Kultur

Daniel Fiolka überzeugt in Gesang und Darstellung als Franz von Schober. (Foto: Falk von Traubenberg)

22.02.2013

Ein Hauch Schauerromantik

„Des Teufels Lustschloss“: Es fehlt der Sinnzusammenhang

Warum gibt man im Verdi-Jahr die Traviata am Mainfranken Theater Würzburg nur konzertant – dafür aber eine völlig unbekannte und erst 1978 aufgeführte, weil bühnenferne Oper von Franz Schubert mit großem Aufwand? Diese Frage stellt sich nach dem Buhsturm zur Premiere von Des Teufels Lustschloss.
An der Musik lag es nicht. Enrico Calesso am Pult der Philharmoniker entlockte dem Orchester viele interessante Klangeffekte; auch sängerisch war wenig auszusetzen. Es lag am Regiekonzept von Peter P. Pachl mit der überbordenden, oft sinnlos illustrierenden Bilderflut des Ausstatters Robert Pflanz.
Da traten Schwellköpfe oder ein Orang-Utan, auch eine Zunge auf, Jahrmarkts-Kulissen fuhren unablässig rauf und runter, der Wilde Westen wurde zitiert, ein Kasperle-Theater lief ab, makabre Schwarze-Messen-Orgien schienen nicht fern, schillernde bunte Kostüme leuchteten, dazwischen schob sich aber immer wieder die Tristesse einer gewalttätigen Pflege im Krankenhaus.
Ein Sinnzusammenhang fehlte. Der sollte dadurch hergestellt werden, dass der zwanghaft komponierende Franz Schubert und sein Freund Franz von Schober immer wieder in die Opernrollen von Ritter Oswald und seinem Schildknappen schlüpften, dass die keusche Luitgarde einerseits treue Gattin, andererseits eine Schlangen-Verführerin war.
Mit dem anwesenden, aber kranken Komponisten sollte die ansonsten recht abstruse Textvorlage von Kotzebue kompensiert werden, denn deren Handlungskern ist einigermaßen seltsam: Ein junger Held, Oswald, unterwirft sich den grässlichsten Prüfungen, um sich der Ehe würdig zu erweisen.
Die ständig wechselnden, rein assoziativ aneinander gereihten Bilder langweilten vor allem im zweiten Teil gewaltig. Da hätte eine Kürzung gut getan, zumal sich auch Schuberts musikalische Einfälle ein wenig wiederholten. Immerhin war der Komponist erst 16, als er diese Oper schrieb. In ihr verbinden sich Vorbilder der Klassik, Anklänge an die italienische Oper, aber auch Romantisches bei schmelzender Melodik in den Duetten sowie ein Hauch Schauerromantik.
Erik Fenton als Schubert sang mit hellem Tenor häufig recht angespannt. Darstellerisch wie sängerisch war Daniel Fiolka als Freund Schober äußerst überzeugend. Als eine Art Engel, aber auch als Schlange sollte Luitgarde erscheinen; Silke Evers entsprach mit ihrem klaren, in den sicheren Höhen glänzenden Sopran mehr der ersten Aufgabe. Als resolute Krankenschwester trat Anna Nesyba mit kräftiger Stimme voll Elan auf. Karen Leiber imponierte als geheimnisvolle Tödin und elegante Amazone im Karnevalskostüm auch durch ihren großen Sopran.
Viel Beifall für die Musik, Buhs für die Realisierung.
(Renate Freyeisen)

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