Kultur

Nicht für jedermanns Augen war das Gemälde gedacht: Kaiser Rudolph II. verwahrte es in seiner Kunstkammer – bis er Geld brauchte und es an einen Kunsthändler weiterreichte. (Foto: Kunstsammlungen Augsburg)

17.04.2015

Exquisites Tête-à-Tête

Eine Augsburger Ausstellung rund um seine "Leda und der Schwan" erinnert an den Hofkünstler Joseph Heintz

Fast 400 Jahre war sie verschollen, die Leda und der Schwan, ein 1605 von Joseph Heintz d. Ä. (1564 bis 1609) für Kaiser Rudolph II. in Prag auf Kupferplatte ausgeführtes Gemälde. Um den Kauf von Diamantenpreziosen zu finanzieren, hatte der Habsburger 1623 unter anderem das Werk zusammen mit weiteren 55 Bildern aus seiner Kunstkammer dem in Frankfurt ansässigen Antwerpener Juwelenhändler Daniel de Bries verkauft. Schon vier Monate später veräußerte der Händler die „Leda, stehend, scherzend mit einem schwanen“ an einen Geschäftskollegen. Dann verlor sich ihre Spur. Erst 2013 erwarb ein Augsburger Privatsammler das schon etwas ramponierte Gemälde im Kunsthandel.
Joseph Heintz hatte in den Jahren der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert in Augsburg bis heute sichtbare Kunstwerke hinterlassen. Davon zeugen nicht nur diverse Original-Federzeichnungen, Gemälde und Modelle sowie entsprechende Stiche im Bestand der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, sondern auch Epitaphien in der St. Anna- und ein Altarbild in der St. Michaelskirche sowie das nach einem Entwurf von Heintz ausgeführte Zeughaus in der Innenstadt.

Aufträge von der Upperclass

Der vom Kaiser 1591 zum Hofmaler in Prag ernannte Künstler wohnte zeitweise in der Fuggerstadt, wo er 1598 eine wohlhabende Augsburgerin aus der Oberschicht heiratete. Damit erwarb er nicht nur das Augsburger Bürgerrecht, sondern konnte sich auch in gehobeneren Kreisen allmählich einen Kundenstamm aufbaute. Er hatte auch viel zu bieten – nämlich eine unter den damaligen deutschen Künstlern seltene Doppelbegabung: Heintz beherrschte Mal- wie auch die architektonische Entwurfskunst. Sein Vater war ein Bildhauer und Architekt gewesen, er selbst hatte sich vornehmlich in Italien weitergebildet.
Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg haben nun das sensationelle Wiederauftauchen der „Leda“ zum Anlass genommen, eine Ausstellung um dieses als Leihgabe zur Verfügung gestellte Gemälde herum zu konzipieren. In drei Räumen im Obergeschoss des Schaezlerpalais werden Werke des kaiserlichen Hofmalers präsentiert. Dabei ergibt sich die seltene Gelegenheit, den künstlerischen Weg bis zur Endfassung der erotischen Leda-Szene via dreier Vorzeichnungen zu verfolgen, was den Leihgaben der Prager Národní Galerie und der Wiener Albertina zu verdanken ist. Die Albertina hat noch weitere fünf Zeichnungen beigesteuert, darunter den großartigen Kupferstich Der Raub der Prosperina des Augsburger Zeitgenossen Lucas Kilian nach einem von Heintz (wie die „Leda“ auf Kupfer) ausgeführten Gemälde, das heute in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden hängt.
Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung sind die Zeichnungen und Kupferstiche zu den Bauprojekten der Stadt Augsburg in jener Zeit wie die des Zeug- und Siegelhauses und der Stadtmetzg. Sie unterstreichen einmal mehr die zweite künstlerische Stärke des Hofmalers: die eines Architektur-„Designers“. Sie zeigen auch eindrucksvoll seinen Einfluss auf den ausführenden Kollegen, den nachmals berühmten Stadtbaumeister Elias Holl. Paradebeispiele für die Entwurfskunst von Joseph Heintz sind die beiden Holzmodelle für die am Rathausplatz geplante, aber nicht ausgeführte Loggia im italienisch-klassischen Stil. Sie hätte das Augsburger Stadtbild besonders geprägt. (Reiner Oelwein)

Bis 31. Mai, Schaetzlerplais, Maximilianstr. 46, 86150 Augsburg, Di. bis So. 10 – 17 Uhr. www.Kunstsammlungen-Museen-Augsburg.de

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