Kultur

Manchmal denkt man an Szenen von Loriot, dann kommen einem die Gespräche zwischen den Eheleuten (Dorina Pascu, Konrad Adams) wie reinstes Dada vor. (Foto: Torturmtheater)

10.04.2015

Diabolische Dialoge

In Sommerhausen feiert "Sag nix" von Fitzgerald Kusz eine glänzende Uraufführung

Das sind so die Fragen: „Liebst Du mich?“ – „Was denkst Du gerade?“ Wer da nicht sofort die richtige Antwort parat hat, kann schnell in Teufels Küche geraten. Fitzgerald Kusz hat in seinem jüngsten Stück Sag nix, das am Torturmtheater Sommerhausen uraufgeführt wird, allerlei Streitstrudel angerührt, die sich so im Alltag ergeben können.
Szene für Szene entwickelt Kusz kunstvoll Paardebatten: Manche nur ein paar Sätze lang, manche in regelrecht absurde sprachliche Schleudertraumata mündend, immer diabolisch-dialogisch der Hitliste der zehn schönsten Missverständnisse entlang, die sich zwischen Mann und Frau so zu ergeben pflegen.
Dieses Mann-Frau-Ding kann, ausgepresst genug auf den Bühnen dieser Welt, schnell abgewohnt wirken. Nicht so aber bei Kusz und seinen wunderbar irisierenden Sprachkunstwelten. Denn ihm geht es kaum um das schenkelklopfende Wiedererkennen häuslichen Unfriedens, sondern er präpariert das Unvermögen der Sprache heraus, in Fragen der Emotion Exaktheit zu erreichen. Das ist oft witzig und unterhaltsam, hat aber auch einen Unterstrom voll Melancholie. Und weil Kusz sehr wohl exakt sein kann und die Dinge auf den Punkt eindampft, sind seine Szenen, die keine fortlaufende Geschichte erzählen, sondern die Nadelstichvarianten des Zusammenseins in seiner post-romantischen Phase erörtern, hoch artifiziell, Lyrik in Dialogform.
Szenen zwischen Loriot und Dada: für Schauspieler durchaus eine Herausforderung. Schön, dass bei der Uraufführungs-Inszenierung in Sommerhausen Dorina Pascu und Konrad Adams so ganz in dieses Textkleid passen. Sie schaffen es, die Dialogbausteine mit souveräner Mühelosigkeit präzise zu präsentieren, treffen konsequent den Ton, sind immer drin und dabei, ohne jemals grell zu sein oder zu überzeichnen. Beide sind sehenswerte Darsteller von Beginn an, wo ein ABC der Kosewörter schnell abgleitet, durch Schweigeduelle hindurch bis zur Beschimpfungskanonade am End’.
Dafür, dass das so gut passt, hat die Regie von Oliver Zimmer gesorgt, die kaum Requisiten braucht, in und zwischen die Szenen viel Luft bringt. Zimmer fügt dem Textgeflecht den nötigen Sinnlichkeitszusammenhang hinzu und lässt die Spieler mit einer dünnen Schnur ein weiteres Beziehungsgeflecht auf der Bühne knüpfen, das ihre Wege immer mehr einengt. Handwerklich ist das alles so überzeugend gemacht, dass es einen guten Text gut glänzen lässt. (Christian Muggenthaler)

Weitere Aufführungen bis 30. Mai. www.torturmtheater.de

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