Kultur

Chris Merritt singt den Mendel mit imposanter Erscheinung. (Foto: Hösl)

22.07.2014

Anrührend

Packend lyrisch und dramatisch: Die Oper "Zeisls Hiob" in der Münchner Reithalle

 

Reichlich Platz ist für zwei Erdteile und ein ganzes jüdisches Leben: Hiob in der Münchner Reithalle. Nicht nur von Josef Roth (und nach seinem Roman von 1930), sondern auch von Erich Zeisl. Nicht in den Kammerspielen, sondern als Uraufführung bei den Opernfestspielen. Einst ein Fragment, jetzt von Jan Duszynski ergänzt zu dreieinhalb Stunden Dauer. Daniel Grossmann hat die Musik und das Libretto von Hans Kafka entdeckt, jetzt dirigiert er mit denkbar großer Authentizität sein Orchester Jakobsplatz München. Und führt engagiert, beseelt diese Partitur des Wiener Komponisten vor, von den schweren Ton-Portieren der Ouverture an: elegante, sehnsuchtsvolle Musik, packend lyrisch und dramatisch zugleich.

Wie sein Protagonist Mendel Singer musste auch Zeisl nach Amerika emigrieren. Noch im russischen Schtetl zuvor hatte er eine Familie, so groß, dass die Stühle um den Esstisch herum nicht reichen und von deren jüdischem Leben die Oper erzählt – besonders von dem misslungenen Versuch der jungen Leute, sich zu assimilieren.

Chris Merritt singt den Mendel mit imposanter Erscheinung und nimmermüdem heldentenoralen Glanz in höchsten Lagen: ein Monument. Um ihn herum durchweg hervorragende Solisten, prächtige Sänger des Staatsopern-Opernstudios. Große lyrische, stimmungsvolle Tableaux lassen die Partitur und die Handlung immer wieder innehalten: Zeisl wusste, was wirkungsvolle Musik ist. Regisseur Miron Hakenbeck nützt den Raum und arbeitet mit wirkungsvollen, aber bescheidenen Mitteln. Jan Duszynskis Ergänzung („I have been asked to finish“, singt der behinderte Menuchim) spiegelt Singers Leben in Amerika, das mühsame Englisch-Lernen, die Verzweiflung an seinem Gott: ein Schluss, der sich Zeit nehmen muss, um dieses jüdische Schicksal zu runden. Begeisterter Applaus.  (Uwe Mitsching)

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