Kultur

Ausweglos scheint die Situation somalischer Einwanderer an der serbisch-rumänischen Grenze: Filmstill aus dem Festivalbeitrag "If I Had It My Way I Would Never Leave" von Marko Grba Singh.

11.11.2015

Brisantes Kino

Beim Festival der Filmhochschulen in München zeigt der Nachwuchs aus über 20 Ländern seine Interpretationen aktueller Probleme

Zeitgeschehen mit Weitblick: Geschichten dazu dürfen die Besucher des 35. Filmschoolfest Munich erwarten (15. bis 21. November). Flüchtlings- und Finanzkrise bewegen die jungen Filmemacher ebenso wie andere heiße Themen, die über gesellschaftliche Befindlichkeiten reflektieren.

"Die neue Regiegeneration ist ganz weit vorn", sagt Festivalleiterin Diana Iljine - und meint das nicht nur thematisch: "Auch formal sind die Filme innovativ und zeugen schon jetzt von großer Professionalität."

Nachwuchsfilmer aus 21 Ländern stellen im Münchner Filmmuseum ihre Kurzfilme vor. Zum Beispiel Marko Grba Singh aus Serbien: Fast unsichtbar und zwischen den Welten verloren sind die zwei somalischen Einwanderer in seinem Festivalbeitrag "If I Had It My Way I Would Never Leave": Sie leben an der serbisch-rumänischen Grenze in einem leerstehenden Haus und scheinen weder vor noch zurück zu können.

Wie im Gefängnis

 

Lisa Gerig aus der Schweiz dokumentiert in "Conversation Over The Fence" ("Zaungespräche") ihre Besuche im Ausschaffungsgefängnis am Zürcher Flughafen. Die Menschen, die dort auf ihre Abschiebung warten, sind nie an ihrem Ziel angekommen. Obwohl sich viele von ihnen seit Monaten in der Schweiz befinden, haben sie oft noch keinen Fuß auf eidgenössischen Boden gesetzt.

Do Do aus Myanmar lebt zwar in seinem Traumland, den Niederlanden, gerät dort jedoch mit den Behörden in Konflikt, als auffällt, dass der Familienvater seine Kinder schlägt. Der Dokumentarfilm "Into My Dreamland" von der selbst aus Myanmar stammenden Regisseurin Mai Seng Kinraw entstand an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Auch Zora Rux von der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin, diskutiert in ihrem Film "Safe Space" ("Geschützter Raum") das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen: In einem Berliner Protestcamp haben sich Flüchtlinge und Helfer zusammengeschlossen, um gegen die europäische Flüchtlingspolitik zu demonstrieren. Als die Annäherung zwischen einer Deutschen und einem Afrikaner in sexuelle Nötigung mündet, sucht die Gruppe nach einer Lösung.

Optimismus in Griechenland

Eine trotz aller Schwierigkeiten optimistische Zukunftsprognose wagt die französisch-griechische Regisseurin Dapné Hérétakis mit ihrem Filmtagebuch "Archipelagos, Naked Granities", in dem sie die Stimmung unter jungen Athenern vor dem Hintergrund der schwierigen politischen Lagen einfängt.

Aus der Trickkiste

Fantasie- und humorvolle Perspektiven liefern die zahlreichen Animationsfilme im diesjährigen Programm. Unter anderem erproben drei Trickfilme von der Kunsthochschule Tokio ("I'm Here", "Missing You", Fox Fears") die Möglichkeiten der Zeichenkunst. "A Documantary Film" ("Dokument") von dem polnischen Comiczeichner und Filmemacher Marcin Podolec situiert sich zwischen Animations- und Dokumentarfilm. Und mit "Lure"  und "Whole" sind zwei Stop-Motion-Filme von der Technischen Hochschule Nürnberg zu sehen, die auf ganz unterschiedliche Weisen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken.

"Kino Asyl" eingeladen

Erwartet werden zum Festival der Filmhochschule rund 60 junge Filmemacher. Dazu sind die Macher von "Kino Asyl und Asylsuchende in München" auf das Filmschoolfest eingeladen. Das Filmfestival "Kino Asyl" findet statt vom 6. bis 9. Dezember und wird veranstaltet von jungen Flüchtlingen und dem Medienzentrum München des JFF (Jugend Film Fernsehen e. V.). (BSZ)

⇒ Das Filmschoolfest findet von 15. bis 21. November im Filmmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1, statt. Festivalprogramm unter www.filmschoolfest-munich.de

Abbildung:
Festivalleiterin Diana Illjine. (Foto: Sonja Calvert)

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