Kultur

Manche Fußspuren scheinen schier ewig an die Präsenz von Lebewesen zu erinnern – man denke an jahrmillionenalte Abdrücke von Dinosauriern in Amerika, über 300 000 Jahre alte Fußabdrücke von Menschen in Süditalien oder den Stiefelabdruck von Neil Armstrong auf dem Mond. Die Spuren, die diese Frauen in Mircea Cantors "Tracking Happiness" hinterlassen, sind dagegen von kurzer Dauer: Sie werden sofort von der Nach-Folgerin verwischt. (Foto: Kunsthalle)

17.12.2010

Annäherung an die vierte Dimension

Poetische Videoarbeiten von Mircea Cantor in der Kunsthalle Nürnberg

Kann man die Zeit anhalten? Oder dem Glück, und sei es nur für einen Augenblick, Dauer verleihen? In seinen wundersam poetischen Videobildern gelingt das dem rumänischen Künstler Mircea Cantor, dem die Kunsthalle Nürnberg (zusammen mit dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach) seine erste große Einzelausstellung in Deutschland widmet.
Da laufen sechs weiß gekleidete Frauen barfuß auf feinem, weißem Sand im Kreise und verwischen mit einem Besen die Fußspuren, die die Vor-Gängerin hinterlassen hat, während sie zugleich im Laufen wieder neue Spuren legen, die ihre Nach-Folgerin sofort wieder verwischt: Auf den Spuren des Glücks (Tracking Happiness) nennt sich diese nur elf Minuten dauernde Videosequenz, die in ihrer stupenden Eindringlichkeit ohne jeden Kommentar auskommt – und doch mehr als Worte die Vergänglichkeit des Augenblicks von Glück ausdrückt.

Mit Schere am Wasserhahn

Oder da ist das Kind, das – über ein Spülbecken gebeugt – mit einer Schere den stetig rinnenden Wasserstrahl, der aus dem Wasserhahn kommt, durchschneidet – und für den Bruchteil einer Sekunde den Strom der Zeit anhält. Ein nicht minder poetisches Bild, das die Zeit im Staunen eines Kindes bildhaft werden lässt und die abstrakte, unvorstellbare „vierte Dimension“ visualisiert.
Zu politischen Elegien werden diese poetischen Videovisionen, wenn Cantor in kaleidoskopischen Fotografien riesenhafte Kristall-Blumen abbildet, die sich bei näherer Betrachtung als nur scheinbar abstrakte Strukturen entpuppen, die in Wirklichkeit aus Maschinengewehren und Handgranaten zusammengesetzt sind. Was der Künstler in dem Film The Landscape is Changing auf die Spitze treibt: Da zieht eine kleine Gruppe von Demonstranten mit ihren Transparenten durch die Straßen, aber statt politischer Parolen sind auf den Tafeln nur der Himmel oder die Häuser zu sehen – denn die Demonstranten halten nur Spiegel in den Händen, die nichts als die Wirklichkeit abbilden. (Friedrich J. Bröder)

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