Kultur

Drei Schauspieler reichen, um dem Publikum die krude Welt des König Ubu vorzuführen: Markus Fisher als König, Ulrike Reinhold (links) als seine Mutter und Dorothée Höhn als Bürger Bougrelas. (Foto: Theaterprojekt)

27.06.2014

Die Krone aufgesetzt

Das selten gespielte "König Ubu" begeistert im Gostner Hoftheater

Bei der Pariser Uraufführung 1896 löste die groteske Komödie einen Skandal aus, geriet danach – wie ihr Autor – in der Theatergeschichte eher in Vergessenheit und wird bis heute selten gespielt. Dabei ist der König Ubu des französischen Dramatikers Alfred Jarry (1873 bis 1907) eine Ikone des modernen Theaters, gilt als Vorläufer des Dadaismus wie des Surrealismus, aber auch des Absurden Theaters eines Samuel Beckett oder Antonin Artauds „Theater der Grausamkeit“.
Jetzt wagte sich die freie Nürnberger Theatertruppe „Das Theaterprojekt“, die sich für Bühnen-Raritäten stark macht (zum Beispiel führte sie Bruder Eichmann auf) im Gostner Hoftheater Nürnberg an den legendären Ubu Roi. Schon zu seiner Entstehungszeit wurden die ausufernden 40 Rollen des König Ubu von wenigen Schauspielern auf die Bühne gestellt – folgerichtig kommt auch Nikolaus Strucks Inszenierung auf der engen Bühne des Hinterhoftheaters mit drei Schauspielern aus (Markus Fisher, Ulrike Reinhold, Dorothée Höhn).
Sie führen vor, wie man mit einfachsten Mitteln hinreißendes Theater machen kann, das in den Köpfen begeisterter Zuschauer zu einem „Theater der Phantasie“ wird. Dafür genügen zwei Stühle und ein roter Vorhang, ein paar verrückte Masken und eine Krone aus Pappe – das langt für die monströse Welt des König Ubu.
Alfred Jarrys Persiflage auf die mythische Macht von Monarchen, auf die Bestialitäten und Brutalitäten der Herrschenden, auf die Eitelkeiten und niederen Instinkte bourgeoiser Kleinbürger werden zu einem in allen Farben schillernden Bühnenbilderbogen, dem die Schauspieler gestisch und mimisch, grimassierend und karikierend die Krone aufsetzen. Bis hin zu den schrecklichen Bildern des Schlachtfelds, wo die Toten mit ein paar blutig gefärbten Tüchern die Grauen des Krieges ebenso eindrucksvoll wie sinnfällig symbolisch illustriert werden. Da kippt das märchenhafte Puppenspiel in die komische Tragödie um, die sich beim Publikum viel Beifall einheimst.
(Fridrich J. Bröder)

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