das Zweite sind die interkommunalen Wegenetze. Die alten Wirtschaftswege aus der Zeit von vor 30 Jahren entsprechen nicht mehr den heutigen Verhältnissen. Diese neuen Wege sollen aber primär auf schon vorhandenen geführt werden, es soll kein neuer Flächenverlust entstehen. Eine weitere wichtige Aufgabe wird auch sein, den demographischen Wandel aufzufangen und zu versuchen, in den Dörfern Innenentwicklung zu betreiben und den Leerstand in den Gebäuden zu verringern und einer neuen Nutzung zuzuführen.

BSZ Die Ämter für ländliche Entwicklung sind dem Landwirtschaftsministerium zugeordnet. Wie ist die Konkurrenzsituation zum neuen Heimatministerium?
Brumberg Wir hier in Mittelfranken stellen keine Konkurrenzsituation fest. Das Heimatministerium hat ja primär den Auftrag, die Landesplanung voranzubringen. Damit setzt das Ministerium Rahmenbedingungen, an denen wir uns auch als Behörde zu orientieren haben. Wir erstellen quasi den Unterbau dazu. Im Bereich der Breitbandförderung werden wir auch zusammenarbeiten, etwa durch Verlegung von Leerrohren in Gemeinden, in denen gerade eine Dorferneuerung läuft.

BSZ Als Bayerns Armenhäuser gelten ja bekanntlich Oberfranken und die nördliche Oberpfalz – ist in Mittelfranken also alles rosig?
Brumberg In Mittelfranken haben wir eine Zweiteilung: zum einen den Ballungsraum Nürnberg-Erlangen-Fürth und zum anderen das ländlich strukturierte Westmittelfranken. Hier sehe ich selbstverständlich einen Bedarf, was die Schaffung von Arbeitsplätzen angeht, damit vor allem die Jugend nicht auch noch in die Großstadt pendeln muss. Der Beginn ist vielleicht jetzt schon gemacht mit der Auslagerung von Teilen von Hochschulen. Das sehe ich als Riesenchance, die Jugend in den ländlichen Gebieten zu halten.

BSZ Von den Menschen hier in der Region wird immer wieder die unzureichende Infrastruktur beklagt.
Brumberg Wir werden sicherlich keinen öffentlichen Personennahverkehr bekommen, der so einen dichten Takt schafft, dass er attraktiv ist. Auf dem flachen Land wird auch in Zukunft das Auto das Verkehrsmittel sein, das die Menschen zur Arbeit bringt. Deshalb muss die Infrastruktur des ländlichen Raums erhalten werden. Wir haben hier genügend Potenzial, um die Menschen zu halten. Und verglichen mit Oberfranken kann man schon sagen, dass es uns gut geht. (Interview: Diane Mayer)

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