Kultur

Da geht die Post ab! Michael Kargus als Prinz Herbert im Kultmusical "Spamalot". (Foto: Luisenburg/Miedl)

05.07.2013

Gaga Gag-Gewitter

"Spamalot" auf der Luisenburg begeistert als verrückte Nummernrevue

Wollte man den Kalauer-Lawinen des Musicals Spamalot bei den diesjährigen Wunsiedler Luisenburg-Festspielen eine ernsthafte Story entnehmen, dann müsste man so formulieren: Zur Rettung des frühmittelalterlichen Britannien braucht Artus, der tölpelhafte Neu-König Englands, ein paar tapfere Recken – die Ritter der Tafelrunde. Ihnen gibt der zottelbärtige Gott den Auftrag, den heiligen Gral zu finden, und schließlich muss die schräge Boygroup ein veritables Musical auf die Bühne stellen. Spamalot!

Political Incorrectness

Das mit vier Tonys prämierte und jahrelang am Broadway und in London gespielte „Märchenspiel mit Musik“ von Eric Idle (Text) und John du Prez (Komposition) basiert jedoch auf zwei Kultfilmen der Siebzigerjahre: Die Ritter der Kokosnuss und Das Leben des Brian vom legendären Monty Python-Team. Deshalb steht nicht ein roter Handlungsfaden im Mittelpunkt der Aufführung oder ein sinnfälliger Plot, sondern eine karikierende Nummernrevue voller Geschmacklosigkeiten, Fettnäpfchen und political Incorrectness.
Herausragend gelingen der philosophische Nonsense-Disput zweier Turmwächter über die Plausibilität des Auftretens von Kokosnüssen im England des 10. Jahrhunderts; als running gag fungiert das slapstickhafte Wiederauferstehen des „noch nicht toten Fred“. Das farbenprächtige, Tücher schwenkende Ballett der Seejungfrauen persifliert die Show-Auftritte von TV-Tanztruppen, zwei Araberscheichs werden schon mal durch einen Nonnenstrip verführt.
Die drei großen Finale nutzen die illuminierte Revuetreppe, die Bühnenbildner Jörg Brombacher zwischen Fels und Gebüsch gebaut hat, ebenso wie die divenhaften Einzelauftritte der Seefee (April Hailer: gute Stimme). Hardy Rudolz (als stimmlich angeschlagen angekündigt, lief er aber zu voller Stärke auf) gibt König Artus als tumben Tor, der ohne die Einflüsterungen seines Lastpferdes Patsy weder die Tafelrunde gegründet noch den Gral gefunden und das Musical zustande gebracht hätte.
Michael „Patsy“ Kamp präsentiert auch, unterstützt von einer Sieben-Mann-Combo, „den“ Ohrwurm des Stücks, in den die über eineinhalbtausend Zuschauer singend und pfeifend einfallen: „Always Look on the Bright Side of Life“ – fast schon ein Ruhepunkt im zweieinhalbstündigen, von Christoph Zauner flott inszenierten Gag-Gewitter.
(Horst Pöhlmann)

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