Kultur

08.04.2011

Grauer Himmel überm Hügel

Neuer Bayreuther „Ring“ ohne Wim Wenders

Die kulturelle Weltmarke Bayreuth, die „Richard-Wagner-Festspiele“ und das Jahr 2013, der 200. Geburtstag des Meisters: Da erwartet die Kulturwelt etwas Überragendes von der Neuinszenierung des Ring des Nibelungen. Doch nun hat Filmregisseur Wim Wenders, mit dem seit Monaten verhandelt wurde, abgesagt.
„Weißt du, wie das wird?“, fragen die Nornen, die die Fäden des Schicksals weben, in Richard Wagners Ring des Nibelungen. Sie fragen es in der Götterdämmerung – und eine kleine Götterdämmerung erleben Eva und Katharina Wagner auf dem Grünen Hügel gerade.
Denn es geht da nicht um irgendeine Absage. Wer mit Produktionsbedingungen nicht vertraut ist, sollte sich die logistische und technische Großentscheidung klarmachen: über 16 Stunden Musik sind zu bebildern – vom raffinierten Entstehen einer Welt bis zu ihrem spektakulären Untergang. All dies in einer Ästhetik, die eben nicht schon opernweltweit zu erleben war.
Da Bayreuth fast ein halbes Jahr geschlossen, also kein üblicher Theaterbetrieb mit dauernd arbeitenden Werkstätten ist, hätten die Bauproben längst beginnen müssen. Dabei haben Eva und Katharina Wagner nicht etwa getrödelt: Beide sind auch erst spät als Festspielleiterinnen installiert worden. Bei heutigen Vorlaufzeiten im globalisierten Opernbetrieb waren etliche Starregisseure schon an andere Opernhäuser gebunden. Andere haben abgesagt, teils weil sie sich nicht für drei bis vier Jahre mit Wagners Ring blockieren wollen, weil sie sich die Mammutaufgabe nicht zutrauen, weil ein Scheitern in Bayreuth doch auch ein Karriereknick sein kann.
Filmregisseur Wim Wenders schien ein interessanter Kandidat zu sein: ernsthaft fernab des Starrummels, ein Mann, dessen sensibler Tanz-Doku-Film Pina auch theatralisch überzeugt – dem man einen womöglich „entschleunigten Ring“ zugetraut hätte, ohne Bilderfülle, ohne hektische Aktionismen; im Zentrum ein trauriger Gott Wotan, wie die Engel in Wenders Film Himmel über Berlin.

Generalprobe zum Film

In den letzten Wochen war zu hören, dass es nur noch um die juristisch hochkomplexen Bildrechte geht: Übertragung und Aufzeichnung durch den Bayerischen Rundfunk
und/oder auch durch das ZDF, Public Viewing durch die Bayreuther Festspiel-Medien, Bild- und Senderechte weltweit, DVD-Auswertung …
Alles gescheitert! Dem Vernehmen nach speziell an Wenders Wunsch, auch gleich einen Ring-Film zu drehen, dessen Vorlaufkosten von 3,5 Millionen Euro er von den Festsspielen finanziert haben wollte. Das aber hätte die Bühneninszenierung zur „Generalprobe“ für den Film degradiert – für die Festspiele inakzeptabel. Die allenthalben geforderte Öffnung Bayreuths, eben auch für die modernen Medien, schlägt nun zurück.
Katharina Wagner soll bereits in Verhandlungen mit einem neuen Kandidaten stehen. Bislang gilt nur noch: Kirill Petrenko soll dirigieren. Doch wird er nicht lieber als neuer Münchner Generalmusikdirektor den neuen Münchner Ring dirigieren?
„Nur eines will ich noch: das Ende!“, singt Göttervater Wotan – hoffentlich wird es in Bayreuth ein produktiv erfreuliches. (Wolf-Dieter Peter)

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