Kultur

Jetzt ist es eh schon egal: Der todkranke Bernhard Keller genießt seine letzte Zigarette. (Foto: Theater Regensburg)

10.12.2010

Berührender Abschied

Das Theater Regensburg widmet sich dem brisanten Stück "Der gute Tod"

Die Frage nach einem selbstbestimmten Tod ist letztlich keine moralische, sondern eine ganz praktische. Erwägungen darüber stehen deshalb auch nicht den Gesunden zu, sondern jenen, die so sehr leiden, dass sie sich nach Erlösung sehnen. Darf, wer unheilbar krank ist, freiwillig den Tod wählen als letztes Heil? Und was bedeutet das für die Hinterbleibenden?
Dann und wann hilft einem das Theater, im Spiel Erfahrungen durchzumachen und daraus Lehren zu ziehen, die im Ernst niemandem zu wünschen sind. Das Stück Der gute Tod des Holländers Wannie de Wijn am Theater Regensburg beweist, wie so etwas gelingt: Es geht um Euthanasie, um das Recht auf einen guten Tod. Eine spannende, intensive, unbedingt sehenswerte Inszenierung, die auf behutsam-unaufdringliche Weise das Thema in den Mittelpunkt rückt, ohne das Publikum mit ihm zu erdrücken.
Die Geschichte handelt von Bernhard Keller, der Lungenkrebs im Endstadium hat und von seinem Arzt und Freund Robert eine Giftspritze bekommen soll, um ihn von seinen Schmerzen und seiner Angst vor dem Ersticken zu erlösen. Eigentlich ist das Thema für die beiden, Bernhards Freundin Hannah und seine Tochter Sam, schon durchgesprochen, durchgedacht, emotional durchgemacht – da tauchen außerplanmäßig Bernhards Brüder Michael und Ruben auf. Sie wirbeln sämtliche Fragen um den freiwilligen Gang in den Tod noch einmal auf. Beide wussten von nichts, beide kommen von außen, und mit diesen beiden Figuren erhält das Publikum die Chance, sich dem Themenkomplex ebenfalls von außen zu nähern.
Die Regensburger Inszenierung des Stücks durch Christian Himmelbauer unternimmt alles, um diese Chance zwei Stunden lang zu wahren. Die bürgerlich möblierte Bühne (von Martin Scherm) gibt den naturalistischen Ton vor, den die Inszenierung konsequent durchhält. Der Text setzt vor allem zu Beginn viele Gags und mündet in einer Abschieds-Party am Vorabend des Todes: So knackt man Zuschauer, bis sie am – unendlich traurigen – Ende offen sind für die Fragen nach dem Recht auf Freiwilligkeit des Sterbens.

Individuelle Entscheidung

Vor allem die Figur des Michael (Christoph Bangerter) bohrt die Handlung zu diesen Fragen vor; er verdrängt den Kern des Themas und beißt sich stattdessen vor den Augen seines todkranken Bruders an seinem Zwist mit seiner Ex-Freundin Hannah fest, bis er allmählich versteht, worum es geht: Es gibt in dieser Frage keinerlei von außerhalb überwölbende, gesellschaftliche Moralität eines Zweiten. Es gibt nur die situationsbedingte, konkrete, völlig individuelle Entscheidung des Betroffenen.
Dass Antworten und Lösungen beim Thema nie schlichte und einfache sind, zeigt sich vor allem in der Rolle des Arztes Robert (Anton Schieffer): In einer enorm nahe gehenden Szene sehen wir ihn betend, allein mit seinen Skrupeln. In ihm und allen anderen ausgezeichneten Schauspielern spiegeln sich die verschiedenen Möglichkeiten, mit dem selbstbestimmten Tod eines Freundes, eines Verwandten umzugehen. Eine Inszenierung, die berührt. (Christian Muggenthaler)

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