Kultur

Die Liebenden, mit wenigen Linien von Konrad Schmid in einem Farbholzschnitt umrissen. (Foto: Katalog)

17.08.2012

Die göttliche Liebe auf Erden

Künstler interpretieren das "Hohelied der Liebe"

Das Hohelied Salomos ist eines der ältesten Liebesgedichte der Menschheit: in 117 poetischen Versen geht es um den innigen, auch erotischen Dialog zwischen zwei Liebenden. In dem Text, wohl aus der persisch-hellenistischen Zeit zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr. ist aus mehreren Liebesliedern zusammengefügt. In ihm zeigt sich eine emotional verdichtete, zeitlos schwebende Poesie. Wie dieses epische Liebesgedicht, in dem das Wort Gott nicht ein einziges Mal vorkommt, Eingang in das Alte Testament gefunden hat, ist nicht geklärt.
Künstler und Schriftsteller ließen sich immer wieder davon inspirieren. Die Künstlerseelsorge in der Diözese Passau veranstaltet anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens in Kooperation mit der italiensichen Künstlervereinigung „Le Stelle“ in Brescia IT und den Europäischen Wochen Passau die Ausstellung Das Hohelied der Liebe – Cantico dei Cantici.
Je 15 Künstler aus Deutschland und Italien setzen sich in ihren Bildern und Objekten mit dem auseinander, was die Welt seit Anbeginn zusammenhält. Das Hohelied beschwört die Liebe, die die Menschen miteinander verbindet und sie auf höchst irdische Weise das „Große“ erfahren lässt, „das Gott denen bereitet, die ihn lieben“. Der italienisch-deutsche Katalog präsentiert eine bibeltheologische Einführung und eine neue Übersetzung des Hohenlieds von Ludger Schwienhorst-Schönberger.
In den 1950/60er Jahren hat Marc Chagall in fünf vom Hohenlied inspirierten Gemälden versucht, den Dialog zwischen zwei Liebenden in Bilder umzusetzen. Abstrahierende und symbolistische Bildsprache ist ein Weg, der häufig beschritten wird, um Dinge auszudrücken, die sich dem Verstehen entziehen. Sandro Sardelle belässt die literarische Vorlage in seiner Skulptur als verschlossenes, eisernes Buch vor kaltem Marmor, während Peter Weidl die Liebe auf ein allgemein verständliches Bild-Zeichen reduziert.
Unmittelbar am Text bleibt David Bennet mit einem orientalisch anmutenden, ornamentalen Paar, während Konrad Schmid mit seiner bekannt reduzierten Liniensprache einen schlichten, klaren Farbholzschnitt geschaffen hat. Ebenfalls sehr konkret bleiben die Fotografien von Giacomo Nuzzo und Rudolf Klaffenböck, der sinnliche Materialien wie Rosshaar und Jute mit einem Zimmerschlüssel zusammenbringt – eine klare Sache.Berührende Bildfindungen
Ramon Müller-Hamleh hat roten Mainstein in ein verblüffend samtweich erscheinendes Kissen verwandelt, in das eine vergoldete Eisenkugel eingesenkt ist und von Philipp Schönborn stammt eine Arbeit, bestehend aus sechs Cibachromen im Leuchtkasten, die zu einem Kreuz angeordnet sind, ein Bild der Transzendenz.
Das „Bebildern“ eines Textes muss nicht zwangsläufig in unschlüssiger Abstraktion oder in Symbolismen münden. Dass Bildfindungen möglich sind, die über die Illustration eines Textes hinausgehen und berühren, das zeigt diese Ausstellung auch. (Ines Kohl)

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