Kultur

Das neue Team der Lach & Schieß: Caroline Ebner, Sebastian Rüger, Frank Smilgies und Norbert Bürger. (Foto: Lach- & Schießgesellschaft)

21.10.2015

Die Lach & Schieß ist wieder wer

Das neue Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft

Das wäre ja noch schöner gewesen: Seit Monaten arbeitet die Münchner Lach- und Schießgesellschaft auf ein neues Ensemble hin, und dann macht das Brettl in Schwabing zu, weil die Pacht zu teuer ist ! Aber alles wird gut: von der Stadt-CSU bis zum Kollegen Pelzig setzt sich alles für den „Heiligen Ort“ des Kabaretts in der Ursulastraße ein, und das Ensemble liegt schon in den letzten Proben für: „Wir sind wieder wer“. Caroline Ebner, 16 Jahre lang an den Münchner Kammerspielen, Norbert Bürger, Komponist, Arrangeur und Frontman der „Pretty Boys“, Sebastian Rieger und Franz Smilgies, besser bekannt unter ihren wärmenden Wollmützen als „Ulan & Bator“. Sie sind die Nachfolger von Drechsel, Hildebrandt, Schreier, Noack und 17 anderen Kabarettisten, die immer wieder neue Lach- & Schieß-Teams bildeten – darunter auch Bruno Jonas, Henning Venske oder Andreas Rebers.

Zuerst spielte man für Freibier und warmes Essen, hieß noch „Alte Laterne“, dann „Die Namenlosen“ bis Oliver Hassencamp 1956 der Name „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ einfiel – drei Männer, eine Frau, und auch Caroline Ebert sagt heute: „Fühlt sich ganz nett an mit drei Jungs !“ Die „Jungs“ haben sie zum Interview mit der BSZ vorgeschickt, und sie weiß natürlich noch genau, wie es zum neuen Ensemble kam: „Das war vor zwei Jahren beim Passauer Scharfrichterpreis. Da bekamen Ulan & Bator einen Zettel: Wollt ihr das neue Ensemble zusammenstellen ?“ Wollten sie offenbar, haben ein Jahr später Caroline angerufen, die ohnehin mit dem Theaterspielen pausieren und eine Schriftsteller-/Sprecherkarriere beim BR anschieben wollte. Norbert Bürger und sein satirisch-schauspielerisches, besonders musikalisches Talent kannten sie ohnehin: „Da war die neue L & S geboren.“

"Wir haben aber kaum gestritten"

So einfach aber nun auch wieder nicht, denn die Proben dauerten doch ziemlich lange mit den vielen Kilometern zwischen Köln, Berlin und Freising, Texte mussten geschrieben werden. Aber sympathisch habe man sich von Anfang an gefunden: auch wenn das nicht so einfach ist zu viert, wo jeder seine Meinung sagen können muss – „wir haben aber kaum gestritten, es gibt keine Hierarchie, sondern wir waren uns einig: jeder macht das, was er am besten kann.“ Und macht auch weiterhin nicht nur L & S, sondern geht weiter solo auf Tournee oder ins Rundfunkstudio – Caroline Ebner mit ihren Kindergeschichten beim BR und SWR. Aber wenn sie in München sind, schreiben sie alle Texte, machen sie alle Musik und in der Band mit. Dabei sind die großen Vorbilder von einst nicht hinderlich: „Es ist eine Wahnsinnsehre“, sagt Ebner, „ich habe schon als Kind die Programme gesehen. Wir wollen einen großen Handschlag versuchen zur alten L & S, aber auch neue Wege ausprobieren, eigene Wege.“ Will sagen: „Wir spielen kein durchgehendes Stück, sondern eher Textcollagen zu den Themen, die gerade interessieren.“ Natürlich zu Europa, den Flüchtlingen, zum Reisebüro mit den Gesellschaftsreisen in Krisengebiete und zum Selbstbewusstsein der Deutschen innerhalb der Globalisierung.

Auf die Premiere fokusiert

„Wir sind wieder wer“, bezieht sich nicht nur auf die neue Lach & Schieß, sondern auf die ganze bundesdeutsche Gesellschaft: Identitätssuche, auch im privaten Bereich. Mit solchen prosaischen Fragen wie: „Wo sehen Sie die Zukunftsaussichten für Ihr Kabarett, wie viel Zeit geben Sie sich, bis der Erfolg da sein muss ?“, wird Caroline Ebner kalt erwischt: „Darüber haben wir nie gesprochen. Wir sind ganz fokussiert auf die Premiere, spielen bis Januar en suite.“ Was die neue vielleicht von der alten L & S unterscheidet: „Wir haben im Team keine festgelegten Rollen“, wie früher mal Hans Jürgen Diedrich als das kleine Dummerl, „wir haben Spaß dran, immer wieder in neue Rollen zu schlüpfen – was eben gebraucht wird. Ich spiele auch Männer.“ Auf das Kabarett mit dem berühmten Namen hat natürlich nicht nur München Lust. Aber noch stehen die Tournee-Termine ab April 2016 nicht fest. L & S spielt im neuen Programm zwar eine Szene zum Gesetz über die Abwanderung von deutschem Kulturgut, aber das Abwandern in die Provinz ist noch nicht besprochen. „Passau“, fällt Caroline Ebner da als erstes ein – wo alles angefangen hat. (Uwe Mitsching)

 (Premiere am 27. 10., weitere Vorstellungen bis 31. 10.; Karten-Tel. 089/39 19 97)

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