Kultur

Raumaufnahmen zerlegt Katharina Gaenssler und arrangiert sie collagenartig neu – wie bei dieser Installation in den Ausstellungsräumen der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst in München. (Foto: Holzherr)

26.11.2010

Ein unendlicher Kosmos der Bilder

Fotoinstallationen von Katharina Gaenssler in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst

Es „gaensslert“ im Jahr 2010 allenthalben in und um München: in der Neuen Galerie Dachau, im Diözesanmuseum und in der Domkrypta Freising und nun in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst (DG). Doch das ist nichts Neues, sondern schon seit sieben Jahren so: im Hotel Mariandl, in der Akademie der Bildenden Künste, im Stadtmuseum, in der Kunsthalle an der Lothringerstraße, im Lenbachhaus und in diversen Privatgalerien. Die Fotografin Katharina Gaenssler, die zunächst den Weg einer Silberschmiedin eingeschlagen hatte, erkämpfte sich in dieser kurzen Zeit einen herausragenden Platz in der großen Schar der Fotokünstler Münchens.
Wie konnte das gelingen? Durch die Idee (in der sich die Architekten-Tochter zeigt), Räume vorübergehend durch collageartige Bildtapeten zu verzaubern. Diese Fotoinstallationen setzen sich mit sichtbaren Brüchen und Kanten aus Tausenden von Farblaserdrucken zusammen, welche die abgebildeten Objekte immer wieder in anderen Details, Blickwinkeln und Lichtsituationen beziehungsweise Stimmungen wiedergeben. So entstehen wandfüllend kubo-futuristische Bilder, die dennoch in sich geschlossen erscheinen und zum langen Betrachten anregen.


Fernwirkung


Die Entstehung eines solchen Werks erfordert eine längere Vorlaufzeit. So fertigte Gaenssler für die DG-Ausstellung über 5500 Detailaufnahmen vom Innern des rekonstruierten „Merzbaus“, einer ab 1923 als „work in progress“ entstandenen, aber 1943 zerstörten konstruktivistisch-dadaistischen Raumskulptur Kurt Schwitters im Sprengel Museum Hannover. Davon wurde eine Auswahl von knapp 3300 Fotos verwendet. Die (zum Teil nachbearbeiteten) Farblaserdrucke davon leimte die Künstlerin Blatt für Blatt selbst an die Wände. Dazu musste sie wie einst die Mosaizisten aufs Gerüst steigen und konnte erst nach dessen Entfernung die Gesamtwirkung ihres Werks überblicken.
Da es sich bei diesen Werken um einen endlichen Bildkosmos handelt, werden sie auf zweierlei Weise für die Nachwelt dokumentiert: durch eine fotografische Gesamtaufnahme nach Fertigstellung, und durch das Zusammenbinden der Einzelaufnahmen zu mehrbändigen Büchern. Zudem wird der Ausstellungsabbau in Fotos festgehalten, Fragmente als „Décollagen“ gerahmt. Diesen Sequenzen gemäß gliedert sich die Ausstellung mit dem treffenden Titel Ephemer („flüchtig“, „nur für kurze Zeit“) und gipfelt in der einmaligen Fotoinstallation. (Lothar Altmann)

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