Kultur

In dieser 1520 erschienenen Schrift streitet Luther erstmals die Zahl sieben für die Sakramente ab. (Foto: Bayerische Staatsbibliothek/bavarikon)

17.03.2017

Die Reformation als Medienereignis

Das Kulturportal bavarikon hat eine virtuelle Ausstellung zu Luther in Bayern arrangiert

Luther hätte dieses Internet-Projekt sicher gefallen – schließlich wusste er selbst nur zu gut, wie nützlich ein Massenmedium ist, wenn man mit seinen Ideen viele Menschen in relativ kurzer Zeit erreichen will. Damals war es der Buchdruck mit beweglichen Lettern, der die Reformation auch zu einem Medienereignis werden ließ. 500 Jahre später macht sich das Kulturportal bavarikon das Internet für eine große Schau über die Reformation zunutze – ein Pilotprojekt.

Die Ausstellung Martin Luther und die frühe Reformation in Bayern ist ausschließlich im Internet und damit nur im virtuellen Raum sichtbar. Das Projekt konzipiert und koordiniert haben die Bayerische Staatsbibliothek, das Haus der bayerischen Geschichte und die Staatlichen Archive Bayerns. Für die Ausstellung haben sie mehr als 120 kulturelle Schätze aus Archiven, Bibliotheken, Museen und aus dem Bestand einiger Pfarrämter zusammengetragen; insgesamt sind 21 Einrichtungen beteiligt.

Zu sehen gibt es viele bedeutende Druckschriften, darunter handkolorierte Luther-Bibeln und Erstdrucke des Wittenberger Reformators, aber auch Gemälde aus der Werkstatt von Lukas Cranach, satirische Flugblätter und den Regensburger Reformationsaltar von Michael Ostendorfer.

Besondere Höhepunkte sind 26 Original-Handschriften Luthers und eine 3D-Präsentation seiner Wohnstube auf der Veste Coburg. Dort hatte er sich im Jahr 1530 ein knappes halbes Jahr aufgehalten.

Alle Objekte sind in hervorragender, hochauflösender digitaler Qualität im Netz zu studieren.

Thematisch geht es darum, die frühe Reformation im heutigen Bayern bis etwa 1530 möglichst breit darzustellen. So kommen alle Landesteile zu ihrem Recht: Neun Persönlichkeiten und zwölf Orte und historische Territorien Altbayerns, Frankens und Schwabens werden in der Schau präsentiert. Man begegnet zentralen Persönlichkeiten: Natürlich Martin Luther selbst, auch dem Nürnberger Reformator Andreas Osiander und dem Memminger Theologen Christoph Schappeler. Auch Gegner wie Johannes Eck von der Universität Ingolstadt und Sympathisanten, wie der heute weitgehend unbekannte Augsburger Benediktinermönch Veit Bild, haben ihren Platz in der Ausstellung.

Unter den Orten sind Augsburg, Coburg und Nürnberg als bedeutendste Stätten der Reformation im heutigen Bayern hervorzuheben. München steht exemplarisch für das Herzogtum Bayern als Hort der Reformationsgegner. Mit Lindau und Memmingen werden schwäbische Reichsstädte herausgegriffen, in denen sich die Reformation schon recht früh durchsetzen konnte. Auch die Oberpfalz ist mit Amberg und Regensburg vertreten.

Zwei Exponate der virtuellen Ausstellung sollen hier näher vorgestellt werden. Zum einen geht es um eines der theologischen Hauptwerke Luthers, die 1520 erschienene Schrift De captivitate babylonica ecclesiae (Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche). Ihr Titel spielt auf das 6. Jahrhundert v. Chr. an, als babylonische Eroberer Teile der Bevölkerung Judäas ins Exil nach Babylon vertrieben.

Fundamentales Luther-Werk

Mit diesem Werk hatte Luther einen ungeheuren publizistischen Erfolg. In der Ausstellung ist der Wittenberger Erstdruck aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek zu sehen. Luther streitet darin erstmalig die Existenz von sieben Sakramenten ab – er erkennt nur die Buße, die Taufe und das Abendmahl an. Firmung, Ehe, Weihe und letzte Ölung lehnt er dagegen ab. Sakramente seien ausschließlich von Gott selbst gestiftete Zeichen. Am Ende der Schrift lässt er dann sogar nur mehr die Taufe und das Abendmahl gelten. Luther brachte mit dieser Schrift seine fundamentale Kritik an der Amtskirche zum Ausdruck.

Das zweite Objekt ist der sogenannte Hedwigsbecher aus dem 12. Jahrhundert, den die Kunstsammlungen der Veste Coburg verwahrt. Dabei handelt es sich um ein verziertes Glas, das entweder im Nahen Osten oder auf Sizilien entstanden ist. Nur 13 weitere Gläser dieser Machart sind heute bekannt. Das Stück befand sich in der Reliquiensammlung des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen (1486 bis 1525). Nach Auflösung dieser Sammlung besaß Martin Luther den Becher – er benutzte ihn wohl als Trinkgefäß. Wahrscheinlich hatte Friedrich der Weise das Glas Luther zum Geschenk gemacht. (Matthias Bader)

Information: Die virtuelle Ausstellung „Martin Luther und die frühe Reformation in Bayern“ unter www.bavarikon.de/luther

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