Kultur

07.12.2012

Gelungener Reifeprozess

10 Jahre Bayerische Landesbibliothek Online

Ein bisschen ist es bei der BLO wie mit dem Kindergroßziehen: Mit Mühen und einer Menge guter Anlagen in die Welt gesetzt, brauchen sie viel (aufopfernde ebenso wie disziplinierende) Pflege, mausern sich zu wohlgeratenen Sprösslingen – tja, und gehen dann bald eigene Wege, bauen ihre eigenen familiären Bindungen auf.
Vor zehn Jahren ging die Bayerische Landesbibliothek Online ins Netz. Ein BLO-Jahr muss im www-Zeitalter aber um einen Faktor X potenziert werden, denn das damals erste kulturwissenschaftliche Portal auf Landesebene ist heute ein Best Ager – und ist längst selbst Keimzelle für Neues: „Die BLO bildet den Nukleus des neu entstehenden digitalen Kulturportals Bayern“, freute sich bei der „Geburtstagsfeier“ vergangene Woche Rolf Griebel, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB).
Diese hat quasi die Elternschaft der BLO übernommen: Nicht nur, was das Knowhow und die technische Infrastruktur über das Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ) und die organisatorische Federführung angeht, sondern nach der Anschubfinanzierung durch das Wissenschaftsministerium auch in Hinblick auf die finanzielle Fürsorge (Drittmitteleinwerbung), die notwendig war, um das Kind nicht bloß am Trippeln zu halten, sondern es auf Hochleistungssprint zu trimmen.
Durchschnittlich werden in der BLO pro Jahr 20 neue Projekte freigeschaltet, inzwischen machen über 50 Institutionen mit. Das Historische Lexikon Bayerns, die Urkatasterblätter, Handschriften aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Quellen zur Geschichte der Fugger, Bambergs Kaiser-Heinrich-Bibliothek, der Sprechende Sprachatlas und das erst in diesem Sommer online gegangene aufwändige Literaturportal Bayern ...

Tiefschürfend

Das sind einige Marken in der Projektchronologie, die nicht nur quantitatives, sondern auch qualitatives Reifen belegen: Der zentrale Zugang zu den vielen Projekten zur Geschichte Bayerns ist vor allem in der zum Jubiläum überarbeiteten Online-Plattform noch übersichtlicher und nutzerfreundlicher. Die Suchergebnisse gehen noch mehr in die Tiefe. Beispielhaft genannt sei die Ortsdatenbank: Die Nennungen darin werden demnächst von 41 000 auf 88 000 mehr als verdoppelt; aufgenommen sind nun nämlich auch abgegangene und eingemeindete Orte ebenso wie geografische Bezeichnungen (Flüsse, Seen, Berge). Und dann wird dieses Modul auch noch mit einer App „Historisches Bayern“ verknüpft: mit den Apiankarten und gestochenen Ansichten des Michael Wening ebenso wie mit Geodaten.
Wesentlich ist, dass das Portal nicht „zentralistisch“ aufgebaut ist: Es ist ein homogenes Nebeneinander der (auch was die medialen Formen angeht) heterogenen Module. Da sind übergreifende Angebote wie das Historische Lexikon, die Personen- oder Ortsdatenbanken – daneben wurde aber immer mehr der regionale Aspekt gestellt: Es gibt das spezielle Portal „Franconica online“, es wurden die Würzburger Totenzettel eingepflegt, die Kemptener Klosterchronik ebenso wie ein Regensburger Schwerpunkt, um nur einige wenige zu nennen.
Das alles will für die jährlich über 12 Millionen BLO-Besucher (man stelle sich vor, diese Besucher würden mit ihren Anfragen leibhaftig in den Bibliotheken und Archiven stehen!) gewartet und gepflegt sein: eineinhalb Stellen für die Technik, dreimal eine halbe Stelle für das Historische Lexikon, zwei halbe Stellen für das Literaturportal – Alle Stellen natürlich nur befristet ... „Von der Hand in den Mund“, charakterisiert Stephan Kellner, BLO-Projektverantwortlicher das Knausern mit Stellen und Etat – den es nämlich nicht fest verankert im Staatshaushalt gibt. Man muss sich von Zuschuss über Zuschuss hangeln, vieles wird halt „irgendwie“ über die Bayerische Staatsbibliothek gemanagt.

Gretchenfrage

Dort ist man allerdings am Punkt angelangt, wo vor einer Überstrapazierung der (freiwilligen) Fürsorge gewarnt wird. „Wenngleich die BLO im digitalen Zeitalter eine genuine Aufgabe der zentralen Landes- und Archivbibliothek darstellt, so setzen doch die in Relation zum Aufgabenspektrum extrem knappen Ressourcen der Eigenleistung sehr enge Grenzen, die nicht dauerhaft massiv überschritten werden können“, sagt Rolf Griebel.
Da klingt letztlich die „Gretchenfrage“ mit: Wie hält es denn nun „der Staat“ mit „seiner BLO“? Und im Hinblick auf das von gleich drei Ministerien gewünschte Kulturportal Bayern, das eine logische Weiterentwicklung der BLO zu werden verspricht, ist das auch ein Appell ans Konnexitätsprinzip: Wer anschafft, muss zahlen. (Karin Dütsch)

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