Kultur

07.04.2015

Fromm säuselnde Sanftmut

Orchester des Gärtnerplatztheaters spielt Händels "La resurrezione di Nostro Signor Gesù Cristo" in der Münchner Allerheiligenhofkirche

Ostern in München: Theater-Unterhaltung in Menge und in jeder Couleur. Dreihundert Jahre früher in der Weltstadt Rom war das verboten. Daran musste sich auch „il caro Sassone“ halten - der virtuose Sachse Georg Friedrich Händel auf seiner Italienreise. Die Lösung: ein Oratorium. Trotz der vielen Alternativen in walking distance um die Allerheiligenhofkirche herum war dieses Angebot zwischen Oper und Konzert bis auf die Emporen hinauf ausverkauft. Wahrscheinlich weil man La resurrezione di Nostro Signor Gesù Cristo vom späteren Messias-Meister noch nie gehört hatte, diesen halbszenischen Diskurs über „die Auferstehung“. Dafür war  in Rom eigens ein riesiger Bühnenprospekt gemalt worden - in der Münchner Hofkirche war der Backsteinhintergrund ein intensiv-stimmungsvoller Hintergrund. Einst hatte der berühmte Arcangelo Corelli das Orchester des Marchese Ruspoli geleitet, jetzt stand Gärtnerplatz-Chefdirigent Marco Comin vor der etwa gleich starken Besetzung und zauberte schon mit der in Auferstehungsgewissheit aufblühenden Ouverture ein glänzendes Klangtableau. 

Und dann geht es auch schon los mit Himmel und Hölle, dem Koloraturen zwitschernden Angelo (Csilla Csövári hätte ihre Siegesgewissheit ruhig noch kräftiger herausposaunen können) und dem gefallenen Luzifer. Für den hat Pavel Kudinov genügend kraftvolle Baritonfarben: die „tiefe Höllennacht“ differenziert mit viel Gespür für die deutlich szenischen Anforderungen.

Auf der anderen Seite war die Gruppe der Trauernden, deren Klagen innig von den Blockflöten untermalt werden. Händel findet viele melodische Ausdrucksvarianten für die Ästhetik des Schmerzes. In Erinnerung bleiben besonders die nähmaschinengleich abschnurrenden Koloraturen von Arie Nr. 9 oder die bukolische Ausdruckskunst des „Angelletti, ruscelletti“. Die wurde zum Höhepunkt der Darstellung des Kleophas durch Patrizia Scivoletto. Mary Ellen Nesi war eine in  allen Phasen musikalisch sichere, ausdrucksstarke Maddalena, Adrian  Strooper ein Jünger Johannes in fromm säuselnder Sanftmut. Verschiedene Charaktere gibt es also durchaus  in diesen zweieinhalb Stunden – aber das grandiose Auferstehungsereignis, das verschwindet im gleichbleibenden Fluss von Rezitativen und Arien.

So bleibt es bei edler Oster-Unterhaltung mit einer deutlichen Vorahnung von Händels unerschöpflicher melodischer Einfallskraft. Am Ende darf auch Luzifer beim Jubelchor mitsingen. (Uwe Mitsching)

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