Kultur

Die Heinrichsglocke. (Foto: Köhl)

05.08.2011

Berühmt, betagt - und kein bisschen leise

700 Jahre Heinrichsglocke in Bamberg

Noch heute herrscht bezüglich der Spielweisen und Klangcharakteristika der Musik aus vergangenen Epochen manche Ungewissheit. Wie mögen Bachs Kantaten und Oratorien um 1730 in der Thomaskirche geklungen haben, wie Beethovens Symphonik knapp 100 Jahre später oder der Wagnergesang um 1870? Viel ist darüber geforscht worden, aber so genau wissen wir es bis heute nicht und werden es wohl auch mangels Tondokumenten nicht verlässlich in Erfahrung bringen.
Wenn es aber um ganz besonders alte Instrumente geht, nämlich die aus dem hohen Mittelalter auf uns gekommenen Glocken, wissen wir genau, wie sie damals geklungen haben: so wie heute noch. In Bamberg, der mit alten Geläuten aus allen Epochen besonders reich gesegneten Weltkulturerbestadt, gibt es Glocken, die seit über 800 Jahren mit ihren ewiggleichen Tönen der Bevölkerung „heimläuten“, sei es nun zu sakralen oder profanen Anlässen.
Die prominenteste unter ihnen, die Heinrichsglocke des Bamberger Domes, wurde am 13. August 1311 gegossen, wird also am kommenden Wochende 700 Jahre alt. Sie prägt mit ihrer „Schwester“, der ein Stockwerk höher schwingenden Kunigundenglocke aus der Zeit um 1200 den unverwechselbaren Läuteklang, der seit Menschengedenken über der Stadt liegt. Dass schon die Bamberger des 14. Jahrhunderts den Zwiegesang der beiden berühmten „Kaiserglocken“ genauso hörten wie wir heute, ist eine faszinierende Vorstellung.
Die Heinrichsglocke ist eine von nur vier Großglocken aus dieser Zeit im deutschen Sprachraum, und von diesen die älteste. Zu ihren Besonderheiten gehört nicht nur eine außerordentlich schwere Rippe, sondern auch ein besonders klarer Klang. Setzen sich die über fünf Tonnen Bronze in Bewegung, erklingt ein lupenreiner Cis-moll-Akkord.
Die Heinrichsglocke steht historisch an einer Wende, denn sie markiert durch ihre Gestalt zugleich den Übergang zur gotischen, im Wesentlichen bis heute gleich gebliebenen Glockenform, deren Klang von der Mollterz und deutlichem Oktavaufbau geprägt ist.
Der Geburtstag des hochoben im Nordostturm tönenden Kolosses bietet am 13. August den Anlass für ein Glockenjubiläum, das vom Diözesanmuseum und der Städtischen Volkshochschule (die in Bamberg Glockenführungen veranstaltet) initiiert wurde. Zwei Vorträge, ein Orgelkonzert mit „Carillons“ (Glockenstücke für Orgel), ein Sololäuten des Jubilars und zur Erinnerung nachgegossene Miniaturmodelle der Heinrichsglocke - das ist wahrlich eine würdige Verneigung vor diesem „Glockenkaiser“ nach 700 Jahren fleißigen Läutens. (Martin Köhl)

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