Kultur

Eadweard Muybridge gelang es, Bewegungsabläufe detailliert festzuhalten. Hier ein Beispiel aus der Serie "Animal Locomotion". (Foto: Pinakothek der Moderne)

05.06.2015

Faustschlag in Zeitlupe

Die Pinakothek der Moderne zeigt Aufnahmen aus der spektakulären Fotoserie "Animal Locomotion" von Eadweard Muybridge

Eadweard Muybridge (1830 bis 1904) war der Starfotograf des 19. Jahrhunderts schlechthin. Der gebürtige Londoner führte ein bewegtes und unstetes Leben. Im Alter von 20 Jahren siedelte er in die USA über. Dort arbeitete er für das Kriegsministerium, dann machte er sich als Fotograf selbstständig. Expeditionen führten ihn von Alaska bis Mittelamerika. Dabei entstanden spektakuläre Naturfotografien, etwa vom Yosemite-Nationalpark in Kalifornien. 1874 tötete Muybridge in rasender Eifersucht den Liebhaber seiner Frau. Das Gericht hatte aber Nachsicht und sprach ihn wegen „entschuldbaren Mordes“ frei.
Bekannt wurde Muybridge indes vor allem wegen einer aufsehenerregenden Pioniertat. Er war einer der frühesten Vertreter der Hochgeschwindigkeitsfotografie (Chronofotografie), mit der sich schnelle Bewegungen im Bild festhalten lassen. 1872 verhalf Muybridge diesem fotografischen Verfahren zum Durchbruch: Ihm gelang eine verblüffend realistische Darstellung von galoppierenden Pferden.
Auf einer Ranch stellte er rund 20 Kameras in größeren Abständen nebeneinander. Auf dem Boden verlegte er ein Netz von Auslöser-Drähten. Jeder Draht war mit einer Kamera verbunden. Vor jeder Kameralinse waren zwei Holzlatten montiert. Diese schlossen sich automatisch und erzeugten ein Einzelbild, wenn ein Pferd beim Galopp mit seinen Hufen einen Draht berührte. 20 Kameras ergaben somit maximal 20 Bilder, die chronologisch aneinander montiert wurden.
Mit dieser Technik stellte Muybridge Bildtafeln her, die auf eine Scheibe gedruckt wurden. Als Muybridge die Scheibe dann in einen speziellen Projektor einlegte, begannen die Pferde, auf der Leinwand zu galoppieren.
Das bedeutendste Werk von Muybridge wurde dann Animal Locomotion („Tier-Bewegung“). Es handelt sich um eine monumentale Sammlung von rund 100 000 Hochgeschwindigkeitsfotos auf 781 Bildtafeln, entstanden zwischen 1872 bis 1885. Muybridges wollte sowohl der Kunst als auch der Wissenschaft neue Erkenntnisse über die Bewegungsabläufe aufzeigen. Als „Modelle“ dienten ihm zahlreiche Tiere: etwa Hunde, Katzen, Hirsche, Füchse, Löwen, Tiger, Elefanten und Bisons. Daneben machte Muybridge auch Aufnahmen von Menschen: von Männern, Frauen, teils leicht bekleidet, teils nackt. Meist treiben sie gerade Sport: sie laufen, boxen, ringen, spielen Tennis oder werfen einen Diskus.

Wegbereiter des Spielfilms

Eine Sonderausstellung in der Pinakothek der Moderne widmet sich derzeit dem Leben und Wirken des Eadweard Muybridge. Im Zentrum steht eine Auswahl von 22 Tafeln aus Animal Locomotion: ein faszinierendes Kapitel der Fotografie. Mit raffinierten Tricks schaffte es Muybridge, die Illusion „bewegter Bilder“ zu erzeugen. Für den Betrachter verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Schein und Realität. Mit seiner ausgefeilten Kamera- und Schnitttechnik war Muybridge auch ein Wegbereiter des Spielfilms. (Daniel Carlo Pangerl)

Bis 4. Oktober. Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40, 80333 München. Di. bis So. 10 – 18 Uhr, Do. 10 – 20 Uhr. www.pinakothek.de

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