Kultur

In München wird Ralph Morgenstern an der Seite von Bori Kállay einen Stargastauftritt als Butler Miska haben. (Foto: Samu Mihály Gálos)

24.04.2015

Hinter der Fassade tobt der Tanz auf dem Vulkan

100 Jahre "Csárdásfürstin": Bundapester Operettentheater kommt nach München

Er humpelt über die Bühne und richtet seine Krücke wie ein Maschinengewehr aufs Publikum – „ratatata“. Es ist Arnold Schultheiß, ein von der Front zurückgekehrter Soldat. Er ist kriegstraumatisiert. Die Gesellschaft verdrängt das. Von Kameraden wird er fortgetragen, wenn er wieder ausflippt – „ratatata“. Denn die feine, degenerierte Gesellschaft feiert lieber ihre Feste. Doch unter der sozialen Mittel- und Oberschicht brodelt es – wie beim Tanz auf dem Vulkan.
In seiner Inszenierung der Csárdásfürstin von Emmerich Kálmán möchte Miklós Gábor Kerényi, alias „Kero“, genau diese Geschichte erzählen. Mit ihr feiert das traditionsreiche Budapester Operettentheater den 100. Geburtstag der berühmten Operette. Jetzt wurde diese Produktion in Budapest gezeigt, im Juni gastiert sie am Deutschen Theater in München – mit László Makláry am Pult.

Leit- und Leidmotiv

Der Soldat Schultheiß (Sándor Barkóczi) ist ein Schachzug der Regie. Mit diesem Traumatisierten wird der Erste Weltkrieg zum Leit- und Leidmotiv. Oftmals wird dieser Kontext gerne „weginszeniert“. Dabei hatte Kálmán bei der Uraufführung seiner Csárdásfürstin im November 1915 in Wien diesen sozialen, aktuellen Kontext im Sinn. Wie bei Jacques Offenbach klafft auch bei Kálmán hinter der Operetten-Fassade ein Abgrund.
Im Vordergrund stehen zwei Techtelmechtel. Einerseits wollen die Chansonette Sylva Varescu (Mónika Fischl) und der Fürstensohn Edwin Ronald (Gergely Boncsér) zusammenkommen. Andererseits bezirzen sich die Komtess Stasi (Annamari Dancs) und der Graf Boni (Dávid Szabó).
Bis auf den historischen Hintergrund, der auch mit Videobildern zum Ersten Weltkrieg untermauert wird, inszeniert „Kero“ die Csárdásfürstin ganz klassisch. Viel Plüsch und Federboas sind zu sehen. In der Ausstattung wird manches Operettenklischee bedient. Wer die ungarische Operettentradition im Original erleben will, der kommt auf seine Kosten. „Woanders in Europa geht es in der Operette hauptsächlich ums Singen“, erklärt Bori Kállay. „In der ungarischen Operette sind der Tanz und die Akrobatik wichtig, sie ist sehr körperlich und direkt.“
In der Csárdásfürstin gibt Kállay die Fürstengattin Anhilte zum Besten. Nicht nur in Ungarn gilt Kállay als Grande Dame der Operette und des Musicals. Bei der Aufführung in Budapest war die „ungarische Körperlichkeit“ allgegenwärtig – mit viel Witz und Esprit, erfrischend temporeich und darstellerisch brillant.
In München wird Kállay mit dem kultigen Komiker und Moderator Ralph Morgenstern als Butler Miska ein „Dream Team“ abgeben. „Ich wollte unbedingt die Aufführungen in München mit Kállay machen, weil sie einfach eine unglaubliche Bühnenpräsenz hat“, sagt Morgenstern. „Sie ist eine Vollblut-Schauspielerin, ein großes Vorbild gerade für die jungen Darsteller.“ (Marco Frei)

11. bis 14. Juni, Deutsches Theater München. www.deutsches-theater.de

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