Kultur

Die "Leiter zwischen Himmel und Erde" (hier ein Ausschnitt) zeichnet sich aus durch ein bewegtes Hinauf- und Hinabwinden. (Foto: Museum am Dom)

22.08.2014

Geheimnisvolle Bewegung

Jacques Gassmans subtile Auseinandersetzung mit dem biblischen Jakob im Würzburger Museum am Dom

Tusche und Tinte, im Alltag meist zum Schreiben gebraucht: Jacques Gassmann bedeckt mit ihnen, und zwar in ungewöhnlich vielschichtiger Farbpalette, riesige Leinwände. Mal leuchten die Bilder geheimnisvoll von innen her, mal sind die rätselhaft dunkel. Oft sind die Bilder mehrteilig. Wer die große Halle des Würzburger Museums am Dom mit der Präsentation von Gassmanns Werken unter dem Titel Jakob betritt, ist überwältigt von den Gemälden, die in sich zu fließen und zu schweben scheinen. Man ahnt, dass hier innere Prozesse ablaufen. Die Motive zeigen Ungegenständliches, und doch lässt sich oft, wie verborgen, eine menschliche Figur erahnen.
Jakob ist kein Programm, sondern ein Gleichnis für einen Suchenden, der mit Gott kämpft, verletzlich ist, sich auf dem Weg zur Erkenntnis befindet, Versöhnung, Harmonie anstrebt, dies aber im irdischen Leben nicht erreicht. Das Gefühl der Einsamkeit, Fremder zu sein, stellt sich ein: Gassmann zeigt es mit seinem fünfteiligen Werk L’Etranger, das mit schwarzer Tusche und etwas rötlich in großzügigen Pinselstrichen hingeworfen ist. Während dieser querformatige Zyklus auf Weiß von 1988 noch relativ gegenständliche Ansätze aufweist, verschwimmen diese auf neueren Arbeiten. Lediglich die Leiter zwischen Himmel und Erde – in Anspielung auf die Himmelsleiter des Jakob – ist noch auf dem großen Längsformat auszumachen. Wichtig ist da die Bewegung, das sich Hinauf– bzw. Hinunterwinden.
Um Bewegung geht es auch in Der Weg weg: eine Assoziation auf den Jakobsweg. Strahlendes Gelb dominiert das dreiteilige Werk – unter einem diffusen oberen Rand in fließendem Rötlich. Solche farbigen Prozesse, wie auch bei Nach dir, sind eigentlich gänzlich freie, wohl unbewusste Assoziationen von großer Leuchtkraft, entstanden durch das Ineinanderfließen der farbigen Tinten, durch Ausreiben, Trocknen, auch experimentelle Behandlung der Oberfläche.
Zerstörung und Schöpfung zugleich: Mit solch gegensätzlichen Polen beschäftigte sich Gassmann schon früher – etwa bei den Engel-Bildern von 1992. Die wässrige Oberfläche dieser Bilder setzte er dem Frost aus und erzielte auf diese Weise fast kristalline Strukturen. Figurative Anklänge in Weiß und Hell auf Schwarz ließen an Spuren von Kämpfen denken, an zaghaftes Licht. Auch neuere Bilder beschäftigen sich mit dem Thema Kampf: Wenn schemenhaft aus dem Dunkel Gestalten auftauchen.
Die sparsam farbigen Tuschzeichnungen auf Papier, in der Ausstellung subsumiert unter dem Oberbegriff „Diasporen“ („Zerstreuungen“), scheinen eher spontan entstanden; oft sind hier die Umrisse einer menschlichen Figur zu erkennen. Immer geht es Gassmann um den Menschen und seine Befindlichkeit. Anders die Wand mit grünen Tafeln auf rotem Grund; sie beschreiben unter dem Titel „Ogrody“ (polnisch für Garten) in diffusen, kaum wahrnehmbaren Formen den Vorgang des Werdens und Wachsens. Beeindruckend sind auch transparente Vorlagen für Glasfenster: Mit wenigen Strichen umreißen sie die Figuren der Brüder und thematisieren die menschliche Verletzlichkeit. (Renate Freyeisen)

Bis 28. September. Museum am Dom, Kiliansplatz 1, 97070 Würzburg. Di. bis So. 10– 18 Uhr.
www.museum-am-dom.de

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