Kultur

03.08.2012

Herheims "Parsifal" zum letzten Mal auf dem Grünen Hügel

Am Beginn der letzten Serie erlebten Regisseur Stefan Herheim, Heike Scheele (Bühne) und Gesine Völlm (Kostüme) die Parallele zu Chéreaus „Jahrhundert-Ring“: vor vier Jahren wütende Ablehnung – jetzt Schlussjubel für Einzigartiges.
Die kommende Kino- und Fernsehübertragung sowie neue Solisten haben dem Parsifal-Team 14 zusätzliche Probentage beschert. Prompt wirkte alles konzentrierter, konkretisiert, geschärfter, expressiver – festspielhaft. Der wissende Zuschauer ist gefordert: beste Textkenntnis samt Umrissen der Familiengeschichte Wagner; deutsche Politik- und Kulturgeschichte vom Kaiserreich zur Bundesrepublik; Psychologiekenntnisse und Parsifal-Interpretationsgeschichte.
Herheim und sein „zweites Gehirn“, Dramaturg Meier-Dörzenbach, haben in eine zwar durchlaufende Haupthandlung, aber mit ergänzenden und erweiternden Nebenspielzügen, mit Bildeinblendungen und vor allem durch Heike Scheeles faszinierend wandelbare Bühnenlandschaft eine herausfordernd reiche, fast überreiche Gleichnishandlung geformt: Was bedeutet „Erlösung“ – für den Einzelnen, die Familie Wagner, ein Volk, einen Staat?
So sind auf Parsifal-Klein-Siegfrieds Weg vom Uraufführungsjahr 1882 bis hin zur bislang „besten Lösung“, dem Bundestag des Grundgesetzes und des UN-Friedensgebotes, rund 120 Jahre Suche und Irrwege der „deutscher Erlösung“ als totales Theater zu erleben. Unvergesslich!
Dazu steuerte Dirigent Philippe Jordan mit dominierend zarten Nuancen einen eher lyrisch-impressionistischen Klangteppich bei. Ein sehr gutes Ensemble um die neue, zwar hochdramatische, aber textundeutliche Kundry Susan Macleans und den etwas zu sonnigen Parsifal von Burkhard Fritz wurde überstrahlt von Bass Kwangchul Youn: dessen Textbehandlung, Piano-Kultur wie Fortissimo-Ausbrüche als Gurnemanz sind derzeit wohl nicht zu übertreffen. Ein Theater-Schmerz, von all dem Abschied zu nehmen!
Trost und dringender Hinweis: unter www.wagner-im-kino.de sind die Kinos zu finden, die neben dem TV-Sender Arte am 11. August ab 16 Uhr diese singuläre Parsifal-Deutung live vom Grünen Hügel übertragen. Schön, dass später eine DVD diesen epochalen Interpretationsmarkstein festhält – doch das Live-Erlebnis bleibt unschlagbar. (Wolf-Dieter Peter)

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