Kultur

Anja Klawun überzeugt in Kempten als „Die Päpstin“. (Foto: Hermann Posch)

21.03.2014

Am Ende fehlt die Tiefe

Umjubelte Premiere: „Die Päpstin“ in Kempten

Wenn es Romane in Bestsellerlisten schaffen, werden sie nicht selten auch interessant für Filmemacher oder Theaterregisseure. Donna W. Cross gelang 1996 mit dem Roman Die Päpstin der große Wurf. Die Geschichte flimmerte später über TV- und Kinoleinwand. Zudem wurde der Stoff in einem Musical verarbeitet. Auf deutsche Theaterbühnen bringt ihn nun das Münchner Ensemble Theaterlust in einer Fassung von Susanne F. Wolf. Bei der Premiere im Theater in Kempten ernteten die Beteiligten um Hauptdarstellerin Anja Klawun prasselnden Applaus. Bis Ende Mai geht Theaterlust damit auf Tournee durch ganz Deutschland.
„Theater“, bemerkt Regisseur Thomas Luft, „soll keine Fragen beantworten. Es soll sie lediglich stellen. Ich möchte in dieser Produktion die verschiedenen Menschen und deren Entwicklung zeigen und dem Stück Dramatik geben.“ Gemessen an diesen Worten, ist der starke Applaus nach der Premiere verständlich. Anja Klawun in der Rolle der wissbegierigen Johanna, die sich im 9. Jahrhundert über alle Regeln und zementierten Glaubensformeln hinwegsetzt, die liest und schreibt und lernt und letztlich, verkleidet in Männerklamotten, auf der Karriereleiter bis hinauf auf den Heiligen Stuhl in Rom klettert, weiß ebenso wie ihre Schauspielkollegen, allen voran Markus Böker und Johannes Schön, die Zuschauer zu bannen.
Im ersten Teil ein bisschen mehr als im zweiten. Hier kann sich die Kraft der Geschichte angesichts eines kargen, aber eindrucksvollen Bühnenbilds von Isabelle Kittnar besonders gut entfalten. Die Inszenierung punktet mit Video-Einspielungen und den dezenten, gleichwohl dem Stück Tiefe gebenden Musikeinlagen von Georg Karger. Lufts Idee, jedem der Darsteller einen Holzkasten in der Größe eines Sargs in die Hand zu drücken, die ständig hin- und hergerückt werden, als ob sie ein Eigenleben führen würden, erweist sich als Volltreffer. Man taucht als Betrachter tief ein in diese Welt, die man, betrachtet mit heutigen Augen, nicht wirklich verstehen kann. Zum Beispiel in eine Welt des christlichen Glaubens, der nicht Halt macht vor Gewalt und Missgunst gegenüber anderen – vor allem gegenüber Frauen. In Teil zwei des Abends verliert die Inszenierung teilweise an Tiefe. Zu viel Stoff will Luft unterbringen, zu rasch reiht sich Handlung an Handlung. (Freddy Schissler)

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