Kultur

Alles von Mickey Mouse & Co. wurde so verkauft, als habe Walt Disney selbst Hand angelegt. Die wahren zeichnenden Schöpfer der Comicfiguren blieben unbekannt. (Fotos: Walt Disney Company)

18.01.2013

Große Klappe und ein bisschen doof

Entenhausen liegt in Regensburg

Klein, jähzornig, große Klappe und nicht der Hellste: So betrat Donald Duck in Matrosenanzug und mit Matrosenmütze die Welt der Comics. Nach einer Nebenrolle in dem Zeichentrickfilm The Wise Little Hen (1934) begann sein Siegeszug in der Serie Silly Symphonies, die 1937 nach ihm benannt wurde. Nur kurze Zeit (1938) später kamen Tick, Trick und Track dazu: vaterlos, eine Drillings-Jungfernzeugung und anschließend von der Mutter im Stich gelassen.


Carl Barks (1901 bis 2000), Alfred „Al“ Taliaferro (1905 bis 1969) und Floyd Gottfredson (1905 bis 1986) sind die begnadeten Comic-Zeichner, die von Beginn an jahrzehntelang im Walt-Disney-Universum verborgen wirkten. Jetzt stehen Sie in der Ausstellung Ente gut – alles gut in der Städtischen Galerie im Regensburger Leeren Beutel als die Schöpfer der Welt von Mickey Maus, Donald Duck, Onkel Dagobert & Co im Rampenlicht.
Sie waren es, die die Nächte durchzeichneten – ächz –, kaum Urlaub machen durften – stöhn! – und dann nicht einmal die Lorbeeren für ihre Arbeit einheimsen konnten – grummel! Die Comic-Fans wurden in dem Glauben belassen, dass jede Figur persönlich aus der Hand von Walt Disney stamme. Keiner der wahren Zeichner durfte seine Arbeiten namentlich signieren – erst nach ihrem Tod wurden die wirklichen Schöpfer der Comics bekannt.
Die Ausstellung, die schon 1999 und noch zu Lebzeiten von Carl Barks in Berlin gezeigt wurde, räumt den drei Zeichnern den Platz in der Kunstgeschichte des Comics ein, der ihnen gebührt. Carl Barks hatte Entenhausen erfunden. Er hatte die Comicgeschichte über die bisherigen Streifen mit vier Bildern hinaus anwachsen lassen zu zehnseitigen Komödien. Schnell war der Schauplatz nicht nur Entenhausen: die Abenteuer spielten in der weiten Welt und brauchten dafür bis zu 30 Seiten.
Floyd Gottfredson betreute Mickey Maus 46 Jahre lang und erfand auch den freundlichen Hund Pluto. Al Taliaferro gilt als der geistige Vater der Enten, der als „Tages-Donald“ für die kurzen täglichen Episoden zuständig war, im Laufe der Zeit aber an Popularität verlor, während die längeren Donald-Abenteuer von Barks an Beliebtheit gewannen. Auch der Ideengeber und Texter Bob Karp wird in der Ausstellung gewürdigt; er lieferte die Vorarbeiten für viele Strips.
Die Ausstellungsstücke aus den 1930er bis 1960er stammen zum Teil aus der Sammlung der Mannheimer Kuratoren Peter Reichelt und Ina Brockmann sowie von privaten Leihgebern. Die trennten sich zumindest auf Zeit von einer Reihe von Lithografien, die nach Ölgemälden von Carl Barks gedruckt wurden. Barks hatte die Genehmigung vom Disney-Konzern, Entenhausen-Motive zu malen und zu vervielfältigen. Der Comic-Fan bekommt beim Anblick der Farborgien in Öl – keuch – erhöhten Blutdruck. Die Originalzeichnungen, Bleistift- und Tuschezeichnungen für Titelblätter sowie Probedrucke und Comicstrips sind ein wahrer Sehgenuss, der auch ein bisschen nostalgisch stimmt. Wie viele Emotionen da befördert wurden, wer die Väter von Maus und Ente waren und wen sie später inspirierten, hier Wilhelm Busch, da die Asterix-Schöpfer: das zu sehen, ist pures Vergnügen. Und noch richtig handmade. (Ines Kohl)

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