Kultur

Mit dem 1914 entstandenen Aquarell Hamammet fand Paul Klee zur Farbe. Aus dem einstigen Grafiker, wie er sich selber nannte, ist ein Maler geworden. (Foto: Privatbesitz)

27.03.2015

Eins sein mit der Farbe

Kabinettausstellungen in Murnau entführen in die Phantasiewelt des Paul Klee und zeigen den Maler als Lehrer

Der Schweizer Paul Klee nahm sich selbst lange Zeit nicht als Maler wahr. Auch wenn sich der 1879 geborene Sohn eines Musiklehrers schon 1897 entschloss, nicht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten – er wollte einfach Künstler werden. In München nahm er Zeichenunterricht bei Heinrich Knirr und studierte später unter Anleitung Franz von Stucks. 1903 begann Klee eine Reihe von Radierungen, die er Opus I nannte.

Er lebte sehr zurückgezogen
in Bern und München


Recht spröde sah auch sein Künstlerleben aus, das so gar nichts mit der Bohème zu tun hatte: Er lebte sehr zurückgezogen sowohl in Bern als auch in München; dort in der Ainmiller-Straße sogar Tür an Tür mit Wassily Kandinsky – ohne erst einmal zu ahnen, welches künstlerische Potential sich in der Nachbarschaft konzentrierte. Den Lebensunterhalt für die Familie verdiente seine Frau Lily Stumpf, während Klee am Küchentisch malte und gleichzeitig seinem Sohn Felix ein guter Vater war.
Paul Klee wäre nie zu einem der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts geworden, hätte ihn nicht sein Freund Alfred Kubin 1910 aus dem Eremiten-Dasein herausgerissen. Paul Klee schrieb in sein Tagebuch: „Kubin, der Gönner ist gekommen. Er tat so recht begeistert, dass er mich hinriss. Wir saßen wirklich begeistert vor meinen Zeichnungen! Wirklich ganz begeistert! In heißer Begeisterung!“
Über Kubin lernte Klee die Künstler der Münchner Avantgarde kennen, allen voran Wassily Kandinsky und Alexej Jawlensky. In dem 1912 erschienenen Almanach Der blaue Reiter ist Paul Klee mit der Federzeichnung Die Steinhauer (1910) vertreten. Bei der zweiten Ausstellung, die die Gruppe 1912 organisierte, zeigte Klee 17 Grafiken. Nach und nach kam Klee auch mit Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Heinrich Campendonk in Kontakt. Manchmal war er im Murnauer „Russenhaus“ zu Besuch. Gabriele Münter porträtierte ihn in dem Bild Mann im Spiegel und kommentierte: „Als 1913 die heißen Tage kamen und Klee zum ersten Mal, gebührend bewundert in einer weißen Sommerhose in meinem Atelier saß, sah ich ihn bildhaft vor der Wand mit den alten Hinterglasbildern, neben dem Tischchen, auf dem sich holzgeschnitzte Figuren der Volkskunst häuften. Ich ließ die Männer die Rede führen und hielt indessen die Erscheinung in wenigen Bleistiftstrichen fest.“

Klee war überwältigt
vom klaren Licht


Vom Grafiker, wie er sich selbst nannte, zum Maler entwickelte sich Paul Klee im tunesischen Kairuan; es war eine Reise, die er mit August Macke und Louis Moilliet unternahm. Klee war überwältigt vom klaren Licht Nordafrikas, und allmählich lernte er, seine Erfahrungen in Farbe umzusetzen.
Am 14. April 1914 vollendete er sein Aquarell Hamammet und schrieb in sein Tagebuch: „Die Farbe hat mich. Ich bin eins mit der Farbe. Ich bin Maler!“
Dann kam der Krieg und schwemmte alle Pläne fort, wie es Wassily Kandinsky ausdrückte. Paul Klee, obwohl er Schweizer war, wurde 1916 zur Reichsarmee eingezogen; zuerst nach Landshut, dann nach München und schließlich Gersthofen bei Augsburg. Mit dem Ende des Krieges schloss Paul Klee auch seine Tagebuch-Aufzeichnungen.
Im Schlossmuseum Murnau gibt es nun die Gelegenheit, in der Kabinettausstellung Paul Klees Phantasiewelten zwei Dutzend Werke von Paul Klee aus den Jahren 1914 bis 1938 zu sehen. Es ist eine mit Gespür und Sachverstand zusammengetragene Privatsammlung mit Werken wie das zarte Aquarell Hamammet (1914) und das heiter-melancholische Gemälde Das Fest der Astern (1921).
Ab 1919 fanden jene Malerfreunde, die unbeschadet aus dem Krieg heimkamen oder seinerzeit als Ausländer Deutschland verlassen mussten, in Weimar wieder zueinander. Der Architekt Walter Gropius hatte in der Stadt eine Kunstschule – Das Bauhaus – gegründet, die alle Gattungen der bildenden Kunst mit dem Handwerk vereinen sollte. Paul Klee stieß 1921 dazu und blieb bis 1931 dort als Lehrer tätig. Dieser Lehrtätigkeit ist der zweite Teil der Ausstellung im Murnauer Schlossmuseum gewidmet. In einem weiteren Kabinett geht es um Arbeiten Klees aus seiner Zeit als Meister in Weimar und Dessau. Seine theoretischen Aufzeichnungen und Übungsaufgaben sind ergänzt mit Schülerarbeiten von Otti Berger, Helene Schmidt-Nonne, Lena Bergner und Gertrud Arndt.

Emigriert
in die Schweiz


In die Bauhaus-Zeit fielen Gemeinschaftsausstellungen von Paul Klee mit Lionel Feininger, Wassily Kandinsky und Alexej Jawlensky in den Vereinigten Staaten.
1931 übernahm Klee eine Professur an der Staatlichen Kunstakademie Stuttgart. Mit Beginn des Dritten Reiches musste er in seine Schweizer Heimat, nach Bern emigrieren. 1935 erkrankte er an Sklerodermie. Als die Nationalsozialisten 1937 die Ausstellung Entartete Kunst zusammenstellten, waren Klee-Bilder darunter und 102 seiner Werke wurden aus den öffentlichen Sammlungen entfernt. Am 29. Juni 1940 starb Paul Klee in Locarno-Muralto. (Günther Bitala)


(Bis 28. Juni. Schloßmuseum, Schloßhof 2 – 5, 82418 Murnau. Di. bis So. 10 – 17 Uhr.
www.schlossmuseum-murnau.de)

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