Kultur

Nur fünf Minuten Zeit, sich zu maskieren, gab der Fotograf den Porträtierten: Spontan für den blumigen Durchblick entschied sich die österreichische Malerin und Medienkünstlerin Maria Lassnig (1919 bis 2014), als sie sich 1994 von Stefan Moses für dessen Zyklus "Masken. Die Metamorphosen der Künstler" fotografieren ließ. (Foto: Stefan Moses)

13.03.2015

Chronist und Zeitzeuge

Der Fotograf Stefan Moses im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg

Seine Fotografien sind unverwechselbar. Stefan Moses stellt seine Modelle in den Wald oder vor ein neutrales, graues Filztuch. Er porträtiert Künstler und Literaten, Intellektuelle, Politiker, Wissenschaftler und Vertreter unterschiedlichster Berufsstände in Ost und West. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zeigt nun die Serie Deutsche – West/Deutsche – Ost. 1962-1990 im Zusammenhang mit der Retrospektive anlässlich der Verleihung des Lovis-Corinth-Preises 2014 an den großen Fotografen.

Interessantestes Land

Mit dem Projekt über die Deutschen – als Porträt der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft in den 1960er Jahren begonnen und nach dem Ende der DDR 1990 im Osten des Landes weitergeführt – schuf er als Zeitzeuge und Chronist in der Tradition von August Sander eine Chronologie der Bevölkerung in dem für ihn „interessantesten Land der Welt“.
Verwandeln in fünf Minuten
Das schon legendäre Filztuch funktioniert als neutrale Bühne. Es macht im selben Ambiente alle gleich und in der Gleichheit jeden einzigartig. Künstler wie Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Franz Hitzler oder Rudolf Wachter forderte er auf, innerhalb von fünf Minuten aus dem Stand eine Maske zu kreieren. So machte er in dem Zyklus Masken. Die Metamorphosen der Künstler seine Modelle zu Agierenden und es gelangen ihm Sternstunden des Porträts. Der jüngste Zyklus beschäftigt sich mit Deutschlands Emigranten.
Seine Aufgabe als Fotograf sah er darin, „Menschen festzuhalten, bevor sie verlorengehen“. Mit den Porträts von Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Ernst Bloch oder Oskar Maria Graf dokumentierte er von 1949 bis 2003 Deutsche, die in der Nazizeit gezwungen waren, das Land zu verlassen. Die Gesichter der Porträtierten sind beeindruckend, gezeichnet, intensiv.
Aus der Begegnung mit Christoph Stölzl, dem ehemaligen Direktor des Fotomuseums im Münchner Stadtmuseum und späteren Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, ergab sich für Stefan Moses 1989 der Auftrag, Menschen aus allen Bevölkerungsschichten der DDR zu dokumentieren. Daraus entstand die Ausstellung Abschied und Anfang, die (bereits 1994 in Regensburg gezeigt) im Kontext der Ausstellung jetzt nochmals im Kunstforum zu sehen ist.
Der heute in München lebende Stefan Moses wurde 1928 im schlesischen Liegnitz/heute Legnica in Polen geboren. Nach der Ausbildung als Fotograf (unterbrochen durch Internierung und Flucht nach Erfurt) arbeitete er als Theaterfotograf für das Nationaltheater Weimar. Er war für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften tätig, für das Kulturmagazin magnum, später für den Spiegel und ab 1960 als fester Fotograf beim Stern. (Ines Kohl)

Bis 31. Mai. Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr.-Johann-Maier-Str. 5, 93049 Regensburg. Di. bis So. 10 – 17 Uhr, Do. 10 – 20 Uhr. www.kunstforum.net

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