Kultur

Das Kunstwerk folgt den Gesetzen der Natur: Paul Klees "Physiognomie der Trübe" (1924) ist dem Franz Marc Museum als Dauerleihgabe überantwortet worden. (Foto: Von der Heydt-Museum, Wuppertal)

22.07.2011

Das Geheimnis konstruieren

Franz Marc Museum in Kochel zeigt Paul Klee

Ein Glück, dass es Sammler gibt. Ohne sie hätten manche Künstler wohl nicht überleben oder zumindest nicht künstlerisch arbeiten können. Im Fall von Paul Klee (1879 bis 1940) hieß das Glück unter anderem Rudolf Ibach (1873 bis 1940). Dieser hatte die elterliche Pianoforte-Fabrik übernommen und sehr erfolgreich geführt – doch seine Liebe galt der Kunst. Schon früh, zu einer Zeit, als viele seiner Bekannten noch verständnislos den Kopf schüttelten, hatte er Klees Talent erkannt. Bereits 1920 kaufte er zwölf seiner Aquarelle in der Münchner Galerie Thannhauser – kurz vor der ersten großen Klee-Ausstellung in der Münchner Galerie Goltz.
Ibach gehörte seit Beginn der Klee-Gesellschaft an; diese war gewissermaßen ein Unterstützungs-Verein, bei dem jedes Mitglied einen Obolus entrichtete, um Paul Klee ein monatliches Auskommen zu ermöglichen. Dafür durfte sich jedes Mitglied einmal im Jahr ein Bild aus einer Mappe mit Aquarellen nehmen – wer mehr gezahlt hatte, auch zwei oder drei.
Ibach sammelte allerdings nicht nur Paul Klee; in den Jahren 1910 bis 1928 baute er eine Kunstsammlung auf, die rund 3500 Grafiken, Aquarelle und Gemälde umfasste und in der fast alle Künstler vertreten waren, die damals als Außenseiter galten und um deren Werke sich heute die großen internationalen Museen reißen.
Besonders eng aber blieb der Kontakt zu Paul Klee. Rund 50 seiner Werke besaß Rudolf Ibach, wobei 38 Aquarelle der Schaffenszeit zwischen 1915 und 1928 den Schwerpunkt bildeten. Die Qualität der Werke spricht für den Kunstsinn des Sammlers. Im Gegensatz zu den Werken anderer Künstler waren die kleinformatigen Klee-Aquarelle weder dem Zugriff der Banken in der Finanzkrise, noch den Beutezügen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Sie blieben zunächst in der Familie. Inzwischen jedoch sind viele Werke der Sammlung Ibach in bedeutenden Museen gelandet.
13 Arbeiten von Paul Klee werden von Rudolf Ibachs Erben nun als Dauerleihgabe dem Franz Marc Museum in Kochel überlassen. Zur „Begrüßung“ wurde eine Paul-Klee-Ausstellung eingerichtet, in der 50 Klee-Werke zum Teil auch aus anderen Sammlungen vereint wurden.
Warum findet diese Ausstellung im Franz Marc Museum statt? Die Antwort ist naheliegend: Paul Klee und Franz Marc begegneten sich 1911 nicht nur im Kreis des „Blauen Reiters“. Beide Künstler verband eine enge Freundschaft bis zum Tod Marcs im Ersten Weltkrieg. Und beide Maler teilten die Auffassung, dass große Kunst an ein Mysterium rührt, an ein Geheimnis, das unfassbar und unbenennbar bleibt, das nicht zu lehren und zu lernen ist und das das eigentliche Wesen des Kunstwerks ausmacht.

Organisches Wachstum

In diesem Sinn verstand Paul Klee jedes seiner Werke als Konstruktion des Geheimnisses, so auch der Titel der Ausstellung. Mit dieser Vorstellung, die er in einem 1928 verfassten Text zur Kunsttheorie formulierte, verband er auch die Idee, dass das Kunstwerk in seinem Entstehungsprozess dem organischen Wachstum in der Natur folgt.
In der Sonderschau in Kochel sind Hauptwerke Klees zu sehen, wie Der Vollmond, eines der ersten Ölbilder des Malers, das kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs entstand, oder Ansicht von Kairuan, ein farbenfrohes Beispiel für die berühmten Aquarelle, die Klee 1914 auf der Reise nach Tunis malte und die seine Entdeckung der Farbe im Licht des Südens nachvollziehen lassen. Auch Wachstum der Nachtpflanzen oder Vogelgarten, beides Werke aus Klees Zeit am Bauhaus in Dessau, die sich ebenso wie Der Vollmond heute im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen befinden, früher aber zur Sammlung Rudolf Ibachs gehörten. (Cornelia Oelwein)

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