Kultur

Fürstbischof Greiffenclau im Tiepolo-Deckengemälde der Würzburger Residenz. (Foto: BSV/Achim Bunz)

01.12.2015

Göttergleicher Mäzen

Heute vor 325 Jahren wurde Fürstbischof Greiffenclau geboren. Er holte den legendären Freskenmaler Tiepolo nach Würzburg

Vor 325 Jahren, am 1. Dezember 1690 wurde Carl Philipp Reichsfreiherr von Greiffenclau zu Vollraths geboren. Er war von 1749 bis 1754 Würzburger Fürstbischof und war ein Kunstmäzen in der Tradition der Schönborns. Schon gleich nach sienem Regierungsantritt berief er den legendären Balthasar Neumann zum Oberbaudirektor seiner Residenz. Er holte namhafte Künstler an seinen Hof - allen voran den großartigen Freskenmaler Giovanni Battista Tiepolo aus Venedig. 

Dieser verewigte seinen Auftraggeber sehr prominent in Deckenfresko des Residenz-Treppenhauses: das Porträtmedaillon des Fürstbischofs schwebt im Götterhimmel.

Baumeister auf der Kanone

Das von Tiepolo gemalte Deckengemälde zeigt den Aufgang der Sonne über der Welt und die Verherrlichung des Fürstbischofs von Greiffenclau, umgeben von den damals bekannten vier Kontinenten. Herausgehoben ist die Darstellung Europas mit dem Würzburger Hof als Hort der Künste.

Hier hat sich der Maler Giovanni Battista Tiepolo auch selbst verewigt. Mit einer Mütze auf dem Kopf beobachtet er vom linken unteren Szenenrand das Geschehen. Auch Balthasar Neumann, der geniale Architekt des Treppenhauses, ist dargestellt – und zwar auf einer Kanone sitzend als Hinweis auf seine Ausbildung als Geschützgießer und seine Tätigkeit als Festungsbauingenieur. Das 1753 vollendete, rund 600 Quadratmeter messende Deckengemälde war damals das größte einteilige Fresko, das je gemalt wurde.

Mehr Geld für Professoren

Die ehemalige Residenz der Würzburger Fürstbischöfe, 1720 bis 1744 im Rohbau entstanden und bis 1780 fertig ausgestattet, gehört zu den bedeutendsten Schlossanlagen des Barock in Europa und zählt heute zum Welterbe der UNESCO.

Aber nicht nur um seine Residenz kümmerte sich Carl Philipp - sein Name ist auch verbunden mit manchen Neuerungen im Hochstift Würzburg: So führte er dort ein allgemeines Gesangbuch ein und modernisierte die Verwaltung des pfarrlichen Vermögen. Auch eine Reform des Apotheker- und Ärztewesens setzte er durch. Und auch der Universität galt seine Aufmerksamkeit: Er initiierte eine neue Studienordnung und die Einrichtung eines Lehrstuhls für Experimentalphysik. Die Professoren werden ihm dankbar gewesen sein: Er sorgte dafür, dass ihre Gehälter stiegen.

Zweifelhafte Gnade für die Hexe

Bei aller Bewunderung für den Fürstbischof: In seiner Amtszeit (1749 bis 1754) kam die letzte "Hexe" im Hochstift Würzburg auf den Scheiterhaufen. Es war noch dazu eine Ordensfrau: Vermutlich aus purem Neid und aus Missgunst wurde die Superiorin von Kloster Unterzell, Maria Renata Singer von Mossau, für alle Unbill in Kloster und im Ort Zell am Main verantwortlich gemacht. Immerhin milderte der Fürstbischof ihr Verurteilung dahingehend ab, dass sie nicht bei lebendigem Leib verbrannt wurde: Der Henker schlug ihr erst den Kopf ab. (BSZ)

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