Kultur

Anne Simmering (links) sorgt als komödiantischer Irrwisch für Lacherfolge. Rechts neben ihr Anna Sjöstrom als Yoga-Lehrerin und Christina Theresa Motsch als Celesta-. (Foto: Nico Manger)

25.01.2013

Besser ohne Mann

Die vier Darstellerinnen retten "Molly Eyre" in Würzburg

Grausam unterhaltsam“ und „geistig verstörend“ solle die Uraufführung von Molly Eyre werden, hatte Regisseur Jürgen R. Weber angekündigt. Gottseidank traf dies in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters Würzburg nur zum Teil zu. Der Anfang der Inszenierung von Tamsin Kate Walkers Stück war tatsächlich noch ziemlich wirr. Es fehlte ihm das Verständnis für die Aussage des Stücks und für die Psyche der vier Frauen. Jürgen R. Weber macht sich lustig über sie, brachte allerlei überdrehte Einfälle – dabei hätte er einfach mal vertrauen können auf die Zeichnung der Charaktere.
Die Autorin hatte sich nämlich bewusst von Molière Komödienfiguren entliehen; der Stück-Titel assoziiert ohnehin die Nähe zu dessen Gestalten, etwa im Misanthrop oder dem Eingebildeten Kranken. Walker „übersetzt“ Molièrs Typen ins Heute, verpflanzt sie in vier Frauen. Die plagen sich mit Entscheidungen im Kindergartenbeirat herum und mit Problemen wie Untreue der Männer, Schwangerschaft, Kinderwunsch, Geldmangel, Erziehung, Lebensführung etc.
Saga des Mutterseins
Dass am Ende aus dem Stück doch noch ein vergnüglicher Abend mit witzigen Dialogen wurde, lag an den Darstellerinnen. Die Fäden in der Hand hält dabei die erfolglose Autorin Molly Eyre. Sie steckt in Nöten, denn sie soll eine „Saga des zeitgenössischen Mutterseins“ schreiben, hat aber gerade keine Inspiration. Da verfällt sie auf die Idee, die Konflikte der drei Kindergarten-Mütter als Stoff zu verwenden. Edith Abels, mit Hut, in schwarzer Lederkluft und ständig per Handy kommunizierend, musste immer wieder energisch aus dem Publikum heraus ins Geschehen eingreifen. Sie erscheint frustriert – sie hat keine Kinder.
Auf der schwarzen Bühne, mit weißgrauen seltsamen Spielgeräten ausgestattet, geht es derweil vordergründig um die Ausgestaltung des Raums, in Wirklichkeit aber um Selbstdarstellung der ganz unterschiedlichen Frauen. Anna Sjöström als keineswegs altruistische, rotlockige Yoga-Lehrerin imponiert vor allem durch ihre turnerischen Qualitäten. Christina Theresa Motsch muss als blonde Emanze Celesta ständig unnatürlich beherrscht auftreten, mit männlichem Befehlston, sehr korrekt im blauen Schneider-Kostüm; blitzschnell erfasst sie die Realität, kommentiert sie sarkastisch und outet sich am Ende als Lesbe.
Wie ein komödiantischer Irrwisch sorgt Anne Simmering für Lacherfolge: als „wiedergeborene Buddhistin“ Raga, mit ihren hysterischen Versuchen, möglichen eingebildeten Krankheiten die Stirn zu bieten, durch ihr abenteuerliches, alternatives Äußeres, auch auf Rollschuhen, als überbesorgte Mutter und Anbeterin ihres Mannes und durch ihr unermüdliches Geplapper. Damit will sie aber nur Defizite in ihrem Leben überspielen. Das geht den anderen ähnlich. Nachdem Molly alle Männer aus dem Stück „rausgeschrieben“ hat, tritt Harmonie ein. Frauenpower pur. Auf den „männlichen“ Regisseur hätte man vielleicht verzichten können. (Renate Freyeisen)

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