Kultur

Der Neubayer Olaf Gulbransson teilte seinem Freund Kaulbach mit dieser Zeichnung mit, dass er die Staatsbürgerschaft seiner Wahlheimat erlangt hat. (Foto: Olaf Gulbransson Museum)

06.02.2015

Am bayerischen Fjord

Tegernseer Ausstellung zeigt den Briefwechsel zwischen Olaf Gulbransson und Friedrich August von Kaulbach

Aller Anfang ist schwer. Als Olaf Gulbransson 1902 nach München zum Simplicissimus kam, hätte ihn sein zynischer Kollege Thomas Theodor Heine (dessen bissige Bulldogge das Symbol der satirischen Wochenschrift war) am liebsten gleich wieder weggeschickt. Aber Verleger Albert Langen, der den fast dreißigjährigen norwegischen Karikaturisten und Buchillustrator nach München geholt hatte, gewährte dem Neuankömmling Eingewöhnungszeit  – und war hocherfreut, als dieser seine Serie Berühmte Zeitgenossen begann.
Blieb jemand verschont vom feinsinnigen Humor des Nordländers, der mit präzisen Zeichenstrichen und knapper Formensprache sich stets auf das Wesentliche seines Gegenübers konzentrierte, war er nicht berühmt.

Langjährige Freundschaft

Zu den Auserwählten wiederum zählte auch der um gut zwei Jahrzehnte ältere Friedrich August von Kaulbach. Dass beide eine langjährige Künstlerfreundschaft verband, bezeugen rund 60 illustrierte Briefe von Gulbransson und seiner zweiten Frau Grete sowie wenige Antwortschreiben Kaulbachs. Zu sehen sind diese aus dem Kaulbach-Nachlass in Ohlstadt stammenden Dokumenten erstmals in der Ausstellung Landleben verbindet. Illustrierte Briefe von Olaf Gulbransson und Friedrich August von Kaulbach im Gulbranssonmuseum in Tegernsee.
Tegernsee war eine Hochburg vieler Künstler und Sommerfrischler. Auch der zum Professor an der Münchner Akademie als Nachfolger von Franz von Stuck avancierte Sohn des Buchdruckers Edvard Gulbrandsen blieb dort: Nach seiner zweiten Scheidung verließ Gulbransson München und sein so genanntes Kefernest in der Keferstraße 10 am Englischen Garten.

Virtuoser Minimalist


Nach einem kurzen Intermezzo in Norwegen mit seiner dritten Ehefrau Dagny Björnson kaufte er sich 1929 hoch über dem Tegernsee, den er seinen „Fjord“ nannte, den 500 Jahre alten Schererhof. Im Garten baute er sich ein Schwimmbad – für Nordmänner unverzichtbar – und eine massive Hundehütte. Dort am Tegernsee blieb der virtuose Minimalist mit zart filigranem Duktus, aber bärenstarker Physiognomie bis zu seinem Tod im September 1958.
In der ländlichen Idylle mit phantastischem Fernblick auf See und Alpenkette entstanden auch zarte, delikate Landschaftsdarstellungen sowie intime Porträts seiner Familie und Freunde, in denen sich der „andere Gulbransson“ zu erkennen gibt.
Auch den Münchner Malerfürst und Akademiedirektor Friedrich August von Kaulbach, der bei seinem Vater, dem Historienmaler Friedrich Wilhelm Kaulbach gelernt hatte, zog es in das Voralpenland. In Ohlstadt bei Murnau ließ sich der passionierte Jäger nach eigenen Entwürfen eine Villa mit Atelier, Garten, Kegelbahn und Schwimmbad bauen. Vom ursprünglichen Mobiliar ist vieles erhalten, darunter die gesamte Ausstattung des Ateliers sowie Teile seiner umfangreichen Bibliothek.
Grete Gulbransson stand dem „Damenmaler“ Kaulbach Modell und notierte in ihr Tagebuch: „Ich muss wieder zu Kaulbach. Aber ich seh’ blass und scheusslich aus heut’ leider und bin ganz verzweifelt. Er fängt ein neues Bild an, ich sitz’ schlecht und bin in einer peinlichen Stimmung. Olaf und die Kaulbachs schwätzen wieder urgemütlich zusammen. Das Bild wird viel schöner als ich – ich jammer’ über meine Hässlichkeit und der Kaulbach glaubt, das Bild gefällt mir nicht.“
Von Kaulbachs guter Vernetzung in der Münchner Gesellschaft profitierte auch Gulbransson. Als er die Staatsbürgerschaft seiner Wahlheimat erhält, reagiert er darauf künstlerisch und porträtiert sich seehundköpfig mit bayerschen Stereotypen: Bierkrug, Lederhose, Wanderstiefel und grünem Gamsbarthut. (Angelika Irgens-Defregger)
(Bis 15. März. Olaf Gulbransson Museum, Im Kurgarten 5, 83684 Tegernsee. Di. bis So. 10 – 17 Uhr.)

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