Kultur

Goldhauben aus Passau sind bei Trachtenveranstaltungen immer ein besonderer Hingucker. (Foto: dpa)

08.10.2015

Bayerns Top Thirteen

Bier, Drache und Passion: Was es so alles ins Landesverzeichnis zum immateriellen Kulturerbe geschafft hat

Ein Ranking, das nicht einfach zu bewerten ist: Die Suche nach den "Top Thirteen" des immateriellen Kulturerbes in Bayern. Gerade im Freistaat blühen Traditionen und Brauchtum - aber was davon ist es wert, dass es quasi ganz Bayern repräsentiert im großen Projekt der Unesco, die nach dem immateriallen Kulturerbe der Menschheit fahndet? Mit Telefonvoting ist es da nicht getan. Der Kriterienkatalog ist recht umfangreich - und die Jury sind Experten. Jetzt ist aber Bayerns Landesverzeichnis fertig - 13 Bräuche, Feste und Handwerkstechniken stellt Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle nächste Woche vor, die in die nächste Auswahletappe auf nationaler Ebene geschickt werden.

Die "Top Thirteen" sind:ren in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen worden.

In das Landesverzeichnis wurden folgende Feste, Bräuche und Handwerkstechniken aufgenommen:

 

1. Bayerische Brautradition nach dem Reinheitsgebot
Das Brauwesen hat im Freistaat Bayern eine besonders lange Tradition. Dem 1516 in Ingolstadt erlassenen Reinheitsgebot mit der strikten Beschränkung auf die vier natürlichen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ist es zu verdanken, dass sich in Bayern eine einzigartige als „Braukunst“ bezeichnete handwerkliche Tradition entwickelt hat.

2. Goldhaubentradition im Passauer Land
Bei der Goldhaube handelt es sich um eine nach Vorbildern des 19. Jahrhunderts gefertigte Kopfbedeckung, die von Frauen im Passauer Land als schmückendes und „krönendes“ Accessoire der Festtagskleidung getragen wird. Etwa 1000 Trägerinnen in etwa 35 Gruppen knüpfen seit den 1970er Jahren mit großem Engagement an diese alte Tradition an.

3. Handwerkliche Fertigung von Flachglas in der traditionellen Technik des Mundblasverfahrens
Diese über mehrere Jahrhunderte alte Handwerkstechnik wird in dieser Form europaweit nur noch an drei Standorten praktiziert. Eine dieser Glashütten befindet sich in Waldsassen in der Oberpfalz. Das dort handwerklich hergestellte, mundgeblasene Flachglas findet vor allem in der Glasarchitektur, Denkmalpflege und bei Künstlern Verwendung.

4. Historisches Dokumentarspiel „Landshuter Hochzeit 1475“
Die Fürstenhochzeit von Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut mit der polnischen Königstochter Hedwig im Jahr 1475 wurde erstmals 1903 aufgeführt, basierend auf dem Wunsch der Bewohner Landshuts, die in der Erinnerung über Jahrhunderte präsente festliche Hochzeit wieder aufleben zu lassen. Hervorzuheben ist vor allem das Bemühen um einen hohen Grad an Authentizität und wissenschaftliche Absicherung der Darstellung.

5. Historisches Festspiel „Der Drachenstich“ zu Furth im Wald
Für die Stadt Furth im Wald und Umgebung ist das historische Festspiel, das den Kampf eines mutigen Ritters gegen einen gefährlichen Drachen thematisiert, das zentrale Ereignis des Jahres und vereint dabei alle Alters- und Bevölkerungsgruppen (ca. 1.500 kostümierte Darstellerinnen und Darsteller).

6. Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ zu Rothenburg ob der Tauber
Das Bühnenstück „Der Meistertrunk“ feierte im Jahr 1881 Premiere und erinnert in Rothenburg o.d. Tauber alljährlich an Pfingsten an die Rettung der Stadt vor dem katholischen kaiserlichen Heer im Jahr 1631. Das historische Festspiel besitzt eine starke identitätsstiftende Funktion und ist um größtmögliche Authentizität etwa bei den Kostümen bemüht.

7. Historisches Festspiel „Kinderzeche“ zu Dinkelsbühl
Die Dinkelsbühler Kinderzeche geht auf ein Schulfest des 16. Jahrhunderts zurück, das im Zeitalter des Historismus im ausgehenden 19. Jahrhundert durch ein Festspiel ergänzt wurde, welches die sagenhafte Aufhebung der Schweden-Belagerung von Dinkelsbühl im 30-jährigen Krieg durch kindliche Friedensdiplomatie zum Thema hat.

8. Innerstädtischer Erwerbsgartenbau in Bamberg
Der urbane Erwerbsgartenbau in der fruchtbaren Bamberger Regnitz-Aue entstand im 14. Jahrhundert und konzentrierte sich bis ins 19. Jahrhundert auf die Produktion von Gemüsesaatgut und Süßholz. Noch heute produzieren die Gärtner nach bewährter Tradition und vermarkten ihre Waren hauptsächlich auf dem Grünen Markt, in Hofläden und Restaurants.

9. „Limmersdorfer Lindenkerwa“ (Lindenkirchweih)
Im oberfränkischen Limmersdorf wird alljährlich zur Kirchweih in der dafür eigens als „Ballsaal“ gestalteten Krone des 1686 gepflanzten Lindenbaumes musiziert und getanzt. Nachweislich seit 1729 bildet die „Lindenkirchweih“ den unbestrittenen gesellschaftlichen Höhepunkt des dörflichen Lebens: Jugendliche „debütieren“ beim Lindentanz, viele lernen hier den Partner/die Partnerin fürs Leben kennen.

10.  „Kötztinger Pfingstritt“
Diese jährliche Reiterprozession in das benachbarte Steinbühl lässt sich bis ins 17. Jahrhundert belegen. Heutzutage nehmen an der Veranstaltung über 900 Reiter mit ihren geschmückten Pferden teil. Der zu den größten berittenen Bittprozessionen Europas gehörende Pfingstritt hat für Bad Kötzting eine starke identitätsstiftende Bedeutung, die sich u.a. auch in der künstlerischen Ausgestaltung des Stadtbildes bemerkbar macht.

11. Markttradition des „Münchner Viktualienmarktes“ als Handelsbrauch
Als ständiger, vorwiegend aus festen Buden bestehender Markt für Lebensmittel in der Altstadt von München verkörpert der Viktualienmarkt in besonderer Weise die urbane Markttradition. Aufgrund der mit dem Markt unmittelbar verbundenen gesellschaftlichen Komponente handelt es sich um weitaus mehr als einen bloßen Ort des Handeltreibens.

12. „Passionsspiele Oberammergau“
Das weltbekannte alle zehn Jahre von der Oberammergauer Bevölkerung aufgeführte Passionsspiel thematisiert das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi. Rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung wirkt an dem Spiel mit. Hervorzuheben ist die mit rund 380 Jahren ungewöhnlich lange und trotz aller Widerstände durchaus kontinuierliche Tradition, die in Sprache, Musik, Festkultur und Handwerk ausstrahlt und als beeindruckende Gemeinschaftsleistung die Gemeinde nachhaltig prägt.

13. Tradition der hochalpinen Alpwirtschaft im AllgäuIm Allgäu werden in den Sommermonaten (hoch-)alpine Weideflächen in Gemeinschaftsbesitz von „Älplerinnen“ und „Älplern“ bewirtschaftet. Diese seit dem Hochmittelalter belegte Wirtschaftsform und viele damit unmittelbar zusammenhängende Ausdrucksformen haben das Kulturlandschaftsbild und auch die Gesellschaft im Laufe der Zeit entscheidend geprägt. Durch die Etablierung ökologischer Landwirtschaft gewann auch das tradierte Wissen der Alpwirtschaft neuerlich an Bedeutung. (BSZ)

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