Kultur

Der frisch restaurierte Kleinen Galawagen von König Ludwig II. (Foto: BSV)

19.05.2017

Der Galawagen glänzt wieder

Die gut zwei Tonnen schwere „Nobelkarosse“ von Ludwig II. wurde mithilfe der Meitinger-Stiftung restauriert

Es gibt zahlreiche Stiftungen, die ihr Engagement nicht an die große Glocke hängen, dafür umso effektiver Gutes tun. Eine dieser Institutionen ist die im Jahr 2000 gegründete Meitinger-Stiftung. Satzungsgemäß ist ihr Zweck die „Förderung von Kunst und Kultur in Bayern, unter besonderer Berücksichtigung der Denkmalpflege“ – ein Zusatz, der dem jahrzehntelangen Wirken des Stifters Otto Meitinger in diesem Bereich geschuldet ist.
Der 1927 geborene Münchner (sein Vater war Stadtbaurat) übernahm nach seinem Architekturstudium 1953 die Leitung des Wiederaufbaus der Münchner Residenz. Mit zu den Höhepunkten seiner Tätigkeiten zählt die Rettung des Cuvilliés-Theaters. Zehn Jahre später wechselte er als Leiter der Bauabteilung zur Max-Planck-Gesellschaft und verantwortete neben 60 großen Neubauten auch den Umbau des Palazzo Zuccari in Rom, von Schloss Laxenburg bei Wien und Schloss Ringberg am Tegernsee.


1976 wurde Meitinger auf den Lehrstuhl für Entwerfen und Denkmalpflege der TU München berufen; von 1987 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1995 war er deren Präsident. Er verantwortete auch weiterhin (Um-)Bauprojekte wie die Kaulbach-Villa in München, Villa Hammerschmidt in Bonn oder Schloss Bellevue in Berlin.

Mit seiner Frau Erika (Zahnärztin) und seiner Schwester Charlotte (Kinderärztin) – beide sind 2012 verstorben – hat der ehemalige TU-Präsident die Meitinger-Stiftung ins Leben gerufen. Den Stiftungszweck verwirklicht diese besonders durch die Finanzierung beziehungsweise Bezuschussung von Restaurierungsarbeiten an Baudenkmälern in Bayern sowie wissenschaftlicher Studien auf dem Gebiet der Denkmalpflege und nicht zuletzt durch die Verleihung eines Meitinger-Preises. Das Stiftungsvermögen betrug bei der Errichtung 250 000 DM.

Nachdem Stiftungen ihre Zwecke ausschließlich aus den Erträgen des Vermögens erfüllen können, wurden zunächst nur kleinere Projekte realisiert, wobei die Familie Meitinger die Mittel der Stiftung immer wieder durch großzügige Spenden aufstockte. Dazu zählten etwa die Restaurierungen des Fassadenbildes mit der Kreuzigungsgruppe am Isartor in München, einer der 16 Kreuzwegstationen zur Wallfahrtskirche Aufhausen am Starnberger See und des Bühnenmodells des Cuvilliés-Theaters.

Nach dem Tod von Charlotte Meitinger ergaben sich für die Stiftung weitere Möglichkeiten: Sie hatte die Stiftung testamentarisch zu ihrer alleinigen Erbin eingesetzt. So ist die Stiftung trotz der für das Stiftungswesen so schwierigen Lage durch die „Null-Zinspolitik“ in der Lage, auch gewichtigere Projekte zu stemmen, etwa den Hochaltar der Kirche St. Georg in Bichl bei Benediktbeuern, einem Kleinod im Pfaffenwinkel.

Gerade rechtzeitig zum 90. Geburtstag von Otto Meitinger am 8. Mai konnten die Maßnahmen für das bislang größte Restaurierungsprojekt abgeschlossen werden, das die Stiftung unterstützt hat: Der „Kleine Galawagen“ König Ludwigs II. erstrahlt in neuem Glanz.

In den Jahren 1878 und 1879 war der „neue blaue Prachtschlitten“ im Stil des Neo-Rokoko vom Königlichen Hofwagenfabrikanten Johann Michael Mayer gefertigt worden. Die Entwürfe für den Luxus-Schlitten hatte Hoftheaterdirektor Franz Seitz geliefert; die Bildhauerarbeiten übernahm Syrius Eberle und die Gemälde stammen von Rudolf Seitz, August Holmberger und Heinrich Pechmann. Zusammen mit den Geschirren und dem Wagengestell hatte das Gefährt, das sechsspännig gefahren wurde, ein Vermögen gekostet.

Dabei handelt es sich um das einzige erhaltene Multifunktionsfahrzeug des Münchner Hofs, der stets Kutschen mit Ersatz-Schlittenkufen für den Winter besaß.

Trotz der prunkvollen Ausführung mit seinem detailreichen figürlichen Schnitzwerk war der Wagen voll funktionsfähig. Mit ihm unternahm der König viele seiner legendären Ausflüge rund um Linderhof und Hohenschwangau – und das zu jeder Jahres- und Tageszeit. Für die Nachtfahrten befand sich im Sitzkasten seinerzeit eine Batterie, mit der die Laternen beleuchtet werden konnten.

Nach dem Tod des Königs 1886 brachte man seine Fahrzeuge in die Wagenburg der Münchner Residenz. Der „Kleine Galawagen“ kam 1920 als Leihgabe ins Deutsche Museum. Seit 1984 steht er im Marstallmuseum Schloss Nymphenburg. Allerdings nagte der Zahn der Zeit an dem „Nobel-Schlitten“. Über 450 Arbeitsstunden benötigten die Restauratoren, allein um die Goldfassung sowie die vergoldeten Bronzen der etwa zwei Tonnen schweren Prunkkutsche zu reinigen, zu konservieren und im Bedarfsfall zu retuschieren. Als Letztes stand die Restaurierung des Schlittengestells auf dem Programm. (Cornelia Oelwein)

Information: Marstallmuseum, Schloss Nymphenburg 208, 80638 München. Täglich 10-16 Uhr.
www.schloss-nymphenburg.de

 

 

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