Kommunales

Die Stadtwerke der Landeshauptstadt rechtfertigen ihr Engagement mit dem immer härteren Wettbewerb in der Branche. (Foto: dpa)

12.12.2014

Zoff in der Stadtwerke-Familie

Die Münchner SWM geht im Umland auf Kundenakquise – und ärgert damit die dortigen kommunalen Anbieter

Der Wettbewerb auf dem ohnehin schon hart umkämpften Strommarkt wird jetzt auch zwischen kommunalen Stromanbietern ausgefochten. Die Stadtwerke München (SWM), mit rund 8300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zirka 6,3 Milliarden Euro eines der größten Kommunalunternehmen Deutschlands, etwa werben seit einiger Zeit in den Landkreisen Dachau, Fürstenfeldbruck, Erding und Weilheim-Schongau um neue Kunden – per Postwurfsendung oder mittels Plakat und Zeitungsanzeige. Einige der dort ansässigen Strom- und Energieanbieter empfinden diese Kampagnen jedoch als unfreundlichen Akt: „Das muss man so nicht machen“, kritisiert Peter Müller, Vorstand und Geschäftsführer der Stadtwerke Weilheim.
In der Landeshauptstadt verweist man jedoch darauf, dass der Strommarkt schließlich „liberalisiert“ sei – im Sinne der Verbraucher – und auch die SWM „in einem harten Wettbewerb“ stehe auf dem Energiemarkt. Man müsse sich, so die Rechtfertigung des kommunalen Eigenbetriebs der Landeshauptstadt, gegen „Energiekonzerne, Discounter und viele kommunale Wettbewerber“ behaupten. Und das Angebot wird auch immer vielfältiger: Ein Ein-Personen-Haushalt in München etwa kann mittlerweile aus 389 unterschiedlichen Tarifen auswählen. Die logische Konsequenz: Der Wettbewerb um Kunden findet deutschlandweit statt und Konkurrenz ist Konkurrenz. – unabhängig davon ob der Konkurrent in kommunaler Trägerschaft steht, privatwirtschaftlich organisiert oder eben direkt im Nachbarlandkreis beheimatet ist.
Dieses Selbstverständnis irritiert die Kleinen. Das kräftezehrende Ringen mit den etablierten Großen der Branche wie den Bayernwerken ist man ja gewohnt. Die vergleichsweise kleinen Weilheimer bieten überhaupt erst seit einem Jahr den Vertrieb von Strom an, der Kundenstamm ist noch klein.

Bisher ein ungeschriebenes Gesetz


Aber bisher war man eher der Auffassung, dass es ungeschriebenes Gesetz sei, sich als ein kommunaler Energieversorger nicht aktiv auf dem Territorium des anderen zu betätigen. Und jetzt auch noch gegen Unternehmen bestehen zu müssen, die „alle im bundesweiten Verband kommunaler Unternehmer (VKU) sitzen“, erscheint Müller wenig plausibel. Der VKU wiederum kneift vor einer offiziellen Stellungnahme zum Kunden-Kampf seiner Mitgliedsunternehmen.
Auch in anderen Nachbarlandkreisen ist man erstaunt über die neue Politik der Münchner. Der Erdinger Stadtwerkechef Walter Huber etwa findet: „Warum sollen wir woanders werben? Und dann auch noch so?“ Natürlich verschließe man sich den Gesetzen des Markts nicht, im Gegenteil. Für Huber beinhaltet Stromversorgung aber auch Qualität und vor allem Kontakt zum Bürger. Mit den Einnahmen würden schließlich auch andere Einrichtungen für Erdinger gegenfinanziert, zum Beispiel das Hallenbad. Wer also als Erdinger Kunde bei den Münchnern werde, zahle indirekt die dortige Infrastruktur mit. Eine große Wechselwelle, schränkt Huber ein, sei allerdings „nicht wirklich“ zu verzeichnen.
Für den Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) ist der generelle Wettbewerb „notwendig und gut für alle“. Geschäftsführer Detlef Fischer fordert jedoch „faire Rahmenbedingungen“ und nennt als unbedingte Voraussetzung: „Man sollte mit Preisen operieren, die kostendeckend sind.“
Bei der 1998 gegründeten SWM schließt die Pressesprecherin auf Nachfrage eine enge Absprache der kommunalen Anbieter „schon aus kartellrechtlichen Gründen“ aus. Das bedeute aber nicht, dass man den „grundsätzlichen Zusammenhalt in der kommunalen Familie infrage stellt“. Vielmehr unterhalte man durchaus Kooperationen zum Beispiel in„partnerschaftlicher“ Verbundenheit mit dem Regionalwerk Würmtal, dass von drei dortigen Gemeinden zu 100 Prozent betrieben werde. Und die Gas- Versorgung der Gemeinden Haar, Ismaning und Germering laufe auch über die Münchner. „Völlig klar“ sei aber auch, dass man „nicht zum letzten Mal“ im Umland um Kunden geworben habe. (Matthias Endlicher)

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