Kultur

The American Way of Life, wie ihn sich Laurie Simmons auch in dieser Arbeit "Long House (Downstairs Kitchen)" zusammenphantasiert. (Foto: NMN)

09.05.2014

Fabelhafter Alltag

Die erste Ausstellung mit den phantasievoll inszenierten Fotografien der Amerikanerin Laurie Simmons ist in Nürnberg zu sehen

Amerika ein Puppenheim, der „American Way of Life“ als süßlich verkitschte Barbie-Welt und die amerikanische Hausfrau wird als aufgedonnerte Blondine zur „Love Doll“ sexualisiert. Das ist Die fabelhafte Welt der Laurie Simmons, die – in Anspielung auf den französischen Film Die fabelhafte Welt der Amélie – das Staatsmuseum für moderne Kunst Nürnberg vorstellt. Es ist die erste Einzelausstellung der amerikanischen, 1949 in New York geboren Fotografin Laurie Simmons in Deutschland, ja sogar in Europa: eine Werkschau mit über 50 Arbeiten der Künstlerin in Zusammenarbeit mit der Sammlung Goetz München.
Laurie Simmons inszeniert die amerikanische Alltagswelt mit vorgefundenen Objekten, die sie arrangiert und fotografiert, sie baut sie allerdings auch in Miniatur-Architekturen nach, möbliert sie mit grauenhaften Versatzstücken amerikanischer Wohnkultur und staffiert sie mit Puppen als Prototypen des Durchschnittsamerikaners aus.

Die USA im Kleinen

Ihre großformatigen, zuerst schwarzweißen, später farbigen Fotografien zeigen in einer Art Hyperrealismus die USA als eine Welt im Kleinen, die sich die Künstlerin realitätsnah zusammenphantasiert hat. Sie spielt – mal ironisch gebrochen, mal sozialkritisch – grandios auf der Klaviatur der üblichen Klischees und Konventionen über die USA, die sie mit ihren imaginierten Interieurs und Landschaften illustriert.
Sie trifft freilich auch die amerikanische Wirklichkeit, wenn sie in ihren Talking and Walking Objects einen Base-Ball-Schläger zum Sprechen bringt, den Waffenfimmel der Amis mit einer Pistole mit Pin-Up-Beinen karikiert oder die amerikanische Luxus-Warenwelt mit einer Wandernden Handtasche auf die Schippe nimmt. Spielzeugpuppen vergrößert sie in ihren Fotografien zu Monstern, die heimelige Scheinwelt des „sweet home“ stellt sie wie in einem Kaleidoskop auf den Kopf, und Bauchredner-Puppen erstarren auf ihren Fotos in bizarren Posen.
Augenblicksaufnahmen eines puppenhaft inszenierten und pikturalisierten US-Alltags scheinen die wie Filmstills, wie Standbilder wirkenden Fotografien Geschichten zu erzählen, die sich freilich der Betrachter in seinen kruden Phantasien selbst zusammenreimen muss. Wenn nicht die überbordende Phantasie der Künstlerin selbst groteske Kapriolen schlägt und die Wirklichkeit übertrumpft: Cowboys in der archaischen Kultstätte Stonehenge und Indianer auf der Akropolis übertrumpfen selbst noch die Traumwelten Hollywoods. (Fridrich J. Bröder)

Bis 22. Juni. Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design, Klarissenplatz, 90402 Nürnberg. Di. bis So. 10 – 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr. www.nmn.de

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