Kultur

Das Gelb des Schornsteins leuchtet intensiver, wenn sich die Berge im Hintergrund bläuen – ein Motiv, das Alexej Jawlenski 1912 malte. (Foto: Museum)

17.05.2013

Alpenglühen im blauen Land

Eine Ausstellung im Schlossmuseum Murnau zeigt, was das Besondere der Berge ausmacht.

Die Berge hatten Künstler allemal angezogen. Dieser Erlebnisraum gehört seit dem 16. Jahrhundert, seit Lenoardo und Tizian, zum Inventarium der Kunstgeschichte. Die ersten Landschaften, die in der deutschen Malerei auftauchten, waren Berge und Täler: die Felslandschaft mit Schloss von Albrecht Dürer und die Flusslandschaft mit Felsen von Albrecht Altdorfer. Ehe noch die eigentlichen, zunächst nur forschenden Bergsteiger die unwirtliche Wildnis der Alpen durchstreiften und beschrieben, waren die Künstler mit Zeichenstift, Pinsel und Palette im Gebirge unterwegs. Eine Radierung von Johann Adam Klein aus dem Jahr 1819 zeigt vier solcher Künstlerfreunde, „auf einer malerischen Reise von Salzburg nach Berchtesgaden“; ausgerüstet sind sie beim Betrachten und Abbilden eines Bergkirchleins außer mit ihrem Berufswerkzeug auch mit Rucksack, Sonnenschirm und Wanderstock. Dieses informative Bild empfängt im Entree einer Ausstellung, mit der das Schlossmusem Murnau die Berge als Sehnsuchtsort darstellen will.

Magische Anziehungskraft

Viel Dämonisches, Phantastisches, Symbolisches war noch bis ins 18. Jahrhundert in die Gebirgsschau eingeflossen. Drachen, furchterregende Wasserfälle und finstere Felskulissen wurden erst im 19. Jahrhundert durch realistischere Darstellungsweisen abgelöst. Dennoch blieb eine gewisse Magie, eine geheimnisvolle Anziehungskraft, der die Ausstellung mit dem zunächst kitschig klingenden Titel Alpenglühen nachspürt. Tatsächlich jedoch gibt es ein physikalisches Phänomen, das schon Goethe und Max Frisch beim Auf- und Untergehen der Sonne über den Berggipfeln als „Verschmelzen“ beobachteten: Dichtere Luftschichten lassen, besonders im Winter, nur das langwellige rötliche Licht passieren, sodass die Berge zu glühen scheinen.
Diese Erscheinung korrespondiert gelegentlich mit einer zweiten: mit dem besonderen Licht der Voralpenlandschaft. Für den begeisterten Berggeher Franz Marc und seine Freunde war es ein klares Blau, das ihn so sehr faszinierte; diese Farbe gab denn auch dem „Blauen Reiter“ und dem „Blauen Land“ rund um Murnau ihre Namen.
Klar, dass die Ausstellung solch regionaltypische Werke präsentiert. Und da erlebt der Betrachter einige Überraschungen. Denn die Bilder stammen zum größten Teil aus Privatbesitz, viele waren noch nicht öffentlich zu sehen. Der Kochelsee von Ludwig Sckell, Sohn des Münchner Hofgärtners, gehört ebenso zu diesen unbekannten Schätzen wie der Vorfrühling am Walchensee von Lovis Corinth, der Rote Baum von Marianne von Werefkin, die Blauen Berge von Alexej Jawlensky, der Gebirgsweg von August Macke und der (allerdings alpenferne) Desenberg von Adolf Erbslöh.
Echte Entdeckungen sind die Lithografien von Alexander Kanoldt: scharf konturierte schwarze Wände des Werdenfelser Landes. In die Abteilung Hochgebirge gehören natürlich auch die Werke von Vater und Sohn Compton, denen als Beispiele zeitgenössischer Alpenmalerei einige Monotypien des Österreichers Herbert Brandl angefügt sind. (Karl Stankiewitz)

Bis 23. Juni. Schlossmuseum, Schlosshof 2 – 5, 82418 Murnau. Di. bis So. 10 – 17 Uhr. www.schlossmuseum-murnau.de

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