Kultur

"Preise sind wie Hämorrhoiden. Irgendwann kriegt jeder Arsch einen" - lässt Helmut Schleich "seinen" Franz Josef Strauß im Sinne von Billy Wilder sagen. (Foto: dpa)

21.07.2015

Abgewatscht

Helmut Schleich bekommt den Bayerischen Kabarettpreis und watscht als Franz Josef Strauß-Imitator Unionspolitiker ab

Helmut Schleich, gefeierter Imitator von FranzJosef Strauß, ist am Montagabend in München mit Bayerischen Kabarettpreis 2015 ausgezeichnet worden. Ihm wurde die Ehrung in der Kategorie Hauptpreis zugesprochen. In seiner Dankesrede schlüpfte Schleich in seine FJS-Paraderolle. Sein Strauß hält es mit Billy Wilder: "Preise sind wie Hämorrhoiden. Irgendwann kriegt jeder Arsch einen". 

Schleich watschte wie gewohnt als Strauß mehrere Unionspolitiker ab: "So einer wie Bundesverkehrsminister Dobrindt hätte es zu meinen Zeiten nicht einmal zum Brotzeitholer gebracht." Zur Rolle von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der  Griechenlandkrise versteigt sich Schleichs Strauß zu der Aussage: "Da haben wir den Krieg ja doch noch gewonnen".

"Mit seinem Typenkabarett ergründet Helmut Schleich die bayerische Volksseele, mit seinen Parodien gewährt er fantastische Einblicke in den Mythos der Mächtigen, entlarvt große Worte als kleinbürgerliche Haltung und versteht es immer wieder zu überraschen", hatte die Jury ihre Auswahl begründet. 

Der diesjährige Senkrechtstarter-Preis beim Bayerischen Kabarettpreis ging an den Bielefelder mit marokkanischen Wurzeln, Abdelkarim. Claus von Wagner, Kabarettist und Leiter des ZDF-Satireformats "Die Anstalt", würdigte die "offene Lederjacke"-Coolness Abdelkarims, der den "Anstalt"-"Quotenausländer" gebe: "Abdelkarim gehört zu Bayern", variierte von Wagner das Islam-Statement des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Abdelkarim bestätigte Wagners These "Wir lachen uns mit ihm in unsere Vorurteile" bei seiner Darbietung: "Ich hätte den Integrationsbambi erwartet, Bambis für Bimbos. Man muss die Kirche im Dorf lassen, aber die Moschee kommt in die Stadt".

Der Grünenpolitiker und ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin hielt die Laudatio in der Kategorie Musikpreis für das fränkisch-westfälische Musikkabarettduo Pigor und Eichhorn. Er würdigte die beiden Musiker für Songs mit Titeln wie "Sag doch mal was Schönes über Uli Hoeneß" als "Erfinder des Salon-Hiphop".

Der diesjährige Ehrenpreis ging an die Schauspielerin und Kabarettistin Lisa Fitz. In seiner Laudatio stellte der Wiener Kabarettist Alfred Dorfer klar: "Lisa Fitz erhält trotz ihrer Vorkämpferrolle für die Eigenständigkeit der Frauen in der Szene keinen Genderpreis." Sie sei nicht auf ihr Frausein reduzierbar. Dorfer verglich Fitz mit der legendären Komikerin und Volksschauspielerin Liesl Karlstadt. Er bewundere Fitz "aufgrund ihrer Kompromisslosigkeit. Statt dem sonst üblichen Dreiklang These, Antithese, Prothese".

Lisa Fitz verwies auf die gewandelte Beziehung zwischen Mann und Frau. Die Frau könne inzwischen anders als früher bei Bedarf zum Mann sagen: "Das Essen steht im Kochbuch, Schatz. Und Tschüss."  Luise Kinseher, die letztjährige Hauptpreisträgerin, führte als charmant-hintergründige Moderatorin durch den Abend. (BSZ)

Das Bayerische Fernsehen strahlt die Aufzeichnung der Preisverleihung an diesem Freitag (24. Juli) um 22 Uhr aus.

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