Kultur

Thedor G. Sellner gestaltet nicht einfach mit dem Material Glas – wie bei dieser unbetitelten Installation (2012) reizt ihn das Crossover, improvisiert er mit verschiedenen Materialien und Techniken. (Foto: Katalog)

01.03.2013

Ein Quantum mehr

Das Glasmuseum Frauenau zeigt Theodor G. Sellner

Wenn es um Kunst mit dem Medium Glas geht, kommt man an dem Zwieseler Theodor G. Sellner kaum vorbei. Jetzt ist ihm eine Retrospektive im Glasmuseum Frauenau gewidmet. Und dabei zeigt sich, dass Sellner inzwischen weit von dem entfernt ist, was man einst „Studioglasbewegung“ nannte, mit der sein Name eng verbunden ist. Und auch das gern gebrauchte Diktum des „Glaskünstlers“ trifft bei weitem nicht den Inhalt seiner Arbeit.
Denn Sellner geht viel weiter, verbindet verschieden Materialien mit dem Werkstoff Glas, malt und zeichnet vor, auf, mit und hinter Glas – und er gibt seinen Objekten seine Sicht der Dinge mit: seinen Humanismus, seine Friedensliebe.
Sellner benutzt Glas wie der Jazzmusiker sein Instrument: Er beherrscht das Handwerk so vollkommen, dass er während seines Tuns mühelos improvisieren kann. Wie bei der Melodieführung des Musikers geht es bei der Behandlung von Glas um schnelle, intuitive Entscheidungen, die in der Selbstsicherheit des Könners gründen.

Scherbenhaufen

Sellner hat sich seit seiner Zeit an der Fachschule für Glas in Zwiesel und seiner Arbeit am Hüttenofen permanent neue Techniken angeeignet, seine Neugierde befriedigt und dem Prinzip „try and error“/Versuch und Irrtum“ gehuldigt. Da konnte es geschehen, dass er „ein Jahr nur Scherben produziert hat“, wie er sagt. Aber heute stehen seine Objekte in einer Souveränität im lichtdurchfluteten Ausstellungsraum in Frauenau, die auf all diesen Erfahrungen standsicher gründet.
„Immer mehrere Techniken nebeneinander, immer an die Grenzen des Möglichen“: Das ist das handwerkliche Credo Sellners. Er fußt zwar auf der regionalen Tradition, geht aber konsequent weiter auf der steten Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, nach „dem Quäntchen mehr“. Und so produziert er vielschichtige Objekte, wie sie jetzt in Frauenau versammelt sind: Mischformen, die um das Material Glas kreisen, es kreativ überzeichnen und überhöhen – zum Beispiel mit enorm ausdrucksstarken Pâte de verre-Köpfen hinter Glas und zusammen mit anderen Materialien als statuarische Denkmäler.
Sellner bildet Reihen wie seine Friedenswächter als Antwort auf die alte chinesische Terracotta-Armee. Zu den neuesten, besonders leichten und eleganten Arbeiten, in denen sich die immer wieder ändernden Lichtsituationen eines Tages abbilden, gehören seine Hyperboreer, jene legendären friedliebenden Gestalten aus der altgriechischen Mythologie, die jenseits des Nordwinds wohnen und ohne Kriege und Zwist auskommen: Es sei ihm, sagt Sellner, um eine Gegenposition gegangen zu den vielen militärischen Denkmälern im Lande. Seine Standbilder sind Denkmäler der Utopie. (Christian Muggenthaler)

Bis 5. Mai. Glasmuseum, Am Museumspark 1, 94258 Frauenau. Mo. bis Fr. 9 – 17 Uhr, Sa./So./Feiertag 10 – 16 Uhr. www.glasmuseum-frauenau.de

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