Kultur

Schwurgerichtssaal mit der Raumnummer 600 im Landgericht in Nürnberg. Auf den Gerichtssaal 600 hat nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Welt geschaut. Bis 1949 fanden im heutigen Schwurgerichtssaal die Nürnberger Prozesse statt. (Foto: dpa)

23.06.2015

Betroffenheits-Geschwurbel

Die Internationale Orgelwoche gastiert im berühmten Saal 600 des "Memorium Nürnberger Prozesse"

Orgelwoche - diesmal auch im Knast? Nein, zwar direkt neben der Nürnberger JVA, aber doch sehr viel geschichtsträchtiger im „Memorium Nürnberger Prozesse“, im berühmten Saal 600. Das  ION-Motto „Freiheit“ verbindet Folkert Uhde, Leiter der Orgelwoche und überall vor Ort präsent, hier mit dem Stichwort „Menschlichkeit“, verbindet Musik und Texte: Das „humane“ Gesicht von Dürers Mutter schaut einen an, die Musik umspannt früheste Zeugnisse Nürnberger Komponisten mit modernster Elektronik.

Auch die Stadt als Mitveranstalter möchte da an Nürnberg zwischen Humanismus und Rassegesetzen erinnern. Kein Platz bleibt in den massiven Bänken frei. Uhdes Vorliebe für besondere Raumkonzepte dominiert wie bei der ION-Eröffnung in St. Lorenz auch hier: Die Musiker der Capella de la Torre schreiten feierlich durch den Raum, sitzen verstreut im „Memorium“. Uhde und Regionalbischof Stefan Ark Nitsche lesen die „Nürnberger Prinzipien“  und Texte des Humanisten Erasmus von Rotterdam, lassen das von schwirrenden Elektroniktönen begleiten (oder war es doch eine Tonstörung?). Besonders einleuchtend ist das nicht, auch wenn Uhde sein Leselicht mit sich herumträgt. Wie verschiedene  Geisteshaltungen überlagern sich  die Texte,  Letizia Renzinis „electronics“  und  die „Musik aus Nürnberger Quellen“.

Zehn Jahre ist die Capella de la Torre alt, bis zu 600 Jahre die Musik, auf die man sich spezialisiert hat: auf die „hauts instruments“ mit dem Doppelrohrblatt. Deren  Musik und die  Texte  realisieren  mit eingespieltem Glockengeläut und Geschützdonner eine Atmosphäre der Bedeutungsschwere. Das alttestamentarische „Schwerter zu Pflugscharen“ kommt vor, Berichte aus dem dreißigjährigen Krieg  und seinen Opferzahlen, Andreas Gryphius wird zitiert: ein  Betroffenheitscocktail. In dem häufen die Texte Leichen aufeinander und zitieren Erasmus: die schlimmste Folge von Krieg ist die „rasende Gesetzlosigkeit“. Die Elektronik spielt Vogelgezwitscher und Wellengeräusche dazu, und man begreift: „Ihr aber habt nichts dazugelernt.“ (Uwe Mitsching)

  

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Kommentare (2)

  1. Polzeus am 23.06.2015
    Was will uns der Autor mit seinem informationslosen Geschwurbel eigentlich sagen?
    Keinen Hinweis darauf wann diese Veranstaltung stattfindet, oder hat sie schon stattgefunden?
    Wieder mal so ein völliger Unsinnsbeitrag in einer Zeitung, die vom Bürger auch noch bezahlt werden muss, für nullkommanull Information.
  2. BSZ-Redaktion am 24.06.2015
    Sehr geehrter Polzeus,

    Gerüchte halten sich hartnäckig: Entgegen der immer noch weit verbreiteten Meinung, ist die Bayerische Staatszeitung kein vom Freistaat Bayern subventioniertes Presseorgan. Ein Blick ins Impressum kann für Aufklärung sorgen.

    Und natürlich reichen wir die Varanstaltungs-Daten gerne nach: Die 64. Internationale Orgelwoche Nürnberg – Musica Sacra findet noch bis zum 28. Juni 2015 statt.


    Beste Grüße,

    Ihre BSZ-Redaktion

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