Kultur

Der Name Maria Sibylla Merian lockt an Messestände: Hier ein Kupferstich der Naturforscherin von einer Echse samt Korallenschlange (1705). (Foto: Kunstkabinett Strehler)

21.10.2011

Das künstlerische Quartett

In München finden vier Kunstmessen gleichzeitig statt

Ein neuer Begriff hat sich etabliert: der Münchner Kunstherbst. Denn als im letzten Jahr die „Highlights – internationale Kunstmesse München“ im Haus der Kunst und die „Munich Contempo“ im Postpalast, Münchens erste Messe für zeitgenössische Kunst, ihre Debüts gaben, verdoppelte sich die Zahl der Messen für dieses Metier in Bayerns Hauptstadt schlagartig. Müssen die Traditionsreichen wie „Kunstmesse München“ und die „Kunst & Antiquitäten München“ nun um ihre Positionen bangen? Gewiss nicht, denn jede Messe hat ihre Besonderheiten. Und München ist ein starker Handelsplatz in Sachen Kunst.
Die Grand Dame in diesem Kleeblatt ist die Kunstmesse im Postpalast. 1955 als Leistungsschau des deutschen Kunsthandels gegründet, ist sie bis heute diesem Programm treu geblieben. Deutschlands beste Händlerriege ist dort vertreten. Wie etwa der Skulpturenhandel Senger mit einem ausdrucksstarken Heiligen Rochus von 1510, die Porzellanspezialistin Elfriede Langeloh mit einem Musterteller aus dem legendären Meissner Schwanenservice oder die Galerie Schwarzer mit dem stimmungsvollen Gemälde „Allee im Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern“ von Max Liebermann.
Noch um einiges hochkarätiger und internationaler ist der Anspruch der „Highlights“. Um den Altmeister-Händler Konrad O. Bernheimer und den Möbel- und Schinkel-Experten Frank C. Möller, um nur einige zu nennen, hat sich im Haus der Kunst jene Garde versammelt, die mit Gemälden wie Jan Brueghels „Blumenstillleben“, mit einer Schreibkommode des deutschen Star-Ebenisten Abraham Roentgen von 1750 oder mit einer Diana-Statuette des Wiener-Werkstätte-Künstlers Dagobert Peche längst nicht nur eine deutsche Sammlerschaft anspricht.

Große weite Welt an der Isar

Man spürt im Haus der Kunst einen Hauch der TEFAF Maastricht, der bedeutendsten Kunstmesse der Welt. Und das liegt auch an Ausstellern wie Steinitz aus Paris, der die Eleganz exquisiter Einrichtungen des 18. und 19. Jahrhunderts an die Isar bringt, oder der Galerie Bienenstein aus Wien, die mit einer Khmer-Figur aus Ankor Wat (12. Jahrhundert) Asiatika von höchstem musealen Anspruch offeriert.
Alpenchic und Bugattidesign treffen letztlich bei der „Kunst & Antiquitäten München“ auf dem Nockherberg zusammen. Tölzer Bauernschränke und Kröninger Keramik gehören ebenso zum Angebot dieser Messe, die wegen ihrer Mischung aus Hochkarätigem und Liebhaberstück geschätzt wird, wie Mainzer Kommoden von 1750 oder japanische Holzschnitte von Hiroshige.
Ein Glanzlicht auf dem Nockherberg ist diesmal die Sonderschau „Landschaften der Seele“ der Galerie Fichter mit 35 ausgewählten Gemälden des 19. Jahrhunderts. Darunter das bestechende „Selbstbildnis an der Staffelei“ von Felix Schadow sowie die atmosphärische „Arktische Landschaft“ von Richard Friese, die 1911 während einer Nordmeerexpedition entstanden ist.
Kontrastprogramm zu den Antiquitätenmessen ist zweifellos die zweite „Munich Contempo“ im Postpalast. Zu ihren Mitinitiatoren gehörte 2010 der Berliner Galerist Michael Schultz. Er zeigt Werke von Norbert Bisky und der Koreanerin SEO. Junge, frische Positionen versprechen die 50 Aussteller – darunter international renommierte Galerien wie Leo Koenig aus New York oder die White Space Gallery aus Seoul. Was für ein vielversprechender Kunstherbst.
(Sabine Spindler)


"Munich Contempo" im Postpalast, bis 23. Oktober.

56. Kunstmesse München im Postpalast, bis 30. Oktober.

Highlights im Haus der Kunst, bis 30. Oktober.


85. Kunst & Antiquitäten München im Paulaner am Nockherberg, bis 30. Oktober.

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